«Dies ist ein Sieg für den gesamten Fussball.» Damit reagiert die Uefa auf den Rückzieher von Gianni Infantino (56). Die Pläne, Teile der WM-Rechte zu privatisieren, hat der Fifa-Präsident nach nur wenigen Tagen verworfen. «Die Uefa dankt allen Fans, Ligen, Vereinen, Spielern, Einzelpersonen, Verbänden und Konföderationen, die sich gegen dieses Vorhaben ausgesprochen haben, sowie den vielen Ministerpräsidenten, Staatschefs und Kommentatoren, die dem Fifa-Präsidenten deutlich gemacht haben, dass Fussball nicht zum Verkauf steht.»
Doch damit hat die europäische Fussball-Union noch nicht genug: Sie sagt dem Walliser den Kampf an. «Wir können nicht so weitermachen wie bisher – mit geheimen Plänen, die im Eiltempo von anonymen Personen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport zweifelhaft ist. Wir müssen die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.»
Man wolle in den kommenden Tagen und Wochen erarbeiten, wie es zu einer solchen Aktion kommen konnte und möchte dadurch verhindern, dass es künftig zu einer vergleichbaren Situation kommt. «Die derzeitige Fifa-Führung hat nicht nur das Vertrauen der Uefa, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fussballfamilie verloren.»
«Schäbiger, undurchsichtiger Deal»
Die Uefa beruft sich auf zwei Versprechen Infantinos, die er 2016, als er zum Präsidenten ernannt wurde, gemacht hat: Immer transparent zu sein und dass das Geld der Fifa der Entwicklung des Fussballs dienen muss. «Beide Versprechen hat er nicht eingehalten. Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte, undurchsichtige Deal, den er ausgeheckt und durchzusetzen versucht hat, war alles andere als transparent. Und bei Reserven von über fünf Milliarden US-Dollar hat er es zudem versäumt, das Geld der Verbände zum Wohle des Sports einzusetzen.»
Man versuche nun, eine neue Art der Mittelverteilung zu etablieren. «Wir müssen damit beginnen, einen Teil des Geldes, das ungenutzt auf dem Bankkonto der Fifa schlummert, einzusetzen, um den Anstoss zu geben, den der Breitensport und der Fussball insgesamt in jedem der 211 Fifa-Mitgliedsländer benötigen.» Dazu sei ein Verkauf des «Familiensilbers», sprich der WM, nicht nötig.
Für den Moment habe man mit Erfolg gegen den Plan Infantinos angekämpft, doch damit sei die Geschichte noch nicht zu Ende: «Der Vorschlag ist vom Tisch. Die Aufgabe, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, hat gerade erst begonnen.»