Statt sich nach der WM den Ruhestand zu geniessen, hat sich Pierluigi Tami (65) auf Wunsch des neuen Nati-Boss Marinko Jurendic (48) dafür entschieden, dem SFV noch bis zum Ende der diese Woche beginnenden Nations-League-Kampagne zur Verfügung zu stehen. Und so muss der Tessiner am Montagnachmittag statt zu Hause auf dem Sofa im Nati-Camp in Belek vor den Medien Platz nehmen – und dort Fragen zu Granit Xhaka beantworten.
Er habe am Freitag das erste Mal von diesem Thema erfahren, sagt Tami. «Jeder macht Fehler. Nur weil du Captain ist, ist er nicht perfekt. Für mich ist es wichtig, dass er Verantwortung übernimmt», so der Nati-Direktor. Bei Xhakas Vergehen handle es sich aber um eine private Angelegenheit, schliesslich habe man in der Nati nie eine Impflicht gehabt. Tami: «Für den Moment ist diese Thema uns für erledigt.»
Tami: «Müssen auch ohne Granit ein starkes Team haben»
Dass der Nati-Captain den Nations-League-Zusammenzug sieht Tami auch als Chance. Schliesslich würden so andere Spieler die Chance bekommen, sich zu beweisen. «Es kann immer passieren, dass ein wichtiges Element ausfällt. Am Ende müssen wir auch ohne Xhaka eine starke Mannschaft auf den Platz bringen können.» Trotzdem gibt auch Tami zu: «Ein Leader wie Granit wäre jetzt wichtig, um die neuen Spieler ins Team zu integrieren. Wir müssen eine Mannschaft aufbauen, die den guten Fussball bestätigen kann, den wir an der WM gezeigt haben.»
Doch der Xhaka-Vorfall ist nicht die einzige Brennpunkt, mit dem sich der Fast-Pensionär auseinandersetzen muss. Neben dem Nati-Rücktritt von Noah Okafor (26) muss er auch Fragen zur Nati-Absage von Alessandro Romano (20) beantworten. «Wir haben viel gemacht. Aber wenn sich ein Spieler sich so entscheidet, müssen wir das akzeptieren», so Tami. Einen Vorwurf, dass man sich zu wenig um den künftigen italienischen Nationalspieler bemüht habe, will er sich nicht gefallen lassen: «Viele haben keine Ahnung, wie viel wir investiert haben. In zwei Jahren haben ihn vier unserer Nationaltrainer in Rom besucht. Er hat 34 Spiele für unserer Nachwuchsmannschaften gemacht und war Captain. Er war immer auf der Liste und wir haben sein Talent gesehen. Aber wir versprechen niemandem etwas. Schliesslich darf es kein Nachteil sein, wenn jemand nur den Schweizer Pass hat.»
Die Pressekonferenz zum Nachlesen:
Die Pressekonferenz ist vorbei
Tami verabschiedet sich. Obs seine letzte Nati-PK war, kann er noch nicht sagen.
Ist Jashari der Gewinner des Falls Xhaka?
«Es gibt keine Gewinner. Aber klar: Wenn er nicht dabei ist, gibts Platz für andere. Da kann Ardon oder Aebischer oder sonstwer in die Bresche springen. Das kann ja auch in der Quali passieren, dass Granit ausfällt. Wir brauchen eine starke Mannschaft, auch ohne Xhaka. Erfahrene Spieler wie Akanji, Elvedi oder Freuler müssen jetzt Verantwortung übernehmen.»
Tami zum Fall Alessandro Romano
«Im Moment ist das Reglement so, dass er das so machen kann. Wir haben vieles unternommen, um ihn von der Schweiz zu überzeugen. Am Ende hat sein Herz anders entschieden. Jetzt freuen wir uns über jene Jungen, die in einer ähnlichen Situation waren und nur hier sind wie Boteli, Britschgi oder Athekame. Vier verschiedene Nationaltrainer haben Alessandro innerhalb von zwei Jahren besucht. Aber wie gesagt: Wenn sein Herz anders entscheidet, können wir nichts machen.»
Tami zu Noah Okafor
«Ich wollte einen so guten Athleten wie ihn nie verlieren. Aber Murat (Yakin) war sehr klar in seiner Pressekonferenz. Noahs Qualitäten passen manchmal nicht zu seiner Spielidee. Das hat Murat gut erklärt, weshalb Noah keinen Platz im Team hat. Die Spieler sehen das Thema nur aus eigener Perspektive. Der Trainer muss das ganze Bild sehen. Murat hat alles probiert, um ihn zu integrieren. Am Ende waren wir mit seinen Leistungen nicht zufrieden.»
Tami über die Auswirkung aufs Nati-Image
«Das ist eine private Sache. Die Nati hat damit nichts zu tun. Gleiches gilt für seine politischen Äusserungen. Das respektieren wir.»
Tami über die Kommunikation
«Es ist alles gegangen. Granits Entscheidung ist auch schnell gefallen. Auch wenn es für ihn nicht einfach war.»
Tami über den sportlichen Ausfall
«Es sind neue, junge Spieler dabei. Diese Nations League ist wichtig für unsere Entwicklung. Die Neuen müssen integriert werden. Da wäre ein Leader wie Granit natürlich wichtig. Aber wir haben auch andere Anführer. Ziel ist die Quali für die nächste EM. Dafür müssten wir mindestens in Topf 2 kommen.»
Tami über den Fall Xhaka
«Ich habe seit Freitag oder Samstag vom Thema gewusst. Ich bin froh darüber, wie Granit heute reagiert und Verantwortung übernommen hat. Wir können alle Fehler machen. Wichtig ist, es auch zuzugeben. Ich schätze seine Reaktion sehr. Für die Mannschaft ist das wichtig. Denn für uns ist jetzt ein wichtiger Moment nach der WM. Da muss sein Fall nicht Priorität haben. So ist das Thema vorerst erledigt. Zu impfen war für uns nie Pflicht, nur eine Empfehlung.»
Begrüssung
Der erste Nati-Zusammenzug nach der WM ist lanciert, die meisten Spieler sind in Belek (Türkei) eingetroffen. Doch aktuell gibt nur ein Thema rund um die Nati zu reden: das Covid-Geständnis von Granit Xhaka. Was sagt Nati-Direktor Pierluigi Tami dazu? Die Pressekonferenz gibts ab 16 Uhr im Ticker und im Livestream.
