Die Schlüsselszene
Die Schweiz führt 1:0 und hat das Spiel im Griff, als Livia Peng mit ihrem kapitalen Fehlpass in der 20. Minute das 1:1 verschuldet. Danach gibt es einen Bruch im Schweizer Spiel und es wird ein zäher Nachmittag für die Nati, die lange ihrer Favoritenrolle nicht gerecht wird.
Das Spiel
Ende gut, aber nicht alles gut. Die Nati wird im Playoff-Hinspiel ihrer Favoritenrolle letztlich dank einer Doublette von Riola Xhemaili doch noch gerecht, aber eine Stunde lang tut sie sich enorm schwer – aus eigenem Verschulden. Vor allem Torhüterin Livia Peng zieht einen miserablen Nachmittag ein und verschuldet zwei Gegentreffer. Aber auch die Nati-Defensive macht keinen gefestigten Eindruck.
Besser macht es die Offensive, die allerdings vor der Pause auch phasenweise Mühe hat, den tief stehenden israelischen Abwehrriegel zu knacken. Auch deswegen darf sich das Navarro-Team nicht allzu viel auf diesen Sieg einbilden. Spätestens in der 2. Playoff-Runde Ende November gegen Österreich oder den Kosovo reicht eine solche Leistung nicht mehr.
Was auch erstaunt: Seit knapp einem Jahr ist der Spanier Navarro nun Nati-Trainer, von der stets gepredigten offensiven Spielphilosophie ist aber auch gegen einen auf dem Papier schwachen Gegner wenig zu sehen.
Die Tore
14. Minute, Géraldine Reuteler, 0:1. Wälti tritt eine Ecke kurz zu Schertenleib. Diese legt auf Reuteler an der Strafraumgrenze zurück. Reuteler zieht eiskalt ab und trifft via rechten Pfosten zur Führung für die Schweiz.
20. Minute, Talia Sommer, 1:1. Maritz spielt einen Rückpass auf Peng, die sich einen katastrophalen Fehlpass direkt in die Füsse von Sommer spielt. Diese lässt im Zweikampf Xhemaili stehen und zieht an der Strafraumgrenze ab. Peng ist beim strammen Weitschuss machtlos.
35. Minute, Talia Sommer, 2:1. Beney holt an der Strafraumkante Almasari von den Beinen, die bei einem Angriff hätte durchziehen können. Den anschliessenden Freistoss setzt Sommer über die Mauer ins Tor von Peng, die sich etwas zu spät auf die linke Seite wirft.
45. + 1 Minute, Iman Beney, 2:2. Eine von Reuteler getretene Ecke findet über einen Kopf einer Isrealin zu Beney. Diese kommt aus der Distanz völlig freistehend perfekt zum Abschluss. Ihr Weitschuss findet den Weg unhaltbar für die israelische Torhüterin in den Kasten der Israelinnen. Traumtor!
47. Minute, Sydney Schertenleib, 2:3. Die eingewechselte Riesen setzt sich kurz nach ihrer Einwechslung und nach Wiederanpfiff in Szene. Von der rechten Seite bringt sie einen Ball zur Mitte in den Strafraum. Dort kann Israel klären, der Ball kommt jedoch zu Schertenleib, die von ausserhalb des Strafraums abzieht und die Schweizerinnen wieder in Führung bringt. Nächstes sehenswertes Weitschuss-Tor.
53. Minute, Talia Sommer, 3:3. Und wieder braucht Israel nicht lange, um auf den Rückstand zu reagieren. Erneut sieht die Schweizer Verteidigung nicht gut aus. Maritz verliert in der eigenen Hälfte den Ball. Sommer schnappt sich das Spielgerät und zieht auf der linken Seite los. Calligaris und Wälti können die Israelin nicht stoppen und so schlägt Sommer zum dritten Mal zu.
65. Minute, Riola Xhemaili, 3:4. Riesen lässt einen Abpraller einer Israelin nach einem Schussversuch der Schweizerinnen zu Schertenleib durchlaufen. Diese findet im Strafraum Xhemaili, die Schweiz per Kopf wieder in Führung bringt.
73. Minute, Riola Xhemaili, 3:5. Die israelische Torhüterin kann einen Weitschuss nicht festhalten, der Ball prallt zur direkt vor ihr stehenden Xhemaili, die nach einem Ballkontakt per Fallrückzieher trifft. Die Schiedsrichterin will den Treffer zunächst nicht geben. Die Szene wird anschliessend lange gecheckt, nach VAR-Konsultation zählt der Treffer doch. Doppelpack Xhemaili!
90. + 1 Minute, Lia Kamber, 3:6. Riesen spielt einen kurzen Pass auf Kamber, die aus rund 25 Metern einfach mal abzieht und trifft – ihr Schuss wird dabei von einer israelischen Verteidigerin noch abgefälscht.
90. + 3 Minute, Lia Kamber, 3:7. Nach einem Ballverlust der Israelinnen in deren Hälfte kommen die Schweizerinnen wieder an den Ball. Kamber setzt sich auf der rechten Seite mit einem schönen Dribbling durch und trifft aus spitzem Winkel via Lattenkreuz.
Die Stimmen
Lia Kamber gegenüber SRF: «Ich bin dankbar haben wir die drei Punkte mitgenommen und dass ich meine beiden ersten Tore schiessen konnte. Es war eine unglaubliche Befreiung, dass die Tore reingingen. Es ist eine Ehre und ein Kindheitstraum, für die Nati auflaufen zu dürfen – umso schöner, das noch mit den beiden Treffern toppen zu können!»
Viola Calligaris gegenüber SRF: «Wir haben in der ersten Hälfte zu viele kleine Fehler gemacht. Ich bin froh, konnten wir dann mehr Gas geben. Auch wenn wir auf Papier das bessere Team sind, müssen wir von Anfang an hundert Prozent geben und jedes Spiel ernst nehmen. Das haben wir heute zu wenig gemacht. Die vier Tore Vorsprung sind sicher sehr wichtig. Es war ein Weckruf für alle. Wir wollen an die WM, aber auch der Gegner will an die WM.»
Die Beste
Talia Sommer: Die israelische Mittelstürmerin wird zum Nati-Schreck an diesem Nachmittag in Mezokövesd. Sommer erzielt einen Hattrick mit drei schönen Weitschüssen, wobei sie auch von den Patzern der Nati-Defensive profitiert.
Die Schlechteste
Livia Peng: Ein bitterer Nachmitag für die Nati-Keeperin. Hat praktisch nichts zu tun, sieht aber bei den ersten beiden Gegentoren schlecht aus.
Das gab zu reden
Es ist ein sehr spezielles Spiel in Ungarn, das praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Beide Teams tragen Trauerflor: Die Nati, um der unschuldigen Opfer der aktuellen Konflikte und Kriege auf der ganzen Welt zu gedenken und ein Zeichen für Frieden und Menschlichkeit sowie gegen Gewalt gegen Zivilisten zu setzen, Israel im Gedenken an die Opfer des Terroranschlags vom 7. Oktober 2023.
Die Schiris
Die Ukrainerin Sofiya Prychyna und ihr Team zeigen eine gute Leistung, der Fehlentscheid vor dem 5:3 durch Xhemaili wird durch den VAR korrigiert. Das Schiri-Gespann lässt sich auch von den israelischen Betreuern, die permanent reinrufen, nicht beirren.
Die Fans
Das Spiel in Ungarn findet praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Aus Sicherheitsgründen gab es keinen öffentlichen Ticketverkauf. Tickets konnten nur via der beiden Verbände bestellt werden. Immerhin haben es ein paar Schweizer Fans in das schmucke Kleinstadion von Mezokövesd geschafft. Und auch einige wenige israelische Anhänger sind vor Ort.
So gehts weiter
Das Rückspiel steigt am kommenden Dienstag um 19.30 Uhr im Stade de Tourbillon in Sion.