Nati-Keeperin Peng ist die Aufsteigerin des Jahres
«Ich will mal aus einem Flugzeug springen»

DFB-Pokal-Final mit Bremen, die Heim-EM als Nummer eins und der Transfer zu Chelsea: Livia Peng hat verrückte Monate hinter sich. Die Nati-Keeperin über ihren Traumverein Chelsea, ihre Vorbilder und darüber, weshalb sie nur neben und nicht auf dem Platz verrückt ist.
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Livia Peng (23) ist rasant ins neue Jahr gestartet. Nachdem sie Silvester noch bei ihrer Familie im Bündnerland gefeiert hatte, ging es an Neujahr bereits zurück nach London. Und am 2. Januar ist sie mit Chelsea weiter nach Portugal in ein kurzes Trainingslager geflogen, schliesslich nimmt die englische Liga schon am 10. Januar den Spielbetrieb wieder auf.

Immerhin: Die Nati-Torhüterin findet in der Altjahreswoche Zeit, um kurz innezuhalten und die Batterien wieder aufzuladen. Neben ein paar freien Tagen bei ihren Eltern in Ems trifft sie in Zürich eine Freundin aus Bremen und stattet dem Spengler Cup in Davos einen Besuch ab – schliesslich war sie als junges Mädchen ein grosser HCD-Fan. Und sie ist Gast in einem Live-Podcast im Restaurant From Heaven in Bad Ragaz, wo sie sich davor auch mit Blick zum Gespräch trifft.

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Livia Peng ist die Aufsteigerin des Jahres 2025 im Schweizer Fussball.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Livia Peng hat viel zu erzählen. Denn es sind verrückte Monate, die hinter ihr liegen: DFB-Pokal-Final mit Bremen, die Wahl zur Bundesliga-Torhüterin der Saison des Fachmagazins «Kicker», der Aufstieg zur Nummer eins in der Nati, die Heim-EM und der Transfer zu Chelsea, dem englischen Meister – und von klein auf Pengs Traumverein. Die Bündnerin ist 2025 die grosse Aufsteigerin im Schweizer Fussball. «Alles habe ich noch immer nicht ganz verarbeitet», gibt die 23-Jährige unumwunden zu. «Wahrscheinlich brauche ich einmal eine Woche nur für mich allein, um das Ganze wirklich sacken zu lassen.»

Ein Weihnachtsgeschenk, das alles veränderte

Sie, die einst als Achtjährige von ihrer Patentante ein Paar Goaliehandschuhe zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, ist nach den Stationen FC Zürich, Häcken, Levante und Bremen inzwischen an der europäischen Spitze angelangt. Zu Beginn hätten ihr die Handschuhe, die sie sich damals gewünscht hatte, fast mehr gefallen als die Position der Torhüterin, sagt Peng – und lacht. «Aber ich bekam Freude am Herumhechten.» Und spätestens, als sie mit elf in die Auswahl der Südostschweiz berufen wird, wird aus dem Hobby ihre Berufung.

So heisst das Vorbild von Nati-Goalie Livia Peng
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Er war Nati-Stürmer:So heisst das Vorbild von Nati-Goalie Livia Peng

Zwölf Jahre später steht Peng im Tor, als die Nati die EM im eigenen Land bestreiten darf. «Eine grosse Ehre», wie sie sagt. «Und Momente, die für immer bleiben werden.» Zu sehen, dass etwas entstanden sei, dass es so zuvor noch nie gegeben habe, sei wunderschön gewesen, so Peng. «Und dass so etwas auch in der Schweiz möglich ist.» Der emotionalste Moment ist auch für die Torhüterin das Last-Minute-Tor von Riola Xhemaili gegen Finnland, das der Nati den Viertelfinaleinzug sichert. «Noch heute bekomme ich Hühnerhaut, wenn ich darüber spreche. Das ganze Stadion hat getobt.»

Lange hatte es zuvor aber so ausgesehen, dass Pengs Traum von der Nummer eins an der Heim-EM nicht in Erfüllung gehen würde. Pia Sundhage hatte sich schon früh auf Elvira Herzog festgelegt, ein bitterer Moment für Peng. «Daran hatte ich schon zu beissen. Aber zum Glück schaffte ich schnell den Switch. Ich sagte mir einfach: Bleib positiv, und gib immer alles, denn im Fussball kann schnell etwas passieren.»

Als sie Ende Mai gegen Frankreich plötzlich im Tor steht, spürt sie, dass doch noch etwas gehen könnte. Zwei Tage vor dem letzten Test gegen Tschechien kommts dann definitiv zum Wechsel: Peng ist die Nummer eins, nachdem sie an der EM 2022 und an der WM 2023 als Ersatztorhüterin dabei gewesen ist. Peng zahlt das Vertrauen mit guten Leistungen zurück, nur beim ersten Gegentor im Startspiel gegen Norwegen (1:2) sieht sie nicht gut aus. Doch während des Turniers avanciert sie zum Penaltykiller; drei von vier gegnerischen Penaltys finden den Weg ins Tor nicht.

Federer, Ali, Jordan und Pelé als Vorbilder

Ihre ruhige und zurückhaltende Art entspricht nicht dem Archetyp einer Torhüterin. «Meine Freundinnen sagen immer, dass alle Torhüterinnen, die sie kennen würden, crazy seien – ausser mir», sagt sie mit einem Lachen. Pengs einziger Spleen ist ihr Aufwärmprogramm: zehn Minuten Springseilen, das sie vor jedem Spiel und Training macht, seit sie elf ist. Ihr langjähriger Goalietrainer und Förderer Romano Cabalzar hatte sie dazu animiert. Und er hat in ihr den Glauben geweckt, dass sie es an die Spitze schaffen kann, wenn sie hart an sich arbeite und trainiere. «Da hat es Klick gemacht.» Zusatzschichten im Kraftraum sind für sie kein Muss, viel eher ein Genuss.

Eine gewisse Verrücktheit lebt Peng lieber neben als auf dem Fussballplatz aus. «Ich liebe Abenteuer, wenn ich einmal ein paar freie Tage habe.». Einen Gleitschirmflug hat sie schon gemacht. «Und ich würde gerne auch einmal aus einem Flugzeug springen.» Doch das erlaubt ihr Beruf momentan nicht, auch andere Risikosportarten wie Skifahren sind ihr vertraglich untersagt.

Neben dem Fussball studiert Peng in einem Fernstudium BWL und Sportmanagement. Auch ihr sportlicher Horizont reicht weit über den Fussballplatz hinaus. In ihrer Wohnung in London sind mittlerweile auch die Porträts von Roger Federer, Muhammad Ali, Michael Jordan und Pelé aus Bremen eingetroffen. Vier der grössten Ikonen der Sportgeschichte, über die Peng viel gelesen und Dokumentationen gesehen hat. «Sie sind extrem interessante Persönlichkeiten, die sehr viel erreicht haben, weil sie sehr zielorientiert waren. Sie alle hatten eine extreme Leidenschaft für ihren Sport – und vor allem: Sie hatten Spass daran.» Auch für Peng ist der Spass an der Sache das Wichtigste.

Zeit zum Durchatmen bleibt Peng nach der EM nicht, denn das nächste grosse Abenteuer wartet bereits: Chelsea. Schon von klein auf ist der Klub aus dem Südwesten Londons Pengs Lieblingsklub. Bereits im letzten Winter gibt es eine erste Anfrage, aber Bremen lehnt ab. «Klar war dies ein Dämpfer, weil ich nicht wusste, ob ich diese Chance noch einmal erhalten werde», so Peng. «Doch letztlich bin ich froh, dass es so gekommen ist, wie es ist.»

Die ersten Highlights eines aussergewöhnlichen Jahres folgen bereits in der Rückrunde. Im Cuphalbfinal auswärts gegen den HSV sind 57’000 Fans zugegen – ein Rekord im deutschen Klubfussball. Die Hütte ist auch im Final in Köln voll. Obwohl Peng eine gute Leistung zeigt, ist Werder gegen Bayern München chancenlos. Die Leistungen der Bündnerin bleiben aber nicht unbeachtet. Der Kicker wählt sie zur Torhüterin der Saison. Und Chelsea meldet sich erneut.

Kampf um die Nummer eins

Nun werden ihr keine Steine mehr in den Weg gelegt. Peng wagt den Sprung auf die Insel, obwohl sie weiss, dass sie beim englischen Meister hinten anstehen muss. Mit Hannah Hampton (25) spielt die aktuell beste Torhüterin der Welt bei den Blues. Doch Peng nimmt die Herausforderung an. «Auch wenn es mir sehr wichtig ist, dass ich Spielpraxis habe: Bei einem solchen Verein kann man nicht Nein sagen.»

In der Weltstadt London, in der neuen Umgebung und im neuen Team findet sich Peng schnell zurecht – und sie kommt auch zu ihren ersten Einsätzen. Am 8. Oktober in der Champions League gegen Twente Enschede bestreitet sie ihr erstes Pflichtspiel für Chelsea. «Ich war noch nie so nervös vor einem Spiel», gibt Peng zu. «Noch einmal ging mir all die Arbeit, die ich investiert habe, durch den Kopf.» Es ist der erste von insgesamt neun Einsätzen, da sich Hampton Anfang November verletzt und bis zur Winterpause ausfällt.

Nun kehrt die englische Nati-Keeperin zurück. Kampflos will Peng ihren Platz im Chelsea-Tor aber nicht wieder hergeben. «Ich will jedes Spiel spielen, das wissen die Verantwortlichen, und das lasse ich sie auch spüren», sagt die Bündnerin selbstbewusst. Konkurrenz sei normal in diesem Business und auch förderlich, auf diesem Niveau sowieso. «Ich will es Hannah so schwierig wie möglich machen.» Trotz der fantastischen letzten Monate hat Peng noch viele Träume: Mit Chelsea will sie diese Saison vier Titel gewinnen und mit der Nati an die WM 2027 – als Nummer eins versteht sich von selbst.

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Norwegen
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Schweiz
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Finnland
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