Als Nadine Riesen (26) am Montagabend das erste Nati-Training seit Juni absolviert, trägt sie nicht etwa ihren Schweizer Dress. Stattdessen läuft sie im Trikot des FC Bühler aus dem Appenzell auf den Platz. Hintergrund: Im Rahmen einer Aktion überraschte der Verband die Nati-Spielerinnen mit dem Leibchen ihres ersten Jugendklubs – in Riesens Fall der kleine FC Bühler.
«Ich habe mich sehr gefreut. Es war mega schön, ich habe dem Dorfverein sehr viel zu verdanken», sagt sie an der Pressekonferenz am Dienstag. «Ich habe bis 15 im Dorfverein gespielt, so lange ist es also gar nicht her», fügt sie lachend an.
Geändert hat sich in diesen zehn Jahren trotzdem praktisch alles. Statt im überschaubaren Appenzell spielt Riesen jetzt in der Weltstadt London. In diesem Sommer wechselte sie von Eintracht Frankfurt zu West Ham United.
Zwei Nati-Kolleginnen im Team
«Ich fühle mich sehr wohl. Es macht viel Spass, und London ist eine mega coole Stadt. Das Team und der Staff sowie die Strukturen sind toll», so die Verteidigerin. Sie habe auch sehr schnell eine Wohnung gefunden, ergänzt sie.
Bei West Ham traf Riesen auf zwei Nati‑Kolleginnen. Auch Seraina Piubel (26) und Leila Wandeler (20) spielen beim Klub im Osten Londons. Schon zuvor bei Frankfurt hat Riesen mit Géraldine Reuteler (27) und Noemi Ivelj (19) zwei Nati-Kolleginnen an ihrer Seite. Etwa ein Kriterium bei der Klubsuche? «Man könnte es fast meinen», antwortet sie lachend. «Nein, das schon nicht. Am Ende muss es für mich passen, und es hätte auch sein können, dass die anderen zwei den Klub noch verlassen. Bei West Ham hatte ich ein sehr gutes Bauchgefühl. Ein familiärer Verein, der den Frauenfussball pusht.»
Alles nochmals schneller
Auch wenn West Ham erst einen Sieg einfahren konnte, läufts für Nadine Riesen persönlich gut: Sie stand bisher in allen fünf Ligaspielen in der Startelf. Die englische Liga sei körperlich intensiver als die Bundesliga: «Der Fussball ist etwas intensiver und aggressiver. Es geht im Spiel alles nochmals schneller, das tut mir gut.» Auch die Strukturen seien noch etwas professioneller als in Frankfurt.
Jetzt steht aber erst einmal die Nati im Fokus. Gegen Israel will die Schweiz in der ersten Playoffrunde den ersten Schritt in Richtung WM 2027 in Brasilien machen. «Es wird schwer, gegen ein Team zu spielen, das hinten reinsteht. Aber wir wollen den Fokus auf uns legen. Und wenn wir alle unsere Leistung zeigen können, sollte es klappen», sagt Riesen zum Duell mit dem Aussenseiter aus Israel.