Mit den Playoff-Duellen gegen Israel beginnt für die Nati die entscheidende Phase auf dem Weg an die WM 2027 in Brasilien. Trotz der speziellen Umstände der Partie ist die Vorfreude am Tag vor dem Hinspiel in der ungarischen Kleinstadt Mezökövesd gross. «Alle freuen sich auf das Spiel, da wir uns lange nicht mehr gesehen haben», sagt Rafel Navarro (40). Auch der Nati-Trainer ist trotz des Wetterumschwungs guter Laune. «Wir hatten eine sehr gute Trainingswoche.»
Trotzdem gibt es für Navarro die eine oder andere Sorgenfalte. Die Stürmerinnen Aurélie Csillag und Alayah Pilgrim fehlen, und nicht alle Kader-Spielerinnen kommen in ihren Klubs regelmässig zum Einsatz. Livia Peng ist bei Chelsea weiterhin die Nummer zwei, Géraldine Reuteler hat bei Arsenal noch nicht Fuss gefasst, auch Iman Beney (Manchester City) und Smilla Vallotto (Wolfsburg) spielen nicht regelmässig. Und Alisha Lehmann (Leicester City) ist sogar in der zweiten englischen Liga nicht Stammspielerin. «Sie hat uns aber sehr positiv überrascht», so Navarro, «denn bei ihr hatten wir schon unsere Bedenken.»
Der Katalane geht mit der Situation pragmatisch um. «Klar wollen wir, dass die Spielerinnen in ihren Klubs ihre Minuten kriegen. Aber wir können das nicht beeinflussen. Wir versuchen, ihnen Vertrauen zu geben, denn sie sind wichtig für die Mannschaft und können uns helfen.» Captain Lia Wälti weiss aus ihrem letzten halben Jahr bei Arsenal, wie es ist, wenn man praktisch ohne Spielrhythmus zur Nati stösst. «Das Problem ist weniger die Fitness, sondern mehr das mangelnde Selbstvertrauen, wenn man nicht regelmässig spielt.»
Nati-Juwelen als Aussenverteidigerinnen
Navarros zweiter Grund zur Sorge: Viele Spielerinnen spielen in Klubs auf anderen Positionen. Zuletzt spielte Sydney Schertenleib in Barcelona als rechte Aussenverteidigerin. «Auch mich hat das überrascht, aber aufgrund der Abwesenden wegen der U20-WM und Verletzungen gab es Gründe dafür.» Grundsätzlich sei er mit der Situation des grössten SFV-Juwels aber «sehr zufrieden». Am Positionswechsel sieht er auch Positives: «Sydney kann so ihre defensiven Fähigkeiten verbessern.»
Auch Beney («Sie ist eine unserer besten Spielerinnen und kann überall spielen») kam bei ihren wenigen Einsätzen für ManCity hinten rechts zum Zug. Ana-Maria Crnogorcevic und Noelle Maritz, beide in Navarros System Verteidigerinnen, spielten dagegen in ihren Klubs zuletzt auf dem Flügel – und schossen im letzten Spiel sogar beide ein Tor.
Klare Favoritenrolle
Immerhin: Mit Israel trifft die Nati auf das auf dem Papier zweitschwächste Team aller möglichen Playoff-Gegnerinnen. Die Nummer 66 des Fifa-Rankings blieb in diesem Jahr in der Nations League gegen Belgien (0:3 und 0:5) und Schottland (0:6 und 1:5), die ähnlich stark sind wie die Nati, chancenlos. Alles andere als ein Sieg bereits im Hinspiel am Freitag wäre deshalb eine Enttäuschung – Sorgen hin oder her.