Entspannt können sie sein im Lager der Schweizer Frauen-Nati. Haben sie Israel auswärts doch mit vier Toren Unterschied geschlagen und stehen so bereits vor dem Rückspiel am Dienstag mit einem Bein in der nächsten Playoff-Runde der WM-Quali.
Alles gut also? Nein. Denn die Schweiz kassiert zu viele Gegentore. Seit Rafel Navarro (40) im Herbst des vergangenen Jahres übernommen hat, spielte man in sieben Pflichtspielen unter dem Spanier nur ein einziges Mal zu null.
Drei Gegentore in Israel
Und das gegen wahrlich keine grossen Gegner. Weil die Nati letztes Jahr aus der Nations League abgestiegen ist, traf man in Liga B auf kleine Nationen wie Malta, Nordirland oder die Türkei. Das einzige Spiel ohne Gegentor gabs beim 2:0-Heimsieg gegen die Nordirinnen im März.
«Wir sprechen oft über dieses Thema. Wir wollen es natürlich besser machen», sagt Navarro, als er an der Pressekonferenz auf die löchrige Defensive angesprochen wird. «Es ist weniger schlimm, wenn du viele Tore schiesst. Aber natürlich wollen wir endlich wieder zu null spielen.»
Gegen Israel erzielt die Schweiz zwar starke sieben Treffer, kassiert aber auch drei. Zu viel gegen einen Gegner, der für die Schweiz wahrlich kein Gradmesser sein sollte. Zumal die Nati an die WM will und dort auf ganz andere Kaliber treffen würde.
Navarro sieht Fehler ein
«Das ist ein Weckruf», weiss auch Verteidigerin Viola Calligaris (30): «Wenn wir gegen bessere Gegner spielen, können wir sicherlich nicht so offen stehen. Darum müssen wir das auch gegen schwächere Teams schon machen. Wir haben viele Videos angeschaut, wie wir gestanden sind. Wir müssen anders denken. Weniger offensiv, eher pessimistisch.» Trotz des klaren Siegs sei im Team niemand zufrieden gewesen mit der Partie gegen Israel.
Trainer Navarro sieht ein, dass er sich in der Taktik etwas verpokert hat. «Wir haben ein anderes Spiel erwartet, einen tiefer stehenden Gegner. Darum war unser Matchplan sehr offensiv. Das nehme ich auch auf meine Kappe. Für mich ist das Problem aber auch offensiv. Denn wir haben zu viele Bälle im Spielaufbau verloren. Wenn du diese Fehler im Aufbau machst, dann wird es schwer, erfolgreich zu verteidigen.»
Keine Experimente im Rückspiel
Genau diese Fehler will die Schweiz am Dienstag in Sion nicht mehr machen: «Wir wollen vorsichtiger mit dem Ball umgehen. Wir möchten mehr Spielerinnen in den Spielaufbau involvieren und die Konter besser verteidigen. Ich präferiere morgen ein 3:0 und nicht ein 7:3», so Navarro.
Dank des deutlichen Vorsprungs könnte der Coach im Rückspiel nun einigen anderen Spielerinnen die Chance geben. Bisher setzte er seit seinem Amtsantritt fast nur auf dieselben 14 Namen. Von Experimenten möchte er aber nichts wissen: «Es wird Änderungen geben. Aber ich mag das Wort Experiment nicht. Es ist ein wichtiges Spiel. Wir verändern unsere Offensiv-Taktik und auch etwas die Startelf. Aber experimentieren werden wir nicht.»