Zwei verschossene Penaltys, Pfosten-Wahnsinn und Maritz-Rot
Nati ausgeschieden! Spiel verloren – die Herzen gewonnen

Kein Nati-Wunder in Bern. Die heroisch kämpfenden Schweizerinnen müssen sich im EM-Viertelfinal den Weltmeisterinnen aus Spanien mit 0:2 geschlagen geben.
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Captain Lia Wälti winkt den Fans zu – für die Nati ist das EM-Abtenteuer 2025 zu Ende.
Foto: Sven Thomann

Das Spiel

65 Minuten halten sie es. 65 Minuten lang hat dieser Sommer noch nicht genug vom Schweizer Märchen an dieser wunderbaren Euro. Die Spanierinnen verschiessen ganz früh (nebens Tor) und ganz spät (von Livia Peng pariert) je einen Penalty, dreimal landet der Ball am Pfosten. Die Schweizerinnen brennen langsam durch das Glück, das ein Heimteam zu gut hat, das sich mit allem gegen das Ausscheiden wehrt, das es zur Verfügung hat: Herz, Leidenschaft – und schon auch eine gewisse Klasse.

Aber dann passiert es doch noch. Aitana Bonmati, diese Zauberin am Ball, von der man in diesem Viertelfinal bislang noch kaum etwas gesehen hat, spielt einen Hackentrick. Auf einem Raum, den es eigentlich gar nicht gibt, so ist plötzlich Athenea del Castillo frei. Und die lässt der tadellosen Peng im Schweizer Tor keine Chance. 0:1 – es ist das Tor, das diese Partie entscheiden wird.

Es fällt ausgerechnet dann, als Pia Sundhage das Zeichen gegeben hat, dass die Schweizerinnen nun selber vehementer das Tor suchen wollen. Sie bringt Alayah Pilgrim für Noemi Ivelj. In der Hoffnung auf den goldenen Schweizer Konter. Und Pilgrim hat ihre Szene. In der 63. scheitert sie an Goalie Catalina Coll. Ob aus Abseitsposition oder nicht, wäre sicher noch geprüft worden.

Kurz darauf folgen Bonmatis Kunststück und Atheneas Schuss ins Schweizer Herz. Fünf Minuten danach trifft Claudia Pina von der Strafraumgrenze wunderbar ins hohe Eck. In der Nachspielzeit fliegt auch noch Nati-Verteidigerin Noelle Maritz wegen einer Notbremse vom Platz.

0:2 – der Traum der Schweizerinnen ist geplatzt. Und doch haben sie etwas gewonnen. Die Herzen dieses Landes.

Die Tore

66. Minute, Athenea del Castillo, 1:0. Noelle Maritz und Viola Calligaris nehmen Aitana Bonmati ins Schweizer Sandwich. Und was macht die spanische Weltklasse-Spielerin? Sie lanciert mal eben mit der Hacke die eingewechselte Athenea del Castillo. Diese wiederum bezwingt Livia Peng per Flachschuss.

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Spanien belohnt sich:Bonmati setzt Nati mit Absatztrick schachmatt

71. Minute, Claudia Pina, 2:0. Lia Wälti wird von Patri Guijarro vor dem Schweizer Strafraum bedrängt. Die Nati-Kapitänin moniert ein Foul, kriegt den Pfiff aber nicht. So übernimmt Claudia Pina das Spielgerät – und schlenzt dieses gefühlvoll in den Winkel.

Die Beste

Penalty gehalten, Freistoss abgewehrt – auch unter höchstem Druck grosse Ruhe ausgestrahlt. Und das trotz ihres für eine Torhüterin jungen Alters von bloss 23 Jahren. Livia Peng geht trotz Niederlage als Siegerin aus diesem Spiel.

Die Schlechteste

Nadine Riesen hat von Anfang bis Ende ein schwieriges Spiel. Vieles geht ihr etwas zu schnell. Und ihr unbändiger Wille, sonst ein Qualitätsmerkmal, führt diesmal dazu, dass sie schon in der 9. Minute einen Foulpenalty verschuldet.

Die Fans

25'000 sind es laut Gastgeberstadt Bern, die vor dem Spiel vom Bundesplatz zum Wankdorf pilgern. Eine friedlich-fröhliche Menschenmasse in Rot und Weiss. Und diese Stimmung füllt danach auch das Stadion. Es ist eine elektrisierende Atmosphäre, 29'734 Menschen, die bei jedem Ball mitfiebern und mitbrüllen. Auch dann noch, als die Niederlage nicht mehr abzuwenden ist.

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Die Schiris

Maria Sole Ferrieri Caputi mag ab und an einen knackigen Zweikampf und lässt ein flüssiges Spiel zu. Beide Elfmeter für Spanien sind gerechtfertigt. Den Foulpfiff, den die Schweizerinnen vor dem 0:2 gerne hätten, unterlässt sie korrekterweise. Die Pfiffe des Publikums am Spielschluss bekommt sie trotzdem zu hören.

Das gab zu reden

Seit dem letzten Herbst hat Pia Sundhage die Schweizerinnen mit einer Fünferkette verteidigen lassen. Zumindest bei Spielbeginn. Gegen Spanien aber rückt die Schwedin von ihrem Plan ab und bringt ein 4-2-3-1. Ein Plan, der bis in die 66. Minute aufgeht. Dann müssen sich die Schweizerinnen der Genialität einer Aitana Bonmati geschlagen geben.

So gehts weiter

Drei der vier Halbfinalteilnehmer sind bekannt – die Schweiz gehört leider nicht zu diesem Trio. Spanien blickt morgen nach Basel, wo sich Frankreich und Deutschland gegenüberstehen. Die siegreiche Nation jener Partie trifft dann im Halbfinal am Mittwoch im Zürcher Letzigrund auf die Ibererinnen.

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