Ex-YB-Coach Rohr erlebt chaotische Szenen rund um den Afrika-Cup
«Ich musste mich mit den Füssen gegen die Schläger wehren»

Gernot Rohr spricht mit Blick über das finale Chaos beim Afrika-Cup in Marokko. Der Coach von Achtelfinalist Benin sagt klipp und klar: «Schlimm und unwürdig.» Der Ex-YB-Trainer hat einige Pleiten, Pannen und einen Übergriff erlebt.
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Grosse Fragezeichen bei Benin-Coach Gernot Rohr nach dem Chaos im Afrika-Cup-Final: «Was am Sonntag passiert ist, darf nicht vorkommen.»
Foto: AFP

Darum gehts

  • Afrika-Cup: Senegal besiegt Marokko 1:0 nach Verlängerung, in chaotischem Final
  • Trainer Gernot Rohr kritisiert VAR-Probleme und unfaire Behandlung kleiner Teams
  • Weniger als 3000 Zuschauer bei Regen, Stadien bereit für WM 2030
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sven SchochReporter Sport

Die Bilder aus Rabat gehen viral, der halbe Fussball-Globus bekommt das Chaos beim Afrika-Cup-Endspiel Senegal vs. Marokko (1:0 n.V.) live mit. Auch Gernot Rohr, der seit über 15 Jahren afrikanische Nationalteams coacht und Benin in die Achtelfinals geführt hat: «Was am Sonntag passiert ist, darf nicht vorkommen – auch wenn es in Afrika immer wieder und mehr Überraschungen als sonst wo auf der Welt gibt. Es war teilweise schlimm!»

Rohr hat als Ex-Coach von Nigeria, Niger, Burkina Faso, Gabun bisher 149 Spiele als Chef an der Linie betreut, ihn wirft wenig aus der Bahn: «Aber das war paradox. Der Verband muss das Ganze dringend aufarbeiten. Ein Rückschritt für den afrikanischen Fussball», sagt der 72-Jährige zu Blick. «Gott sei Dank hat Sadio Mané den Senegal dazu gebracht, wieder auf das Feld zu gehen. Er hat den Final gerettet.»

Kein Verständnis für Senegal-Coach

Dem Monsieur mit Vergangenheit im französischen Klubfussball (Bordeaux, Nizza, Nantes) sind irritierende Schauplätze aufgefallen: «Uns wurde immer gesagt, ihr dürft den VAR nicht einfordern. Und was sehe ich beim Endspiel? Die Spieler drängen darauf, dass man sich die Penaltyszene anschaut!» Den peinlichen marokkanischen Panenka-Penaltyfehlschuss von Real-Akteur Brahim Diaz kann sich Rohr nur so erklären: «Da kam viel zusammen: Ego, Narzissmus und der Hang, das Gegenüber auf den Arm zu nehmen und auszutricksen. So etwas darf in einem solchen Moment niemals passieren. Unglaublich!»

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Keinerlei Verständnis hat Rohr für jenen Branchenkollegen, der das epochale Theater nach dem umstrittenen Elfmeter-Entscheid mit seiner Rückzugs-Anordnung ausgelöst hat: Pape Thiaw, einst Stürmer bei Lausanne-Sport, nun im Lead bei Senegal. «Als ich gesehen habe, wie er die Spieler vom Feld beordert, staunte ich. Normalerweise ist ein Trainer da, um die Spieler zu beruhigen, um sie im Zaum zu halten.» Dann schiebt Rohr im Telefonat mit Blick einen vielsagenden Satz nach: «Afrikas Fussball ist ein Abenteuer mit guten und weniger schönen Facetten.»

Zurück bleiben gemischte Gefühle. Die Stadien, die Rasenflächen und die Verbindungsstrassen in Marokko seien «auf Top-Niveau» gewesen. Das Land sei bereit für die WM-Spiele 2030. «Festlich war es vor allem dann, wenn Marokko ein Spiel gewonnen hat.» Ansonsten war das Interesse gering: In der Vorrunde gab es bei Dauerregen Partien mit weniger als 3000 Zuschauern. Zudem seien die kleinen Teams «immer wieder benachteiligt worden. Wir durften teilweise nicht mal im Stadion trainieren. Für die Favoriten wird alles gemacht, für die Aussenseiter nichts.»

Prügel-Attacke im Bus

Immer wieder habe es Probleme mit dem VAR-System gegeben. «Gegen Kongo funktionierte nichts mehr, obwohl wir beim Stand von 0:1 einen klaren Hands-Penalty zugesprochen bekommen müssten. Wegen einer Panne konnte der Schiedsrichter die Bilder gar nicht anschauen. Die CAF-Organisation ist schwach, was dieses Problem angeht», hält Rohr seine Kritik nicht zurück. «Es war nicht das, was man sich unter 100-prozentigem Fairplay vorstellt.» Vergleichbare Unebenheiten habe es immer wieder gegeben: «Das ist kein Einzelfall und höchst ärgerlich.»

Bereits während der Qualifikation hat der Ex-YB-Trainer Zwischenfälle durchgemacht, «die ich nie mehr erleben will». Nach einem 0:0 in Tripolis stürmten libysche Uniformierte in den Teambus und attackierten das Team von Benin: «Sie malträtierten uns mit Schlagstöcken. Ich musste mich mit meinen Füssen gegen die Schläger wehren. Es gibt noch viel zu tun für die afrikanische Fussball-Konföderation.»

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