Die 90 Minuten, die Thun gegen Lech Posen im Hinspiel der Europa-League-Playoffs erlebt hat, sind heftig gewesen. Der Schweizer Meister hat gegen den polnischen Meister in allen Belangen keine Chance. Nach passablen Startminuten nimmt das Thuner Übel seinen Lauf. Vor allem Aussenverteidiger Michael Heule zieht einen rabenschwarzen Tag ein. Der 25-Jährige lässt sich beim 0:1 abkochen, geht beim 0:4 leicht zu Boden und rutscht beim 0:5 im ungünstigsten Moment aus.
Der gebrauchte Abend wird damit abgerundet, dass ihn Trainer Gian-Luca Privitelli zur Pause erlöst und durch Neuzugang Tom Strannegard auswechselt. Am Gezeigten ändert sich nicht viel, die Berner Oberländer verlieren am Schluss mit 0:7, hätten durchaus aber auch noch höher verlieren können. So egalisieren die Thuner den Schweizer Negativrekord im Europacup. Die letzte 0:7-Klatsche kassierte der FC Basel – allerdings gegen Bayern München im Achtelfinal der Champions League 2012.
Privitelli nimmt Schuld auf sich
Nach der Partie zieht Privitelli ein Fazit: «Die ersten zehn Minuten kommen wir sehr gut in die Partie und haben gleich zwei Chancen in Führung zu gehen. Dann verlieren wir aber immer wieder die Duelle und haben Mühe mit ihren tiefen Bällen. Dann steht es halt 0:3.» Dass es dann zum Debakel kommt, nimmt der 48-Jährige auf sich: «Fälschlicherweise pressen wir dann weiter. Das geht auf meine Kappe, dass wir da nicht umstellen und so viele Räume zulassen. Als dann das grosse Selbstvertrauen beim Gegner kam, hat man die Qualitätsunterschiede gesehen.»
Trotzdem ist es mit der Analyse nicht ganz so einfach. Besonders muss dem Thun-Trainer die Instabilität in der Abwehr zu denken geben. Daran trägt nicht nur Heule die Schuld, denn auch Fabio Fehr, Jan Bamert und Captain Marco Bürki sehen nicht gut aus, sind oft zu langsam und kommen gar nicht erst in die Zweikämpfe. Aus dem Mittelfeld erhält die überforderte Abwehr nur wenig Unterstützung. Es ist ein Bild, dass man sonst eigentlich nur aus der Super League kennt, zum Beispiel als man gegen YB mit 0:6 oder gegen Basel mit 2:4 verloren hat. Allerdings sind die Thuner da mit der B-Elf aufgetreten und nicht mit der Stammmannschaft.
Conference League auf sicher
Phasenweise wirkt es so, als hätten gewisse Thuner keine Lust oder dass sie gedanklich woanders sind. Dazu kommt, dass Thun in der Offensive kein Land sieht. Stürmer Brighton Labeau sieht kein Land und bis auf das Tor von Furkan Dursun, das wegen Abseits zu Recht nicht zählt, erspielen sich die Thuner fast nur Halbchancen.
Die Thuner müssen jetzt den Kopf lüften. Immerhin hat ihnen die SFL ein spielfreies Wochenende gewährt und wegen der Playoffs das Spiel gegen Servette verschoben. Das wird zwar nichts daran ändern, dass die Berner Oberländer die Träume von der Europa League begraben müssen. Wenigstens haben sie die 3,17 Millionen Franken für die Teilnahme in der Ligaphase der Conference League auf sicher – und ein Teil davon muss definitiv reinvestiert werden.







