Denkwürdiger Cup-Abend in Lausanne
Die Bankrotterklärung von GC-Sportchef Sutter

Während rund 70 Minuten treten die Zürcher in Lausanne auf, als wüssten sie gar nicht, dass es um den Einzug in den Cupfinal geht. Dafür gibt es für den Gegner Siegesküsse.
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Florian RazReporter Fussball

Es ist eine Stunde gespielt, als er es nicht mehr aushält. Gerade noch ist Jonathan Asp Jensen (20) erfolglos einem Ball hinterhergehechelt, den ein Kollege irgendwo ins Nirgendwo geschlagen hat. Dann überkommt es ihn.

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Aus und vorbei: Die GC-Spieler schleichen nach dem 0:2 gegen Stade Lausanne-Ouchy vom Feld.
Foto: keystone-sda.ch

Der junge Däne brüllt in Richtung seiner Teamkollegen, die sich trotz Rückstand in der eigenen Platzhälfte verstecken. Er klopft sich auf die Brust. Ach was, er trommelt geradezu auf die Stelle, auf der das GC-Logo aufgedruckt ist – anders kann man es nicht beschreiben.

Der Captain hat keine Erklärung

Es scheint klar, was Jensen seinen Mitspielern mitteilen will: Jungs, das ist ein Cup-Halbfinal – reisst euch mal am Riemen! Doch sein Aufruf bleibt ohne Wirkung. Und die Führungsspieler wirken nach dem 0:2 komplett ratlos.

Captain Amir Abrashi (36), der ausgerechnet vor dem 0:1 wegrutscht, gibt zu: «Ich verstehe es nicht. Ich verstehe es einfach nicht.» Stürmer Michi Frey (31) stellt fest: «Das ist die Frage bei diesem Team: Du weisst nie genau, was kommt.»

«Die erste Halbzeit war vernünftig»
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Sutter nach Cup-Aus:«Die erste Halbzeit war vernünftig»

Was Alain Sutter (58) nach Spielschluss sagt, kommt schliesslich einer Bankrotterklärung gleich. Es sei darum gegangen, «möglichst lange kein Tor zu erhalten und die eine oder andere Chance zu kreieren», erklärt der Sportchef.

Ganz so, als ob die Grasshoppers gegen ein Überteam gespielt hätten. Und nicht gegen Stade-Lausanne-Ouchy, den Vierten der Challenge League, der zuletzt gegen Rapperswil-Jona, Carouge und Nyon ganze zwei Pünktchen gewonnen hat.

Warum spielt ein Klub wie Ouchy den besseren Fussball?

Immerhin versucht Sutter gar nicht erst, sich aus der Verantwortung zu ziehen. «Am Ende bin ich auch für das Aus im Cup verantwortlich», sagt er. Wobei ihm dieser Samstagabend schon ganz besonders zu denken geben muss.

Wie kann es sein, dass ein Klub mit den Möglichkeiten von Ouchy den taktisch und technisch besseren Fussball spielt als GC? Warum haben die Waadtländer mehr spannende Spieler auf dem Feld als die Zürcher? Wieso haben die Grasshoppers nach dem 0:1 nicht den leisesten Hauch einer Idee, wie sie das Spiel noch drehen könnten? Und offenbar auch nicht im Mindesten den Glauben daran?

Was sagt es eigentlich über die Stellung von Trainer Gernot Messner (45) im Klub, dass er nach dem Spiel einfach so verschwindet, ohne vor den Medien zu sprechen? Und was, dass der Österreicher das auch darum tun kann, weil nicht ein einziger Journalist auch nur das leiseste Interesse daran hat, mit ihm zu reden?

Nach dem Spiel gibts für Cup-Held den Siegerkuss
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Ouchy feiert Cup-Party:Nach dem Spiel gibts für Cup-Held den Siegerkuss

Vor allem aber: Was bedeutet das alles für den Kampf gegen den Abstieg, in dem GC weiterhin ganz tief drin steckt? Ganz sicher macht der Auftritt auf der Pontaise keinen Mut für ein allfälliges Duell mit dem Zweitplatzierten der Challenge League in der Barrage. «Wir haben es verpasst, uns Rückenwind zu holen für die letzten sieben Spiele, in denen es für uns um alles geht», stellt Alain Sutter fest.

Es ist ein kleiner Treppenwitz des Fussballs, dass währenddessen nur wenige Meter daneben ein enger Verwandter die stürmischen Siegesküsse seiner Partnerin entgegennehmen darf. Ouchys Innenverteidiger Nicola Sutter (30) ist der Sohn von René Sutter – und damit Alain Sutters Neffe.

Findet GC nicht schnellstens den Tritt, könnten sich die beiden in der kommenden Saison noch ein paar Mal über den Weg laufen. In der Challenge League.

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