Darum gehts
Audi will in der Formel 1 nach ganz oben. Nicht irgendwann – ab 2030 soll um den Weltmeistertitel gekämpft werden. Für dieses ambitionierte Ziel setzt der deutsche Autokonzern auf einen Mann, der bei Sauber einst die erfolgreichste Phase mitprägte: James Key.
Als Technischer Direktor trägt der Brite die Verantwortung für die Entwicklung des Autos. Was der Brite draufhat, zeigte er eindrücklich im Jahr 2012. Der von ihm konstruierte C31 fuhr viermal (!) aufs Podest.
Bis zum dritten Platz von Nico Hülkenberg im vergangenen Jahr waren das die letzten grossen Erfolge von Sauber. «Diese Saison werde ich nie vergessen», erzählt Key gegenüber Blick im Rahmen der Autoenthüllung in Berlin.
Ein legales Schlupfloch
Dabei deutete in der Vorsaison wenig auf eine solche Leistungsexplosion hin. «Wir sind im Lauf des Jahres sogar zurückgefallen», erinnert er sich. Der Hauptgrund war der sogenannte Exhaust-Blown-Diffusor – ein aerodynamisches Konzept, bei dem Motorabgase zusätzlichen Anpressdruck erzeugen. «Uns fehlte das Budget, um es weiterzuentwickeln.»
Für 2012 wurde der Exhaust-Blown-Diffusor verboten. Doch Key fand einen Weg, den Vorteil dieses Systems trotzdem zu nutzen. «Ich habe mit dem damaligen Renndirektor Charlie Whiting gesprochen. Er bestätigte mir, dass unser Ansatz zulässig ist.»
Dadurch wurde aus einem mittelmässigen Auto ein Wagen, der nur knapp an einem GP-Sieg vorbeischrammte. Doch ausgerechnet nach der erfolgreichsten Saison trennten sich die Wege von Sauber und Key.
Ein Entscheid für die Kinder
Jahre später erklärt er, warum es so weit kam: «Ausschlaggebend war die Familie.» Seine drei Kinder kamen als Fünf-, Sieben- und Achtjährige in die Schweiz. «Es war ein grossartiger Ort zum Leben. Die Berge und das Skifahren waren nur 30 Minuten entfernt.»
Gleichzeitig wurde die berufliche Situation immer unsicherer. «BMW zog sich zurück, und zeitweise sah es ernsthaft so aus, als könnte das Team in grosse Schwierigkeiten geraten.»
Als sein Sohn kurz vor dem Eintritt ins Schulsystem stand, wollte Key kein Risiko eingehen. «In diesen jungen Jahren ist Kontinuität entscheidend», erklärt er. «Deshalb haben wir – schweren Herzens – die Schweiz verlassen.»
Ein detaillierter Masterplan
Nun ist Key zurück. Nicht nur das Audi-Logo auf seiner Brust ist neu, sondern auch die Ansprüche. «Jetzt vergleichen wir uns mit Red Bull, das war bei Sauber nicht so, da war man einfach ein bisschen dabei.»
Der Blick auf den Projektstart unterstreicht den Ernst der Mission. Bereits Anfang 2023 ging die Arbeit am neuen Auto los. «Wir starteten mit der Power-Uni.» Ab dem dritten Quartal 2023 folgten die Planungen fürs Gesamtfahrzeug.
Und das, obwohl die neuen Regeln noch nicht im Detail bekannt waren. «Wir mussten sehr viel spekulieren.» Am Ende des Jahres hatten sie einen übergeordneten Meilensteinplan für 2024 und 2025.
Besonders für das letzte Jahr sei dieser aussergewöhnlich genau gewesen. «Jede einzelne Woche hatte ein konkretes Ziel. Kaum ein Team hatte so früh einen solchen Detailplan wie wir.» Ob sich diese aufwendige Arbeit auszahlt? Erste Antworten darauf wird der Saisonstart am 8. März in Australien liefern.