Darum gehts
- Haas-Pilot Oliver Bearman überlebt 308-km/h-Crash in Suzuka unverletzt
- Unfall durch 50-g-Aufprall, FIA verzichtet auf Anhörung von Colapinto
- Grosse Tempounterschiede: 308 km/h gegen 250 km/h, Sainz fordert Lösungen bis Miami
«Wir haben die FIA und die Teams immer gewarnt, dass es bei den massiven Tempounterschieden zu solchen Unfällen kommen wird. Wir hoffen jetzt, dass man mehr auf uns Piloten hört», sagte Carlos Sainz, der Chef der Fahrergewerkschaft.
308 gegen 250 km/h …
Der Bearman-Crash in der 22. Runde in Suzuka (wo 2014 Bianchi seinen verhängnisvollen Unfall hatte) war vielleicht das letzte Alarmzeichen des Schicksals.
Bei der Anfahrt auf die Spoon-Kurve drückte der Haas-Pilot den Boost-Knopf und hatte plötzlich 308 km/h auf dem Tacho. Rund 150 Meter vor ihm Franco Colapinto im Alpine. Im Energie-Sparmodus und rund 250 km/h schnell. Ein leichter Tick nach links – und schon war Oliver Bearman hinter dem Argentinier.
Einschlag mit 50 G
Auf der Strecke war zum Überholen der Platz knapp geworden. Der Brite hatte nur noch die Wahl, den Alpine zu torpedieren oder es auf der Wiese zu versuchen.
Das ging schief, der Haas drehte sich, schleuderte zurück auf die Piste und knallte dann in die Reifenstapel. Mit 50 G gehörte dieser Unfall in die schlimmste Kategorie. Doch Bearman hatte Glück, kam mit Prellungen davon. Sainz: «Man stelle sich diesen Unfall in Baku, Singapur oder Las Vegas vor. Ohne Auslaufzonen.»
Richter Glock schlug zu
Das Safety Car entschied dann das Rennen der Mercedes-Piloten zugunsten von Antonelli, der zu einem «Gratis-Reifenstopp» kam. Während Leader Russell eine Runde zuvor den neuen Gummi holte. «Ich hätte wohl gewonnen», jammerte der Brite. Und der neue WM-Leader aus Bologna gab ehrlich zu: «Man muss in diesem Sport auch mal Glück haben!»
Das Glück, dass Bearman am Sonntag vor schweren Verletzungen verschonte. Während die FIA zu Recht die Szene zwischen Bearman und Colapinto ohne Anhörung ad acta legte, trompetete der deutsche Sky-Reporter Timo Glock (91 GP, dreimal auf dem Podest): «Die Schuld muss man Colapinto ankreiden!»
«Das Wunder von Melbourne»
Glock hätte lieber nochmals Colapinto gedankt, der wenige Sekunden nach dem Saisonstart in Melbourne mit einem unglaublichen Manöver einen Super-Unfall vor den vollbesetzten Tribünen verhinderte.
Colapinto, gut gestartet, hatte plötzlich den Racing Bull von Lawson (der praktisch stehenblieb) vor sich. Selbst im Fahrermeeting von Shanghai wurde Colapinto von den Kollegen nochmals für das «Wunder von Melbourne» gedankt.
Erinnerungen an Le Mans
Und jetzt ist die Formel 1 wieder mit einem blauen Auge davongekommen. Wie lange noch? Sainz: «Wir brauchen bis zum nächsten Rennen in Miami Lösungen, damit wir solche Tempounterschiede vermeiden können!»
Aber wie? Bei solchen Szenen muss man sich immer an die 24 Stunden von Le Mans erinnern, wo die Geschwindigkeits-Unterschiede auf der langen Geraden wegen der vielen Rennklassen sogar über 100 km/h betragen. Und das noch einige Stunden in der Nacht.
Die drei heissen Probleme
Die FIA wird während der Rennpause – Bahrain und Saudi-Arabien fallen dem Iran-Krieg zum Opfer – mit verschiedenen Parteien über die Probleme diskutieren.
Beim Energie-Management, beim Start (in China fehlten vier Autos, in Japan verloren die beiden Audi zusammen elf Positionen) und bei den zu grossen Tempounterschieden.
Wann verliert Max die Lust?
Dass es zu guten neuen Lösungen kommt, ist leider kaum zu erwarten. Wer einen Sport so ins Regel-Feuer geworfen hat, der darf sich nicht wundern, wenn der Brand nicht gelöscht werden kann.
Man darf nie vergessen, dass einige Fahrer, darunter vor allem Verstappen, vor der neuen Formel 1 gewarnt haben. Dafür hat der Holländer viel Kritik einstecken müssen. Heute bekommt er von seinen Kollegen schon fast Applaus. Vielleicht zu spät, wenn der Superstar den Sport verlässt, den er einst geliebt hat.