Darum gehts
- Kimi Antonelli gewinnt in Suzuka und wird jüngster Formel-1-WM-Leader
- Mit 19 Jahren und 216 Tagen bricht er Hamiltons Rekord
- Russell verpasst Boxenstopp und liegt neun Punkte hinter Antonelli
Der neue Mercedes-Superstar machte auch aus seiner zweiten Pole-Position eine Triumphfahrt. Und ist jetzt mit 19 Jahren und 216 Tagen auch der jüngste WM-Leader. Bisher Hamilton 2007 in Barcelona: 22 Jahre und 125 Tage.
Antonelli war beim Start gleich von fünf Autos überholt worden: «Jetzt habe ich bis Miami fünf Wochen Zeit, mit der Kupplung zu flirten», lachte der Mann aus Bologna.
Als Oliver «Ollie» Bearman in der 21. Runde den Haas aus der Kontrolle verlor und sich beim Einschlag in die Leitplanken leicht verletzte, winkte die Glücksgöttin Antonelli zu.
Russell am Verzweifeln
Er nutzte hinter Teamkollege Russell die Safety-Car-Phase zum sofortigen «Gratis-Reifenstopp». Während George Russell (28) diese Chance um neun Sekunden verpasste, nur noch Vierter wurde – und jetzt neun Punkte hinter Antonelli liegt.
Der Brite verfluchte am Funk wieder einmal alle Glücksgöttinnen und fragte die Boxencrew: «Warum immer ich?» Nun, Russell spürt bereits nach drei Rennen – da ist einer neben mir, der meinen Lebenstraum zerstören kann. Und bei den Fans noch beliebter ist.
Von Farina 1950 …
Für Antonelli geht es jetzt ans Studium der Geschichtsbücher über seine erfolgreichsten Formel-1-Landsleute.
Nun, Giuseppe Farina holte 1950 im ersten WM-Jahr mit drei Siegen (darunter auf dem Bremgartenring bei Bern) die Krone für Alfa. Der Mann aus Turin starb 1966 mit 59 Jahren bei einem Verkehrsunfall in Frankreich.
… bis Ascari 1952/53
Der letzte Italiener, der den Titel 1952 und 1953 gleich zweimal in sein Heimatland holte und zwei Rennen in Serie (Zandvoort, Spa 1953) gewann, war Alberto Ascari. Der Mailänder starb 1955 mit erst 36 Jahren, als er im Autodromo von Monza mit Krawatte und in Halbschuhen einen Privattest machte.
Ja, Antonelli versucht jetzt, diese Lücke von 73 Jahren zu schliessen. «Ich denke bestimmt noch nicht an den Titel. Aber es ist schön, dass einem die Fans von den vollen Tribünen zujubeln. Nach Shanghai jetzt auch hier in Suzuka.»
Antonelli kam mit 11 Jahren
Für Chef Toto Wolff (54) steht fest: «Als wir Kimi mit elf Jahren in unser Programm aufnahmen, gab es viele Zweifler. Doch die sind längst verstummt.»
Gewinn einmal, und alle lieben dich; gewinnst du zweimal, und schon umarmt dich der Neid der Rivalen.
Antonelli hat mit seiner cleveren und unbekümmerten Fahrweise bewiesen, dass er die neuen Regeln am Samstag und Sonntag am besten umsetzen kann.
Die «Batterie-WM»
Da haben seine Gegner von Ferrari und neu jetzt auch McLaren-Mercedes noch so ihre Mühe. Es wurden «Zweikämpfe» ausgetragen, die eher an eine «Batterie-WM» (Originalton Alonso) erinnerten. Wer mit Überschuss überholt, muss bald wieder Energie tanken und den Platz zurückgeben. Den einen gefällts, den anderen eben nicht.
Gasly punktete immer
Am Ende belegten die drei Topteams die ersten sechs Plätze. Mit acht Sekunden Rückstand fighteten Gasly im Alpine-Mercedes und Verstappen im Red Bull um den 7. Platz. Der Franzose punktete bisher in allen drei Rennen, der um 0,3 Sekunden geschlagene Holländer versuchte, aus der schwierigen Situation im Team das Beste rauszuholen. Und wetterte nur noch hinter den Kulissen.