Darum gehts
- Audi setzt auf einen innovativen Heckflügel
- Das neue Getriebe machte den Ingenieuren Kopfschmerzen
- Das deutsche Team hat mehr Geld als andere Teams zur verfügung
Das Sauber-Logo wurde 2026 endgültig durch die vier Audi-Ringe ersetzt. Nun ist Sauber zu 100 Prozent Audi. Nach Mercedes Anfang der 1990er und BMW Mitte der 2000er versucht der nächste deutsche Premiumhersteller sein Glück in Hinwil ZH.
Der Premium-Anspruch wird an der Rennstrecke sofort deutlich: Die ganze Garage erstrahlt in neuem Glanz, alles trägt die Audi-Designsprache. Eine neue Boxenstopp-Anlage hat als bisher einzige in der Formel 1 ein eigenes Licht-System integriert, der Reifenwechsel erfolgt gut ausgeleuchtet wie in einem OP-Saal.
Die grösste Änderung 2026 ist für das Team aber nicht der Name, sondern der Motor, der in Neuburg an der Donau (De) nahe dem Audi-Epizentrum Ingolstadt entwickelt und gebaut wird. Deshalb wollte man unbedingt so früh wie möglich auf die Strecke gehen, um Kinderkrankheiten auszumerzen. Tatsächlich ist das Wunder geglückt: Am 9. Januar fuhr der Audi R26 als erstes GP-Auto der neuen Regel-Generation überhaupt auf der Strecke.
Audi darf mehr Geld ausgeben als alle anderen Teams
Kinderkrankheiten gab es vor allem auch am Getriebe, doch mit jedem Test lief es besser. Audi schaffte mit dem Motor keine Sensation wie Red Bull Powertrains, die mit ihrem Erstlingswerk die Formel-1-Welt verblüffen, aber ein solider Start ist allemal gelungen. Die Frage ist, ob ein solider Motor reicht. Schliesslich kämpft man auch gegen Kundenteams von Mercedes, Ferrari und Red Bull Powertrains.
Die ganz grossen Sprünge sind deshalb nicht zu erwarten, auch wenn die Chassis-Abteilung in Hinwil zuletzt einen klaren Aufwärtstrend zeigte. Die Aufstockung des Teams macht sich langsam bemerkbar. Seit diesem Jahr darf das Team sogar mehr Geld als alle anderen ausgeben, denn erstmals wird bei der Budgetobergrenze der teure Standort Schweiz berücksichtigt.
Platzierung im Mittelfeld scheint möglich
Weil das Reglement auch auf Chassis-Seite komplett neu ist, lassen sich noch wenige Erkenntnisse aus den Testfahrten ziehen. Einen gravierenden Geburtsfehler scheint der R26 nicht zu haben. Beim Aufhängungskonzept schwimmt man mit der Masse und den Topteams. Interessant ist der Weg, den man beim verstellbaren Heckflügel gewählt hat. Der Audi-Flügel dreht sich in der Mitte, die Konkurrenz setzte auf Drehachsen oben oder unten. Einen Schönheitswettbewerb gewinnt das Team mit den eigenwilligen Seitenkästen. Letztlich wird Schönheit in der Formel 1 aber durch Performance definiert.
Insgesamt erwischte das neue Werksteam einen ordentlichen Start. Die Ziele? Der Angriff auf das Mittelfeld. Neueinsteiger Cadillac gilt es auf jeden Fall hinter sich zu lassen, das schwächelnde Aston-Martin-Honda-Werksteam mit Stardesigner Adrian Newey scheint man auch im Griff zu haben.