Zankapfel Swiss League
Frontalangriff des Verbandes auf die National League

Die National League hat mit Drohgebärden für grosse Irritationen gesorgt, die Swiss-League-Klubs haben letzte Woche empört darauf reagiert und der Verband am Mittwoch mit einem Gegenangriff eine neue Eskalationsstufe gezündet. Dabei wollte man Brücken bauen.
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Aktuell laufen die Playoff-Halbfinals zwischen Olten (l., Guillaume Asselin) und Sierre (Sacha Berthoud) – die Swiss League sorgt aber auch auf den Nebenschauplätzen für Lärm.
Foto: Pascal Muller/freshfocus
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Der Hockey-Verband (SIHF) fällt durch eine Medienmitteilung mit der Türe ins Haus und attackiert die National League scharf. Der Hintergrund: Letzte Woche wurde durch einen Artikel auf «Watson» publik, dass die National League die Idee verfolgt, die Swiss League ab 2027/28 durch die Beifügung von 13 U23-Teams aus ihren Reihen auf 24 Teams aufzustocken. Weiter hiess es darin: Würde die Swiss League dafür nicht Hand bieten, würde eine solche Liga eben selbst auf die Beine gestellt, und die Swiss League könne dann schauen, wo sie bleibe.

Es sind Inhalte einer Sitzung zwischen dem Strategieausschuss der National League und Vertretern der Swiss League vom 10. März, die durch Indiskretionen nach aussen getragen wurden. Kurz nach der Publikation haben die sich noch im aktuellen Spielbetrieb befindenden SL-Klubs Sierre, Visp, La Chaux-de-Fonds und Olten gemeinsam reagiert und mitgeteilt, dass die Integration von U23-Teams für sie keine Option darstelle. Nach der Saison sei man für konstruktive Gespräche mit anderem Inhalt jedoch gerne bereit.

«Irritation und Unverständnis»

Und nun also der nächste Akt. Die SIHF greift die National League mit einer vom Verwaltungsrat gezeichneten Medienmitteilung am Mittwochvormittag frontal an. «Die jüngst kommunizierten Reformpläne der National League sorgen bei der SIHF und in Grossteilen der Eishockey-Familie für grosse Irritation und Unverständnis», heisst es darin.

Es sei befremdlich, dass «ein weitreichender Vorschlag präsentiert wurde, ohne dass zuvor eine ernsthafte gemeinsame Diskussion stattgefunden habe und dass er anschliessend bereits in den Medien kommentiert wurde». Von der National League sei man zuvor über mehrere Monate immer wieder auf spätere Gespräche vertröstet worden. Dieser wird nun vom Verband ein einseitiger Alleingang vorgeworfen.

Visp-Pico fiel fast unter den Tisch

«Wir sind froh, dass sich der Verband klar positioniert hat. In dieser Medienmitteilung steht genau das drin, was ich empfinde», sagt Sébastien Pico, CEO von Swiss-League-Spitzenklub Visp. Zuvor war er an der erwähnten Sitzung vom 10. März in Interlaken wie auch weitere Swiss-League-Exponenten vor Schreck fast unter den Tisch gefallen.

Am Mittwochnachmittag reagiert dann die National League ihrerseits mit einer Medienmitteilung. Deren Ton ist bedeutend sanfter. Man plane, mittelfristig die Entwicklungslücke beim Übergang zwischen Nachwuchs und Profibereich zu schliessen, heisst es da. Mit einer U23 soll der Abstand zwischen Profi- und Nachwuchsbereich reduziert werden und ein entsprechendes Positionspapier sei in Interlaken präsentiert worden. Im Sinne eines Vorschlags: «Eine Integration von Juniorenteams in die Swiss League war nie geplant und wurde auch zu keiner Zeit so kommuniziert.» Pico ist auch über diese Medienmitteilung froh. 

Wer soll das bezahlen?

Die zuvor gehandelten revolutionären Pläne der National League hatten von Anfang an die Ausstrahlung von Drohgebärden. Damit der Verband, die Swiss League und Regio League ihre Hausaufgaben subito erledigen und endlich einheitliche Lösungen präsentieren. Mal ernsthaft: Wer soll das alles bezahlen, wenn sich 13 Teams neben einer National-League-Equipe eine zweite Mannschaft mit professionellen Strukturen leisten, die gegen Visp oder Sierre konkurrenzfähig sein möchte?

Die ZSC Lions haben das, indem sie sich für viel Geld in der Swiss League mit den GCK Lions seit Jahrzehnten ihr eigenes Farmteam leisten. Der EV Zug hat dieses Konzept einst mit seiner EVZ Academy in der Swiss League kopiert, aber davon nach sechs Jahren wieder Abstand genommen und das Team 2022 zurückgezogen. 

Lachanfälle im November

Der Verband und die National League waren sich in den letzten Jahren durch verschiedene Interessen und eine nicht immer glückliche Kommunikation mehrfach ins Gehege geraten. Als der frühere Champions-Hockey-League-Macher Martin Baumann im November 2024 seinen Job als CEO bei der SIHF antrat, erhoffte man sich insgeheim, dass er in der Lage sein wird, Brücken zu bauen. Stattdessen ist inzwischen eine neue Eskalationsstufe erreicht. Vor der Mitteilung vom Mittwoch meldete sich der Verband letztmals im November zu Wort, als er eine Studie mit unrealistischen Wunschszenarien präsentierte, die bei der National League vor allem eines auslöste: Lachanfälle. Der Kostenpunkt der Studie: 75'000 Franken.

Die Swiss League hat sich in den letzten Jahren zum Problemfall des Schweizer Eishockeys entwickelt, der eher früher als später auch auf die National League und die Nationalmannschaften ausstrahlen wird. Denn unser Eishockey braucht eine starke und attraktive zweitoberste Liga, gingen doch viele aktuelle NL-Profis im Rahmen ihrer Entwicklung den Weg über diese. Geredet wird seit Jahren viel, gemacht wenig. Die National League sonnt sich in ihrem brummenden Produkt und ist mit ihren 14 Teams zu einer fast schon geschlossenen Liga geworden. Die Swiss League hat sich mitunter durch Selbstverschulden in eine missliche Lage gebracht. Wodurch die wirtschaftliche Schere jährlich grösser und grösser wird und ein Durchlauf der Ligen mit Auf-/Abstieg, wie man dies aus erfolgreichen Meisterschaften im Ausland aus dem Fussball kennt, nicht mehr gegeben ist.

Das Problem einer heterogenen Liga

Die NL-Teams sägen nicht am eigenen Ast und rücken keinen Millimeter von ihren Positionen ab, um nicht Gefahr zu laufen, in das schwarze Loch der Swiss League zu fallen. Dort hätte man gerne wie vor den Gratis-Aufstiegen von Ajoie und Kloten während Covid zwei NL-Teams zurück, was unrealistisch ist. Ansonsten ist man sich in der Swiss League uneins – einige Ambitionierte wie Visp oder La Chaux-de-Fonds wollen nach oben, einige wie Thurgau oder Chur eine gute Rolle in einer guten zweiten Liga spielen, andere wie die GCK Lions oder Arosa mehrheitlich Spieler ausbilden.

Viele der weniger Ambitionierten wollen eine Regionalisierung mit mehr Teams, die Ambitionierten wehren sich gegen diese Verwässerung, um ihre letzten verbliebenen Aufstiegshoffnungen nicht zu gefährden. Und darunter steht auch noch Regio League mit den Amateurmeisterschaften ab der Stufe MyHockey League, die sich grundsätzlich gegen alles sträubt. Die Lage ist kompliziert – und mit dem heutigen Mittwoch bestimmt nicht einfacher geworden.

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