Visp (Vormonat 5.)
Der EHC Visp strebt das Frühlingsscheinwerferlicht mit Meistertitel und Ligaqualifikation wie im letzten Jahr an. Diese Pläne haben durchaus Hand und Fuss, und zwar wortwörtlich – wegen den Händen von Noah Fuss. Dieser hat mit seinem Overtime-Treffer in Spiel 2 in der 93. Minute und einem Doppelpack in Spiel 3 aus einem 0:1-Rückstand in der Halbfinalserie gegen La Chaux-de-Fonds eine 2:1-Führung gemacht. Fuss gehört dem SC Bern, doch dort wurde ihm von anderen Stürmern der Rang abgelaufen. Sieht man dem wirbligen Stürmer im Visper Dress in den Playoffs bei der Arbeit zu, lässt sich festhalten, dass der 24-Jährige durchaus Werkzeuge hätte, die dem SCB in der aktuellen Lage helfen könnten. Das wüsste eigentlich auch Berns Trainer Heinz Ehlers (60), der wurde letzte Saison zusammen mit Fuss Swiss-League-Meister.
Auffällig sind auch dessen Linienpartner Alessandro Lurati (21), ein ehemaliger Lugano-Junior, und Joel Marchon (23). Eben erst von einer Gehirnerschütterung genesen, stürzt sich der jüngere Bruder von SCB-Giftzahn Marc Marchon (30) bereits wieder ohne Rücksicht auf Verluste ins Getümmel. Derweil konzentrieren sich die beiden Visper Ausländer Jacob Nilsson (32) und Adam Brodecki (31) hauptsächlich darauf, den Ausländern von La Chaux-de-Fonds gehörig auf den Senkel zu gehen, was – wenn diese nicht gerade in Überzahl spielen – formidabel gelingt. Trainer Luca Gianinazzi (32), der nur gerade ein halbes Jahr älter ist als Nilsson und zuvor bei Lugano in der National League verheizt wurde, hat einen Plan.
Sierre (3.)
Der EHC Olten erweist sich als widerspenstiger, unangenehmer Halbfinal-Gegner. In Spiel 1 liess sich Sierre von den Powermäusen überraschen (2:3), inzwischen haben die Walliser mit Léonardo Fuhrer (32) ihre Mäusefalle am richtigen Ort platziert. Der ehemalige Fribourg-Junior hat mit seiner Kaltblütigkeit im Slot und je zwei Toren in Spiel 2 (3:1) und Spiel 3 (4:3 n.V.) den Umschwung fast im Alleingang herbeigeführt. Derweil liegt Sierres Samuel Asselin (27) mit sieben Torbeteiligungen bei insgesamt neun Halbfinaltreffern im Hochkaräter-Duell gegen Oltens Guillaume Asselin (33, fünf Torbeteiligungen bei sieben Treffern des Teams) vorne. Die beiden kanadischen Stürmer und Topskorer ihrer Klubs mit dem Nachnamen Asselin sind weder verwandt noch verschwägert. Unschön ist dagegen, dass auffällt, dass einige Sierre-Spieler bei Kontakt mit dem Gegner öfters und spektakulärer als nötig den Bodenkontakt suchen. Solches Schwalbengehabe ist einer solch umkämpften Halbfinalserie unwürdig.
Olten (1.)
Man fragt sich schon, was die Solothurner das ganze Jahr über jeweils tun und lassen. In der Quali hat Olten zweimal hintereinander durch seine Harmlosigkeit massiv enttäuscht, doch wenn die Playoffs beginnen, ist das jeweils eine andere, richtig eklige Mannschaft.
In den Viertelfinals 2025 wurde La Chaux-de-Fonds in die Ferien geschickt, in diesem Jahr musste das zuvor so souveräne Thurgau daran glauben. Auch gegen den souveränen Quali-Sieger Sierre spielt Olten auf Augenhöhe mit, wäre die Mannschaft von Christian Wohlwend (49) noch etwas abgebrühter, läge sie in der Halbfinalserie sogar mit 2:1 in Führung, statt mit 1:2 in Rückstand. Die Mannschaft musste noch einen weiteren Schlag hinnehmen – mit Simon Sterchi (31) hat sich einer der wichtigsten Schweizer Spieler am Sonntag bei einem Banden-Zweikampf einen Kreuzbandriss zugezogen.
Wenige Tage zuvor hatte der Sohn von SRF-Mann Christoph Sterchi (58) erfolgreich sein Bachelorstudium in Betriebswirtschaft und Sportmanagement abgeschlossen – nun fällt er auf dem Eis rund neun Monate aus.
La Chaux-de-Fonds (6.)
Es schien so, als hätte der EHC Chur in den Viertelfinals das Potenzial des Favoriten herausgekitzelt, als der Aussenseiter begann, diesen zu ärgern. Die Neuenburger schalteten einen Gang hoch, zeigten ihre Klasse und beendeten die Serie gegen die Bündner doch noch souverän mit 4:2. Diesen Schwung nahm La Chaux-de-Fonds gleich in den Halbfinal mit und führte Visp in Spiel 1 durch einen 4:1-Sieg vor.
Seither hat der einzige Aufstiegsaspirant neben Halbfinalgegner Visp aber seltsamerweise wieder einen Gang zurückgeschaltet und verdient zweimal verloren. Es gelingt den Neuenburgern nicht mehr, ihre in der Swiss League einmalige Tiefe im Kader auszuspielen, dafür ist die Fehlerquote wie zwischenzeitlich schon gegen Chur massiv angestiegen. Finden sie in ihrer Schaltzentrale nochmals rechtzeitig den richtigen Gang?