Am Freitag erlitt Peter Zahner (65) bei den Wahlen des Internationalen Eishockey-Verbands (IIHF) Schiffbruch. Der CEO der ZSC Lions, den der Verwaltungsrat der Swiss Ice Hockey Federation Amtsinhaber Raeto Raffainer (44) vorgezogen hatte, verpasste auf Teneriffa die Wahl in den Council, die Regierung des Welteishockeys.
Internationale Szenekenner glauben, dass dem Aargauer die Nähe zu einem Schweizer zum Verhängnis geworden sein könnte. Zahner zeigte sich im Vorfeld der Wahlen mit René Fasel (76). Der ehemalige IIHF-Präsident ist nach wie vor bestens vernetzt und zieht im Hintergrund die Fäden. Als Ehrenpräsident ist er dabei, als sich die Eishockey-Gemeinde auf der kanarischen Insel versammelt. Wegen seiner Nähe zu Russland war er seit dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine zur Persona non grata erklärt worden, ehe er im letzten Frühling begnadigt wurde und bei der WM in Zürich und Freiburg präsent war.
Das ändert nichts daran, dass der Freiburger Strippenzieher weiterhin der Mann Russlands ist. Und die Eishockey-Weltmacht, die seit 2022 aus Sicherheitsgründen, so die Begründung, nicht mehr an Weltmeisterschaften teilnehmen darf, drängt auf eine Rückkehr. Dagegen stemmen sich nicht zuletzt die nordischen Verbände.
Russland polarisiert auch die Hockey-Szene
So war das Thema Russland bei den IIHF-Wahlen ein wichtiger Faktor, der den Kongress spaltete. Im Gegensatz zu Raffainer, der es bei der Wahl vor fünf Jahren vermieden hatte, sich auf eine Seite zu begeben und sich neutral verhielt, sollen viele Stimmberechtigte Zahner durch die Nähe zu Russen-Freund Fasel anders wahrgenommen haben. Das könnte in der engen Ausmarchung, die über zwölf Wahlgänge ging, entscheidend gewesen sein.
Schon eine Stimme mehr hätte die Chance, gewählt zu werden, am Leben erhalten. In der letzten Runde schied der ZSC-Boss mit 37,6 % zusammen mit dem Russen Dmitri Kurbatow und dem Franzosen Pierre-Yves Gerbeau, die genau gleich viele Stimmen erhielten, aus, und die anderen fünf der acht verbliebenen Kandidaten machten das Rennen.
Fasel feierte allerdings auf Teneriffa auch einige Erfolge. Nicht zuletzt setzte sich der Deutsche Franz Reindl (71) gegen den Anti-Russland-Mann Petr Briza (61) durch und wurde zum Präsidenten gewählt.
Schmutzkampagne gegen Russen-Gegner Briza
Der Wahlkampf ums Präsidium wurde mit allen Mitteln geführt, wobei der tschechische IIHF-Vizepräsident lange als klarer Favorit galt. Doch im Vorfeld des Showdowns auf Teneriffa flatterten den Wahlberechtigten Unterlagen in die Mailbox, die Briza in einem schlechten Licht erscheinen liessen. Dabei war der ehemalige Goalie im besagten Fall zweimal vor Gericht freigesprochen worden.
Um weitere schmutzige Tricks und Beeinflussungen zu verhindern, durften die Beteiligten keine elektronischen Geräte in den Wahlraum mitnehmen. Die Wahl fand elektronisch und geheim statt.
Reindl setzte sich im zweiten Wahlgang hauchdünn mit 60 zu 57 Stimmen gegen Briza durch. Die Zukunft wird zeigen, wie nahe der ehemalige deutsche Nationalstürmer Russland sein wird. Briza ist derweil weiterhin Vizepräsident.
Fasel und Russland feierten weitere Erfolge. So schaffte der Weissrusse Sergej Gontscharow ein Comeback und in der letzten Runde den Sprung zurück in den Council. Der Weissrusse hatte vor fünf Jahren Präsident werden wollen und war aus dem Saal gestürmt, als er eine Niederlage gegen den Franzosen Luc Tardif erlitten hatte. Seither wurde er nicht mehr gesehen, bis er nun wieder auf der Bildfläche auftauchte und überraschend ins Council gewählt wurde. Aus Fasels Stall wurde auch der Slowake Igor Nemecek (65) gewählt.
Im Schweizer Lager wird nun darüber gestritten, was falsch gelaufen ist. Im 15-köpfigen Council bestimmen derweil Vertreter aus Ländern wie Kirgisistan, der Türkei, Bulgarien, Neuseeland, Südkorea oder Polen mit, wo es langgeht.