Es ist kaum zu glauben, dass Schweden bereits acht Jahre auf einen Finaleinzug bei einer WM wartet. Seit 2018, als die Tre Kronor die Hockey-Nati bezwangen und den zweiten Weltmeistertitel in Serie holten, weisen die Skandinavier lediglich zwei Bronzemedaillen auf. Nun soll es der Mann, der damals bei den Schweden an der Bande stand, wieder richten – dieses Mal aber ohne seine Mutter als Unterstützerin.
Rikard Grönborg übernimmt das Traineramt der schwedischen Nationalmannschaft. Der 58-Jährige kennt den Verband in- und auswendig. Seine Laufbahn bei den Tre Kronor beginnt bereits 2006 als U20-Scout. Ein Jahr später macht er den gleichen Job für die U18 und die Profis.
Dreimal Gold für Grönborg
2010 folgt die Beförderung. Grönborg wird U18-Cheftrainer und steht bei der A-Nationalmannschaft als Assistent von Pär Marts (73) an der Bande. Den ersten WM-Titel holen die beiden ausgerechnet 2013 gegen die Schweiz. Und es soll nicht der letzte Erfolg für den heute 58-Jährigen bleiben. In der Zwischenzeit zum Cheftrainer befördert, holt Grönborg 2017 in Deutschland gegen Kanada Gold (2:1 n. P.).
Ein Jahr später in Dänemark folgt der nächste WM-Titel – wieder nach Penaltyschiessen, dieses Mal gegen die Schweiz (3:2). 2019 verlässt Grönborg die Nationalmannschaft und heuert bei den ZSC Lions an.
«Danke an alle Hockey-Mütter!»
Nach etwas mehr als drei Jahren bei den Zürchern folgen drei weitere bei Tappara in Finnland, wo der Schwede zwei Meistertitel und eine Auszeichnung zum Trainer des Jahres feiert. Nun schliesst sich der Kreis: Der dreifache Weltmeister übernimmt wieder bei den Schweden. Doch erstmals fehlt ihm die Unterstützung seiner Mutter Lillemor, die im vergangenen Winter verstarb – Vater Jan verlor er 2008.
«Sie ist an Alzheimer gestorben, das ist eine schreckliche Krankheit und sehr schwer zu ertragen. Am Ende hat sie mich nicht mehr erkannt, aber irgendwie konnte ich mich zumindest von ihr verabschieden», sagt Grönborg, der den WM-Titel 2017 seinen Eltern widmete, bei einer Pressekonferenz in Schweden am Mittwoch. Damals besuchte er mit dem WM-Pokal das Grab seines Vaters und schrieb auf X: «Danke an alle Eishockey-Mütter in Schweden. Mama, du bist meine Weltmeisterin!»
Wiedersehen mit der Hockey-Nati
Denn für Grönborg ist klar, wem er seine Karriere verdankt: «Meine Mutter hat mich eigentlich dazu gebracht, mit dem Eishockey anzufangen», sagt der 58-Jährige gegenüber der schwedischen Zeitung «Sportbladet». Sie habe früher selbst Fussball und Handball gespielt und ihn angetrieben, ebenfalls Sport zu treiben, so Grönborg.
Jetzt ist der Fokus auf sein Traineramt gerichtet. Das erklärte Ziel: der WM-Titel in Deutschland. Doch zunächst steht noch der Nocco Cup an. Nach einem 3:2-Sieg gegen die Tschechen kommt es nun am Samstag zum Wiedersehen mit der Hockey-Nati.