Am 16. Januar war die Welt der SCL Tigers noch rosa. Soeben hatten sie Servette mit einer 3:0-Abfuhr nach Hause geschickt, bauten ihr Konto auf 58 Punkte aus und balgten sich auf Rang 8 liegend mit den SCRJ Lakers und Zug um die Plätze 7 und 8, die zwei Chancen in den Play-Ins bedeuten. Der Vorsprung auf Bern und Biel: 7 Punkte.
Doch danach holten die Emmentaler aus 10 Partien nur noch einen Sieg (6:3 gegen Ambri), insgesamt 6 Punkte und eine Runde vor Schluss steht fest, dass sie die Play-Ins verpassen. Von den 9 in dieser Zeit angehäuften Niederlagen erfolgen nicht weniger als 6 mit einem Tor Unterschied, was rekordverdächtig ist. Selbst während ihrer Krise im Quali-Endkampf waren die Tigers absolut konkurrenzfähig.
«Einen Weg gefunden, zu verlieren»
«Wir haben einen Weg gefunden, die Spiele zu verlieren, obwohl wir ähnlich gut wie zuvor gearbeitet haben. Damals ist es uns aber noch regelmässig gelungen, dann halt auch mal einen zusätzlichen Punkt mitzunehmen», analysiert Trainer Thierry Paterlini (50). Und Sportchef Pascal Müller (46) meint: «Gute Leistungen zu zeigen, reicht zum Ende der Quali nicht mehr. Es braucht Resultat-Hockey und dies haben wir nicht hingekriegt. Es gibt in dieser Phase gewisse Spiele, in denen man Punkte braucht, unabhängig davon, ob man gut oder schlecht spielt.» In diesem Endkampf sei ein anderer Stil gefragt: «Uns fehlte ein wenig die Cleverness und Erfahrung.»
Die gute Ausgangslage nicht über die Ziellinie gebracht zu haben, ist eine riesige Enttäuschung. Für die Mannschaft, für Trainer Paterlini und Sportchef Müller. Die gemeinsam so vieles richtig gemacht haben in dieser Saison, obwohl ihnen im letzten Sommer durch die Abgänge von Charlin, Saarijärvi, Zanetti und Saarela sowie den Rücktritten von Berger und Cadonau ein Teil des Herzens herausgerissen wurde. Vor der Saison hätte man den SCL Tigers den Kredit für die Top 10 nicht gegeben, stellt Müller klar, «aber wir haben uns da reingearbeitet und entwickelt. Am Schluss haben wir es jedoch nicht geschafft, die paar Punkte, die wir noch benötigt hätten, zu holen».
Für Paterlini kein Rückschritt
Müller spricht vom Zyklus der SCL Tigers, der immer zwei bis drei Jahre beanspruche: «Wenn uns ein Spieler, der sich in dieser Zeit entwickelt hat, verlässt, können wir diesen nicht eins zu eins ersetzen.». Er schiebt aber auch gleich hinterher: «Dies ist keine Entschuldigung, sondern einfach unser tägliches Brot. Deshalb haben wir, wenn man alles nüchtern betrachtet, sehr vieles sehr gut gemacht. Zufrieden dürfen wir trotzdem nicht sein. Wir haben die Top 10 nicht erreicht und das war das Ziel.»
Paterlini wehrt sich dagegen, im Vergleich zur letzten Saison, als die Playoffs geschafft und in den Viertelfinals Lausanne über sieben Spiele alles abverlangt wurde, von einem Rückschritt zu sprechen: «Das ist es nicht, wir haben diese Saison sogar nochmals einen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben mit diesem Team nicht das gleiche Potenzial gehabt wie im letzten Jahr, aber eine stabile Saison gespielt.»
Neue Hoffnungsträger im Anmarsch
Langnau wird trotz dieser Enttäuschung Langnau bleiben. Ein Ort, an dem nicht mit Geldscheinen gewunken wird, aber Spieler sich entwickeln können. In einem stabilen Umfeld, mit dem umsichtigen Sportchef Müller, sicher noch für eine Saison mit Trainer-Persönlichkeit Paterlini, einem Campus, der keine Wünsche offen lässt und einer Partnerschaft mit dem EHC Chur, die nicht bloss ein Lippenbekenntnis ist, sondern zum Vorteil beider Klubs intensiv gelebt wird. Nächste Saison werden sie die Top 10 wieder angreifen – mit neuen Hoffnungsträgern wie Dahlén, Eggenberger, Arno Nussbaumer und Gian Meier sowie dem Ziel, die wichtigen Punkte bis zum Schluss zu holen. Dafür haben sie in diesen Wochen viel dazugelernt.

