Darum gehts
Olten (Vormonat 8.)
Sie tun es tatsächlich wieder. Die Quali-Minimalisten aus Olten schlagen in den Playoffs erneut gnadenlos zu. Nachdem sie letzte Saison völlig überraschend in den Viertelfinals Krösus La Chaux-de-Fonds mit 4:2 eliminiert haben, befindet sich nun Thurgau im Würgegriff der Teilzeit-Arbeiter. Durch die 3:1-Führung in der Serie hat der Tabellensiebte jetzt drei Matchpucks. Dabei begannen die Playoffs miserabel, die Oltner lagen in Spiel 1 nach 15 Minuten mit 0:3 zurück, drehten die Partie aber noch und gewannen 6:3. Seither lassen sie nicht mehr locker. Bei zehn der 16 bislang erzielten Tore hatte Klotens letztjähriger Ersatzausländer Jayce Hawryluk den Stock im Spiel, der Kanadier ist dadurch der aktuelle Playoff-Topskorer.
Chur (4.)
Der 1. März war in Chur ein Freudentag, erstmals nach dem Wiederaufstieg 2024 konnte im siebten Anlauf mit dem 4:2-Sieg in La Chaux-de-Fonds wieder ein Playoff-Spiel gewonnen werden. Dadurch hat Chur so richtig Spass an der Sache bekommen – am Dienstag wurde der Favorit daheim gleich mit 7:2 abgefertigt. Der Spielstil mit dem aggressiven Forechecking ist zwar kräftezehrend, doch Erfolgserlebnisse dieser Art sind besser als jeder Energydrink. 2:2 stehts und La Chaux-de-Fonds wankt. Noch ein Tipp an Sportchefs der National League, die einen Verteidiger suchen: Schaut mal bei Sandis Smons genau hin. Der 26-jährige lettische Nationalspieler mit Schweizer Lizenz spielt als Churer Abwehrchef eine Riesensaison.
Sierre (3.)
Der Quali-Sieger schien gegen die GCK Lions nach einer 3:0-Führung in der Serie auf dem Weg zu einem problemlosen Durchmarsch, ehe er im zürcherischen Küsnacht ausgekontert wurde. Trotz eines Schussverhältnisses von 52:22 ging die Partie mit 3:6 verloren. Das muss man auch erst mal schaffen. Daran, dass Sierre mit seiner offensiven Spektakel-Equipe den Halbfinal-Einzug schafft, zweifelt trotzdem kaum jemand. Aber es zeigt sich auch einmal mehr in dieser Saison, was im weiteren Playoff-Verlauf die Achillesferse der Walliser sein könnte: Während sie in der Verteidigung und im Sturm überdurchschnittlich besetzt sind, bieten ihre Goalies Remo Giovannini und Thibault Fatton maximal Mittelmass.
(1.) Basel
Die Basler können ihren Gegner Visp zwar nicht mehr wie in der Quali permanent abwatschen, als sie alle fünf Spiele gewonnen haben, aber doch gehörig ärgern. 2:2 lautet der Zwischenstand, die Entscheidung fällt jetzt in den letzten zwei (oder drei) Partien. Einen Vorteil hat sich Basel auf der Goalie-Position verschafft. Fabio Haller (Abwehrquote 96 Prozent) und Andri Henauer (93,94 Prozent) betreiben ein erfolgreiches Job-Sharing, da kann Visps Juho Markkanen (89,47 Prozent) als Alleinunterhalter derzeit nicht dagegenhalten.
Visp (6.)
141:76-Schüsse, aber 7:8-Tore und 2:2-Siege. Visps Offensivabteilung hat ein gröberes Problem mit seiner Effizienz, weshalb die Serie gegen Basel für den Meister des Vorjahres äusserst mühsam ist. Dieser Umstand greift offensichtlich auch das Nervenkostüm an, die Visper sind im Lauf des Duells anfälliger für Provokationen geworden und ihr schwedischer Stürmer Adam Brodecki wanderte bei der 1:3-Niederlage am Dienstag in Basel für einen Crosscheck vorzeitig unter die Dusche. Dort bringt er dann herzlich wenig, um das Steuer noch herumreissen zu können.
(2.) La Chaux-de-Fonds
Während die Klubführung ein Strategiepapier veröffentlich hat, wie der Klub für einen dauerhaften Aufenthalt in der National League fitgemacht werden soll, haben die Spieler die Serie gegen Chur nach einer 2:0-Führung aus der Hand gegeben und kriegten am Dienstag in Graubündens Hauptstadt gehörig aufs Dach (2:7). Glaubten die, der Aussenseiter sei nach zwei Niederlagen bereits erledigt? Churs aufsässige Spielweise verleitet die Neuenburger immer wieder zu Fehlern, dazu sticht Churs NHL-Draft Elijah Neuenschwander (Anaheim) derzeit den zweifachen SL-Meistergoalie Viktor Östlund aus. Das Momentum ist weg – was hat La Chaux-de-Fonds noch in der Hinterhand?
GCK Lions (5.)
Mit dem 6:3-Sieg am Dienstag haben die Junglöwen den «Sweep» abgewendet und in der Serie gegen Quali-Sieger Sierre auf 1:3 verkürzt. Dadurch kommen sie am Freitag nochmals zu einer Busreise ins Wallis, da gibt es beim herrlichen Frühlingswetter diese Woche schlechtere Ideen. Dass das ZSC-Farmteam aber noch längerfristig mit Playoff-Eishockey beschäftigt sein wird, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. Dafür ist die Offensive des Gegners dann doch zu gut.
Thurgau (7.)
Eben noch wurde die erfolgreichste Regular Season seit dem Wiederaufstieg 2005 gefeiert und nun steht der Tabellenzweite vor dem Aus. Die Thurgauer wurden von Olten komplett auf dem falschen Fuss erwischt und liegen in dieser Serie mit 1:3 im Hintertreffen. Anlässlich der dritten Niederlage am Dienstag (1:2) machte sich im Schlussdrittel erstmals Verzweiflung bemerkbar, weil in der Offensive nichts gelingen will. Was in der Quali noch so federleicht funktionierte, wirkt jetzt verkrampft und planlos. Gibts noch einen Weg aus dem Dilemma?