Power-Ranking der Swiss League
Ambri-Gerücht um Von-Arx-Brüder - NHL-Fieber im Thurgau

In Basel haben sie vergessen, wie man verliert. Chur könnte sein prominentes Trainer-Duo verloren gehen. Und im Thurgau stehen wegen einem Spieler alle Kopf. Da neue Power-Ranking der Swiss League.
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Marcel AllemannReporter Eishockey

1. (Vormonat 1.) Basel
Der EHC Basel setzt seinen Steigerungslauf unaufhaltsam fort. Von den letzten 15 Spielen wurden 14 gewonnen. Wenn die so weitermachen, erreichen sie noch die Top 3 und der wortgewandte Sportchef Kevin Schläpfer könnte auf Tele Basel eine Sommerserie unter dem Titel «Der schnellste Weg vom Keller aufs Dach» moderieren. Bei dieser Bilanz ist es ein sportlicher Jammer, dass die National League das Aufstiegsgesuch der Basler aus wirtschaftlichen Gründen bachab geschickt hat. Dafür sorgen, dass sich dies in Zukunft ändert, soll der im April startende neue CEO Thomas Kissling. Dieser war bislang in der IT-Branche tätig und ist nun gefordert, sein lokales Netzwerk anzuzapfen. 

Der EHC Basel findet aus dem Jubeln (hier wird Sandro Brügger abgeklatscht) nicht mehr raus.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

2. (6.) La Chaux-de-Fonds
Während in der National League schon sechs Übungsleiter ausgewechselt wurden, wird in der Swiss League das Portemonnaie zumeist geschont. Doch beim nicht in die Gänge findenden HC La Chaux-de-Fonds ist der Geduldsfaden am 19. Januar gerissen, ein 1:7 gegen Chur und ein 2:5 gegen die GCK Lions war dann doch zu viel. Die erste Trainerentlassung der Saison wurde Tatsache, Louis Matte musste gehen. Neun Tage später war dann übrigens auch dessen Zwillingsbruder René Matte bei Ambri seinen Job los. Da soll noch einer behaupten, es würde das Twin Escalations Syndrom nicht geben. Nach dem Knall liess der Ligakrösus mit fünf Meisterschaftssiegen in Folge und dem Gewinn des Cups im Final gegen Sierre die Muskeln spielen. Holen die sich unter dem neuen Trainer Teppo Kivelä nun etwa mit einem Schlussspurt auch noch den Quali-Sieg?

Erste Trainerentlassung in der laufenden Swiss-League-Saison: Louis Matte musste bei La Chaux-de-Fonds gehen.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

3. (2.) Sierre
Die Lizenz für einen Aufstieg diese Saison haben die ambitionierten Walliser nicht erhalten. Nach einem Treffen mit der National League im Januar wurde nun die neue Strategie erarbeitet. Das Problem: Die vom Stimmvolk bewilligte neue Valais Arena wird frühestens 2029/2030 stehen, wobei bei solchen Grossprojekten stets mit Verzögerungen zu rechnen ist. Doch derart viel Zeit will der HC Sierre nicht verlieren und so soll die altehrwürdige Eishalle Graben als Zwischenlösung mit einem Umbau den NL-Anforderungen angepasst werden und ein Aufstieg schon ab 2028 möglich sein. Kostenpunkt: zwischen ein und zwei Millionen Franken. Die Finanzierung soll zwischen Klub, Investoren und Gemeinde aufgeteilt werden. Eishockey gespielt wird aber auch noch: Sierre ist noch immer Leader, musste aber zuletzt mit zwei Pleiten aus den letzten drei Spielen und der Cupfinal-Niederlage gegen La Chaux-de-Fonds etwas Federn lassen.

Die Eishalle Graben soll National-League-Bedürfnissen angepasst werden, um den Aufstieg von Sierre schon ab 2028 möglich zu machen.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

4. (4.) Chur
Von den letzten acht Spielen wurden sechs gewonnen, die jungen Churer haben einen weiteren starken Monat hinter sich. Und Spieler wie Robin Ramsauer, Sandis Smons oder Liekit Reichle betreiben erfolgreich Eigenwerbung. Doch ist es nach dieser Saison mit dem Chur-Wunder vorbei? Die so erfolgreich arbeitenden Trainer-Brüder Reto und Jan von Arx haben ihre Verträge noch immer nicht verlängert, was zusehends zu Begehrlichkeiten auf dem Markt führt. Unter anderem soll sich Ambri für die früheren HCD-Legenden interessieren. Ihre Arbeitsweise, mit der Entwicklung von jungen Spielern, würde wie die Faust aufs Auge zur Ambri-Strategie passen. Doch würden sich die Von-Arx-Brüder das gerade ziemlich chaotische Ambri tatsächlich antun? Reto von Arx gegenüber Blick: «Gerüchte kommentiere ich nicht.»

Reto (l.) und Jan von Arx haben beim EHC Chur noch nicht verlängert.
Foto: Marc Schumacher/freshfocus

5. (10.) GCK Lions
Im letzten Power-Ranking wurde das Farmteam der ZSC Lions kritisiert: Für gewöhnlich entwickelt sich eine junge Equipe im Lauf einer Saison, aber bei den Junglöwen war eine gegenteilige Kurve auszumachen. Im neuen Jahr konnte nun offenbar an den richtigen Schrauben gedreht werden. Immerhin sieben von zwölf Spielen wurden gewonnen und in neun dieser zwölf Spiele gepunktet. So kann inzwischen nicht nur die Playoff-Teilnahme gebucht werden, sondern womöglich auch das auf Rang 7 liegende Olten noch abgefangen werden. Der Spieler der Stunde: Jarno Kärki mit vier Toren beim 6:0 gegen Winterthur am Freitag. 

4 Tore gegen Winterthur: GCK-Stürmer Jarno Kärki.
Foto: Marc Schumacher/freshfocus

6. (3.) Visp
Nach einem Zwischenhoch nahm der Titelverteidiger in den letzten Wochen ein wenig den Fuss vom Gas, von den letzten neun Spielen konnten lediglich noch vier gewonnen werden. Und so muss sich der neben La Chaux-de-Fonds einzig verbliebene Klub mit einer Aufstiegsberechtigung vorsehen, nicht noch aus den Top 4 zu fallen und die Playoffs in der Fremde beginnen zu müssen. Denn das Restprogramm ist mit Auswärtsspielen gegen Thurgau und La Chaux-de-Fonds durchaus knackig. 

Für Visp (r. Dario Burgener) läuft es nicht mehr so geschmeidig.
Foto: Claudio de Capitani/freshfocus

7. (5.) Thurgau
Auf das Herbsthoch folgte das Januarloch: Von den letzten acht Spielen gingen sechs verloren. Der ehemalige Leader muss plötzlich um das Heimrecht in den Playoffs zittern, da man aber noch zwei Spiele mehr als die direkten Konkurrenten auszutragen hat und gegen Bellinzona, Arosa und Winterthur (zweimal) antreten darf, sind die Top 4 machbar. Ein weiterer Dämpfer: Der SCB hat den überragenden Leihgoalie Christof von Burg (Abwehrquote 95,30 %) zurückgerufen. Aber es wartet auch ein riesiges Highlight auf Thurgau: Für das Spiel gegen Winterthur am Samstag werden bis zu 40 (!) NHL-Scouts erwartet. Sie kommen alle, um Simas Ignatavicius zu sehen Der 18-jährige von Servette ausgeliehene Litauer mit Schweizer Lizenz ist Erstrunden-Kandidat für den NHL-Draft im Sommer. Die Scouts erwartet in der Güttingersreuti (wie sprechen die das wohl aus?) noch ein anderes Erlebnis. Denn der Zufall will es, dass es just am Samstag zum Comeback des legendären Whirlpools im Stadion kommt.

Simas Ignatavicius verdreht den NHL-Scouts den Kopf.
Foto: keystone-sda.ch

8. (7.) Olten
Es gab eine wunderschöne Geschichte in Olten: Als Patrick Obrist am 24. Januar nach überstandener Krebs-Erkrankung beim 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen die GCK Lions sein Comeback gab und dabei auch noch ein Tor erzielte. Hühnerhaut pur. Aber das wars dann aber auch schon mit den guten News. Die Mannschaft ist unkonstant, die Top 6 in der Tabelle entschwunden, Trainer Christian Wohlwend beklagt im «Oltner Tagblatt» eine gegenüber ihm negative Berichterstattung, Sportchef Thomas Roost wird gefeuert und vorgeworfen die lokalen Begebenheiten unterschätzt zu haben. Olten ist und bleibt ein Pulverfass und sucht sein Heil nun in wundersamen Playoffs, was letzte Saison mit einem Viertelfinal-Coup gegen La Chaux-de-Fonds gelang.

Patrick Obrist feierte ein emotionales Comeback.
Foto: Zamir Loshi/freshfocus

9. (9.) Winterthur
Fernab von der Chance, die Playoffs noch zu erreichen, befinden sich die freiwillig in die MyHockey League absteigenden Winterthurer auf Abschiedstour. Ab und zu setzen sie ein Ausrufezeichen (3:2-Sieg nach Verlängerung in Chur), ab und zu ist die Endzeitstimmung erkennbar (0:6-Pleite gegen die GCK Lions). Noch acht Spiele hat «Winti» auzutragen, ehe am 21. Februar im Heimspiel gegen La Chaux-de-Fonds der Vorhang fällt. Daneben befassen sich die Spieler mit ihrer Zukunft: Wer bleibt auch in der MyHockey League? Wer geht und wohin? Der beste Verteidiger Nicolo Ugazzi hat einen Abnehmer gefunden, wechselt auf nächste Saison zu Olten.

Nicolo Ugazzi hat einen neuen Arbeitgeber gefunden.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

10. (11.) Arosa
Am wenigsten Punkte (24), am meisten Gegentore (198), die schlechteste Tordifferenz (-107) und mit Andrea Zanolari und Gregory Bedolla die beiden Spieler mit der schlechtesten Plus-Minus-Bilanz in der Liga (-30). Der Traditionsverein bezahlt in seinem Comeback-Jahr im Profi-Hockey mit seiner Grünschnabel-Truppe erwartungsgemäss Lehrgeld. Doch es gibt auch einen, der das Arosa-Jahr perfekt genutzt hat, um sich neu zu positionieren: Emilijus Krakauskas, zuvor bei Sierre, Visp und Chur durchgefallen, spielt eine Bombensaison, ist mit 20 Toren der drittbeste Torschütze in der Liga mit Schweizer Lizenz und kann nun durch seinen Transfer zu Olten gar Playoffs spielen.

Arosa-Stürmer Emilijus Krakauskas hat schon 20 Tore geschossen und setzt seine Karriere in Olten.
Foto: Pius Koller

11. (8.) Bellinzona
Die Tessiner verscherbeln gerade eifrig ihr Tafelsilber: Visp hat sich für den Rest der Saison die Dienste von Dean Schwenninger gesichert, Olmo Pietro Albis und Niccolò Mansueto sind bei Sierre gelandet, Andrea Feuz und Noam Micheletti in La Chaux-de-Fonds, Nils Wehrli zog zu Langenthal weiter. Verfälschung der Meisterschaft? Kann man bei lediglich acht Saisonsiegen, wovon der Letzte schon fast einen Monat her ist, nicht behaupten. Bellinzona, das dem Vernehmen nach auch nächste Saison in der Swiss League antreten soll, spielt nur noch um die goldene Ananas gegen Arosa: Wer wird nicht letzter? Das letzte Direktduell steigt am 15. Februar. 

Vom Schwanz an die Spitze: Statt für Bellinzona spielt Goalie Andrea Feuz jetzt für Aufstiegsaspirant La Chaux-de-Fonds.
Foto: Marusca Rezzonico/freshfocus
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