Darum gehts
- Alessandro Segafredo wurde am 1. Januar ins italienische Olympia-Team berufen
- Er erzielte 6 Tore in 11 Länderspielen und lebt in Zürich
- Italien spielt in Gruppe B gegen Schweden, Finnland und die Slowakei
Am 1. Januar klingelte das Telefon von Alessandro Segafredo (21). Am anderen Ende war der italienische Nationaltrainer Jukka Jalonen (63). Der rief aber nicht an, um ihm nur ein gutes neues Jahr zu wünschen. Er sagte dem jungen Stürmer, dass er ihm einen Platz im Olympia-Team gibt.
«Die Freude und Erleichterung war riesig», erinnert sich Segafredo zurück. Er habe in den Tagen und Wochen zuvor oft an die Olympia-Nominierung gedacht. Mit einem durchaus guten Gefühl zwar, denn Segafredo konnte in den letzten Zusammenzügen brillieren und steht bei einer Länderspiel-Bilanz von 6 Toren in 11 Spielen, «aber man weiss es halt trotzdem nicht, bis es offiziell ist».
Ein Olympia-Aufgebot ist für jeden Sportler das Grösste. Aber für Segafredo als Italiener noch eine Spur spezieller, denn in den Genuss von olympischen Heimspielen kommen nur wenige. «Das ist riesig, auch für meine Familie, die mich auf meinem Weg enorm unterstützt hat und in Mailand vor Ort sein wird», sagt der aus der Käse-Stadt Asiago stammende Stürmer, der bereits mit 11 seine Heimat verliess, um seinen Hockey-Traum zu leben. Zunächst im Nachwuchs von Ambri, dann in der Organisation der ZSC Lions, wobei er zwischenzeitlich auch noch anderthalb Jahre in Nordamerika spielte.
Rückschritt in der ZSC-Organisation
Letzte Saison debütierte Segafredo in der National League, er bestritt rund 50 Prozent seiner Spiele beim ZSC und die anderen 50 Prozent bei Farmteam GCK Lions. In dieser Saison erlebt er einen Rückschritt, nur noch bei 7 Matches kam er beim ZSC zum Einsatz, mehrheitlich (36 Spiele) ist er mit den Junglöwen in der Swiss League unterwegs. Dramatisieren will dies Segafredo nicht: «Das ist ein Teil des Prozesses. Es kann nicht immer so laufen, wie ich mir das wünsche. Die Swiss League ist durchaus gut für mich, bei den GCK Lions kann ich von viel Eiszeit profitieren und Vertrauen aufbauen, damit ich bereit bin, wenn die nächste Chance beim ZSC kommt.» Natürlich gibt ihm das Olympia-Aufgebot in dieser Situation einen zusätzlichen Motivationsschub.
Statt gegen Bellinzona, Winterthur oder Arosa spielt er bald gegen Schweden, Finnland und die Slowakei. Die Gegenspieler werden anstatt Aris Conceprio (Bellinzona), Silvan Furrer (Winterthur) oder Andrea Zanolari (Arosa) demnächst Victor Hedman (Tampa), Mikko Rantanen (Colorado) oder Juraj Slafkovsky (Montreal) heissen und NHL-Topstars sein. «Logisch ist das etwas Anderes, aber die Mentalität bleibt für mich die Gleiche. Man will stets sein bestmögliches Spiel zeigen», sagt Segafredo. Sich mit so vielen Topstars messen zu können, ist für ihn «eine coole Erfahrung. Ich werde es geniessen und mein Bestes geben».
Der Aussenseiter mit Herz
Es versteht sich von selbst, dass Italien der grosse Aussenseiter in dieser Gruppe B ist. «Das ist uns bewusst, aber im Eishockey kann alles geschehen. Wir haben nichts zu verlieren und werden mit viel Herz spielen», verspricht Segafredo.
Am Montag ging für ihn die Olympia-Reise los, zunächst mit einem dreitägigen Camp und einem Testspiel am Mittwoch gegen Deutschland in Bozen, am Donnerstag geht es dann weiter ins olympische Dorf nach Mailand. Der erste grosse Höhepunkt vor dem ersten Spiel am 11. Februar gegen Schweden ist für ihn die Eröffnungsfeier am Freitag im San Siro. «Das wird einmalig», so der perfekt Schweizerdeutsch sprechende Italiener voller Vorfreude.
WG-Kollege muss zuschauen
Als Segafredo als Teenager nach Zürich kam, wohnte er zunächst als zusätzliches Familienmitglied bei Ex-Star Edgar Salis (55), der heute Nachwuchs-Chef bei den ZSC Lions ist. Inzwischen bildet er mit ZSC-Stürmer Vinzenz Rohrer (21) eine WG.
Der Vorarlberger steht innerhalb der Organisation zwar mehr im Fokus als Segafredo, beneidet seinen Kumpel aber derzeit um dessen Olympia-Trip, da sich Österreich nicht qualifiziert hat. «Ich habe ihm Mut gemacht und gesagt, dass auch er eines Tages seine Olympia-Chance bekommen wird, Österreich wird von Jahr zu Jahr besser», erzählt Segafredo. Nächste Woche ist es aber sein Privileg, auf der grössten Bühne aufzutreten.

