Powerranking der Swiss League
Ein überragender Goalie – und ein unbestätigtes Gerücht

48 Tore gab es allein in den fünf Dienstagsspielen. Bei Sierre ist der Meisterblues kein Thema, in Olten grassiert die Arbeitsverweigerung, und im Tessin sorgt der Nachfolger des Nati-Trainers für Furore. Hier kommt das neue Blick-Powerranking der Swiss League.
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Olten-Trainer Christian Wohlwend zeigt sich bei der 2:11-Blamage gegen Visp konsterniert.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

Darum gehts

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Marcel AllemannReporter Eishockey

1. (Vormonat 2.) Sierre

Sechs Spiele, sechs Siege, im Schnitt pro Partie eine Ausbeute von 6,8 Toren und sechs Spieler (Samuel Asselin, Jaden Halbgewachs, Killian Mottet, Sacha Berthoud, Jordann Bougro, Maxime Montandon) in den Top 13 der Skorerliste. Titelverteidiger Sierre lässt seinen Motor bereits wieder auf Hochtouren laufen – Trainer und Mitbesitzer Chris McSorley hat seinen Spielern den Meisterblues heftigst ausgetrieben. Auch die Tatsache, dass die Walliser wegen ihrer Infrastruktur in diesem Jahr erneut nicht aufsteigen können, hindert sie nicht daran, ihre Gegner regelrecht zu überfahren.

In Skorerlaune: Sierres Kanadier Samuel Asselin.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

2. (5.) Basel

Die Basler begannen ihre Saison mit einer Niederlage in Bellinzona nicht eben berauschend. Danach reihten sie aber sechs Siege aneinander und wiesen dabei auch die zu den Favoriten zählenden Visp (1:0 n. V.) und La Chaux-de-Fonds (4:3) in die Schranken, ehe sie am Dienstag von Offensivmonster Sierre (6:9) überrollt wurden. Aktuell ist Basel, das zwei Spiele mehr auf dem Konto hat als viele Konkurrenten, noch immer überraschender Leader. Und ihr Schweizer Stürmer Dario Kummer mit bereits neun Saisontoren der beste Torschütze in der Liga. Läuft doch prima!

Ein Schweizer ist der beste Torschütze der Swiss League: Basels Dario Kummer.
Foto: Martin Meienberger

3. (1.) Visp

Es war kein einfacher Start in die Saison: Nach Ausländer Adam Brodecki verletzte sich mit Verteidigungsminister Oliver Heinen (Ex-HCD) auch noch ein zweiter Schlüsselspieler gravierend. Aber die Walliser haben sich trotzdem gefangen – sie fertigten zuletzt das schwache Olten mit 11:2 ab und beeindrucken damit, dass sie mit Abstand am wenigsten Gegentore zulassen. Im Durchschnitt nur 1,5 pro Spiel – trotz des Fehlens von Heinen. Stürmer Simon Wüst wurde in der Not erfolgreich zum Verteidiger umfunktioniert. Überragend spielt bislang Goalie Juho Markkanen, der Sohn des früheren Zug-Goalies Jussi Markkanen, auf. Mit seiner Abwehrquote von 95,73 Prozent dürfte der mit Schweizer Lizenz spielende 24-jährige Finne auch auf den Radar von National-League-Vereinen geraten.

Visps Juho Markkanen ist der beste Goalie in der Liga.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

4. (10.) Bellinzona

Oft haben wir in den letzten Jahren Bellinzona als das Ajoie der Swiss League bezeichnet. Das trifft auch in diesem Herbst zu – allerdings nicht, weil sie wie üblich als geprügelte Hunde am Tabellenende herumgurken, sondern weil die Tessiner wie die Jurassier positiv überraschen und aktuell ebenfalls in der oberen Tabellenhälfte mitmischen. Deshalb ist es an dieser Stelle höchste Zeit für eine Lobeshymne auf Trainer Nicola Pini, der bei Bellinzona vom Präsidenten über den Sportchef bis zum Headcoach schon alles gemacht hat und von seinen qualitativ nicht zu den besten gehörenden Spielern ebenso stets Vollgas einfordert. Dass der 51-jährige frühere Ambri-, Olten- und Lausanne-Spieler dereinst wie sein Vorgänger Jan Cadieux Nati-Trainer wird, ist dennoch auszuschliessen.

Erfolgreicher Tausendsassa in Bellinzona: Nicola Pini.
Foto: Marusca Rezzonico/freshfocus

5. (7.) Chur

Schon früh in der Saison mussten die Bündner mit einer Serie von vier Pleiten am Stück umgehen. Die unnötige Niederlage gegen Thurgau (2:3 n. P.) war dabei besonders schmerzhaft: Die drei Punkte waren eigentlich schon verbucht, ehe Langnau-Leihgoalie Martin Neckar elf Sekunden vor Schluss einen Totalblackout hatte. Doch Chur ist mit seiner jungen Mannschaft eben auch ein Ort zum Lernen – und das wird unter dem Trainerduo Reto und Jan von Arx seit Jahren unaufgeregt umgesetzt. Der Oktober hat sich dann auch prompt mit einem 5:1-Derbysieg gegen Arosa und einem 5:2-Überraschungserfolg in La Chaux-de-Fonds verheissungsvoll angelassen. Gut zu gefallen wussten dabei zuletzt mit den jungen Niclas Rentsch (18) und Mike Aeschlimann (19) zwei weitere Langnau-Leihgaben.

Nach einem anspruchsvollen Saisonstart haben sich die Churer (hier Goalie Neckar und Verteidiger Guggenheim) gefangen.
Foto: Roger Albrecht/freshfocus

6. (9.) Arosa

Wir haben vor der Saison angekündigt, dass Arosa im zweiten Jahr nach der Rückkehr ins Profigeschäft eine Spur konkurrenzfähiger sein wird, da die Qualität des Kaders gesteigert werden konnte. Und bis jetzt trifft diese Prognose ins Schwarze: Arosa hatte zwar schwierige Momente zu überstehen (2:8-Heimpleite gegen Sierre, 1:5-Derbyniederlage in Chur), sorgte aber mit einem 4:3-Sieg gegen die eigentlich wesentlich talentierteren GCK Lions und einem 5:2-Coup in La Chaux-de-Fonds auch für Ausrufezeichen. Neben den bisherigen Leistungsträgern Jeremy Jabola und Emilijus Krakauskas gibt es nun mit Nicolas Yanick Warmbrodt, Gregory Weber, Tomas Vlcek, Dominik Volejnicek, Darren Boss, Sören Aebi und Maxime Orlov mehr Akteure, die auch mal den Unterschied ausmachen können.

Nicolas Yanick Warmbrodt enteilt beim überraschenden Sieg in La Chaux-de-Fonds seinem Gegenspieler Thibault Frossard.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

7. (4.) Thurgau

Die Unbeschwertheit der letzten Saison ist weg, Thurgau hat einen schwierigen Saisonstart hinter sich. Vor allem das Toreschiessen fällt der Mannschaft von Trainer Anders Olsson schwer: Mit einem Schnitt von gerade mal zwei Treffern pro Spiel ist es unmöglich, auf befriedigende Resultate zu kommen. Immerhin hat Sportchef Patrick Brändli letzte Woche reagiert und von La Chaux-de-Fonds Stürmer Noah Böhler übernommen, der in die Deutschschweiz zurückwollte. Dieser avancierte im zweiten Spiel sogleich zum Matchwinner, ermöglichte mit einem Doppelpack beim 4:2 in Bellinzona den ersten Dreier der Saison.

Letzte Woche trug Noah Böhler noch den Dress von La Chaux-de-Fonds, inzwischen ist er Matchwinner bei Thurgau.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

8. (8.) GCK Lions

Der überraschende Rücktritt mit erst 23 Jahren von Joshua Fahrni zu Beginn dieser Woche, der sich via ZSC-Farmteam wieder für die National League hätte fit machen sollen, war ein Knaller. Die jüngsten Leistungen mit Niederlagen gegen Bellinzona (1:3) und Arosa (3:4) dann eher weniger – die junge Equipe zeigt sich sehr unkonstant, zuvor gab es sogar Punkte gegen Visp (4:3 n. V.) und Sierre (2:3 n. V.). Mit zwei Toren in seinem allerersten Spiel auf Profistufe gegen Chur ist der 15-jährige Lionel Dedial sensationell gestartet. Inzwischen bekommt er nach fünf punktlosen Spielen und einer Minus-8-Bilanz (der schlechtesten in der Liga zusammen mit Oltens Gian Janett und Bellinzonas Eliot Bernazzi) zu spüren, dass die Swiss League auch für ein Ausnahmetalent wie ihn kein Selbstläufer ist. Stark präsentiert sich die Linie mit Endo Meier (2 Tore, 8 Assists), Noah Greuter (3 Tore, 5 Assists) und Jan Spring (4 Tore, 1 Assist). Doch da der ZSC keine Verletzten zu beklagen hat, ist der Lift nach oben derzeit geschlossen.

Lionel Dedial (v.) bekommt zu spüren, dass die Bäume auch für ein Ausnahmetalent wie ihn nicht in den Himmel wachsen.
Foto: Martin Meienberger

9. (3.) La Chaux-de-Fonds

Es nützt herzlich wenig, dass die Neuenburger hinter den Offensivkünstlern von Sierre am zweitmeisten Schüsse in der Liga abgeben, wenn diese den Weg ins Tor nicht finden. La Chaux-de-Fonds ist vor allem wegen der beiden blamablen 2:5-Heimpleiten gegen Arosa und Chur denkbar schlecht in die Saison gestartet. Es ist allerdings ein unbestätigtes Gerücht, dass die Spieler bereits Schweissausbrüche bekommen, wenn sie in der Uhrenmetropole auf der Strasse ein Fahrzeug mit Bündner Kontrollschild sehen. So oder so ist der neue schwedische Headcoach Thomas Rhodin bei seiner ersten Station als Chef bereits heftig gefordert. Solche Auftritte genügen den Ansprüchen der ambitionierten Romands in keiner Weise.

Der neue Trainer Thomas Rhodin hat bis jetzt schlechte Erfahrungen mit Bündner Vereinen gemacht.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

10. (6.) Olten

Die Powermaus haben die Solothurner auf diese Saison hin aus ihrem Logo verbannt, aber ohne die Powermaus scheint die Power aus. Mit 2:11 geht Olten am Dienstag in Visp unter. Es ist ein an Arbeitsverweigerung grenzender Auftritt, der an ein Cupspiel eines zwei Ligen tiefer anzusiedelnden Vereins erinnert und viele Fragen offenlässt. Etwa jene, ob Trainer Christian Wohlwend noch eine Zukunft in Olten hat. Denn eigentlich hatte Präsident Marc Thommen im «Oltner Tagblatt» vor der Saison einen Rang in der oberen Tabellenhälfte ausgerufen. Stattdessen ist man aktuell Letzter und hat in den letzten drei Spielen unfassbare 24 Gegentore kassiert – viel mehr Krise geht nicht. Gut für Wohlwend: Eigentlich hat Olten kein Geld, um den Trainer zu wechseln, zuletzt wurden einmal mehr tiefrote Zahlen (knapp 900'000 Franken Verlust) ausgewiesen. Daran beteiligt ist auch das Aus der Powermaus – in den neuen Markenauftritt wurde investiert, die örtliche Agentur Schmid+Wolf durfte sich beim neuen Dreitannen-Logo austoben. Rettet gerade eine in Pension geschickte Maus Wohlwend den Job?

Olten-Trainer Christian Wohlwend zeigt sich im Rahmen der 2:11-Blamage gegen Visp konsterniert.
Foto: Pascal Muller/freshfocus
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Der SC Bern spielt Ende Oktober gegen den EV Zug.
Claudio De Capitani/freshfocus

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National League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
ZSC Lions
ZSC Lions
8
16
23
2
Genève-Servette HC
Genève-Servette HC
10
3
18
3
SCL Tigers
SCL Tigers
9
5
15
4
HC Ambri-Piotta
HC Ambri-Piotta
9
-5
14
5
HC Ajoie
HC Ajoie
9
1
14
6
HC Fribourg-Gottéron
HC Fribourg-Gottéron
9
5
14
7
HC Davos
HC Davos
9
0
13
8
Lausanne HC
Lausanne HC
10
-7
12
9
HC Lugano
HC Lugano
8
3
11
10
SC Rapperswil-Jona Lakers
SC Rapperswil-Jona Lakers
9
-8
11
11
EV Zug
EV Zug
6
8
10
12
EHC Biel
EHC Biel
8
-1
10
13
SC Bern
SC Bern
7
-2
9
14
EHC Kloten
EHC Kloten
9
-18
6
Playoffs
Qualifikationsspiele
Relegation Play-Offs
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