Darum gehts
- Fribourg-Gottéron holt nach Sieg in Davos ersten Meistertitel überhaupt
- Gottéron-Fan reist 40 Stunden aus Neuseeland zur Meisterfeier an
- Captain Julien Sprunger beendet Karriere nach 24 Jahren mit Titelgewinn
Die drei Besten von Finalspiel 7
- ⭐️⭐️⭐️ Lucas Wallmark (Fribourg)
- ⭐️⭐️ Patrik Nemeth (Fribourg)
- ⭐️ Reto Berra (Fribourg)
40 Stunden Flug gegen den Final-Fluch
Der Basler Auswanderer Fabian Herzog (42), der seit sechs Jahren in Neuseeland lebt, hatte mit seinen Kollegen vor acht Jahren abgemacht, dass sie von Basel nach Freiburg wandern würden, wenn Gottéron erstmals Meister werde. So will der Gottéron-Fan den grossen Tag denn auch nicht verpassen. Kaum hat Jeremi Gerber am Dienstag das sechste Finalspiel in der Overtime entschieden, bucht er spontan die Flüge, packt seine Koffer und macht sich auf die rund 40-stündige Reise in die Heimat. Auf dem Weg nach Davos bleibt er wie viele andere Freiburger im Stau stecken und verpasst den Spielbeginn.
Davon, dass er kaum geschlafen hat, lässt er sich nichts anmerken. Und die Strapazen haben sich gelohnt. Sein Herzensteam holt erstmals den Titel. Mit seiner irren Reise hat auch Herzog dazu beigetragen, dass Fribourg den Final-Fluch beenden kann. Der begeisterte Glücksbringer hat aber nicht genug. Nach dem Spiel gehts weiter nach Freiburg. So ein Ereignis will gefeiert sein.
Sprunger: «Meine Mission ist beendet»
Kann man seine Karriere schöner beenden? Die Frage ist hypothetisch. Wie einst Reto von Arx mit dem HCD (2015) und Mathias Seger mit den ZSC Lions (2018) beendet auch Julien Sprunger (40) seine Laufbahn mit dem Titel. Mit dem nicht ganz unwesentlichen Unterschied, dass es sowohl für den Captain als auch für Gottéron der erste Meistertitel ist. «Es ist unglaublich, ehrlich gesagt, es ist magisch. Ich habe den Eindruck, dass es ein bisschen unwirklich ist. Ich habe es mir so lange wie möglich verboten, daran zu denken. Bis zum Nachmittag ging es gut. Danach kam es immer mehr.» Warum musste er sich den Gedanken an die Vollendung seines Traums verbieten? «Weil ich Angst hatte, dass ich am Ende enttäuscht sein würde. Dass es so nah war und es dann doch nicht klappt.»
24 Jahre hatte er auf die Krönung warten müssen. «Als Kind denkst du beim Schlittschuhlaufen und Spielen an Bykow und Chomutow ... Und jetzt können wir sagen, dass wir es geschafft haben. Endlich. Ich habe das Gefühl, dass meine Mission beendet ist», sagt Sprunger. «Ich kann es jetzt geniessen. Um Mitternacht läuft mein Vertrag aus und ich kann beruhigt gehen.»
Und dann erwacht das Powerplay
Während der ganzen Playoffs kämpfte Fribourg mit riesigen Schwierigkeiten im Powerplay. Doch als es dann um die Wurst geht, funktioniert das Überzahlspiel plötzlich: Im Showdown in Davos trifft erst Henrik Borgström zum 1:0, und dann startet Lucas Wallmark mit seinem Hammer in der Overtime die grosse Freiburger Party.
Anderssons fatale Strafe
Als Lucas Wallmark nach 65:56 die Meisterschaft entscheidet, sitzt sein Landsmann Calle Andersson auf der Strafbank. Man ahnte es schon, dass eine solche Strafe das Spiel entscheiden könnte, als der HCD-Verteidiger den Puck aus der eigenen Zone aus dem Feld schiesst.
Frick bleibt der ewige Zweite
Bitter für HCD-Verteidiger Lukas Frick (31): Er verliert zum dritten Mal in Folge einen Playoff-Final, nachdem er in den letzten beiden Jahren mit Lausanne an den ZSC Lions gescheitert war. 2014 hatte der Ostschweizer bereits mit Kloten gegen die Stadtzürcher verloren.
Ein mieser letzter Arbeitstag für SCB-Lüthi
So hatte sich der abtretende SCB-CEO Marc Lüthi seinen offiziell letzten Arbeitstag bestimmt nicht vorgestellt. Doch nicht jeder bekommt einen Abschied wie Julien Sprunger. Nach dem bitteren letzten Match und dem Play-In-Out der Berner in Rapperswil-Jona holte sich nun auch noch Erzrivale Fribourg den ersten Meistertitel. Immerhin dürfte sich Lüthi gerne noch einmal an den letzten Showdown, der in der Verlängerung entschieden wurde, erinnert haben. Das war 2004 bei seinem ersten Meistertitel. Lüthi hatte sich damals, als Marc Weber das Spiel in Lugano in der Overtime entschieden hatte, längst in den Medienraum verkrochen, weil er nicht mehr hinsehen konnte.


