Was für ein Herzschlag-Finale! Das fünfte Duell zwischen Davos und Fribourg ist ein Knüller, der bei Pulsuhr-Trägern Dauer-Alarm auslösen würde. Irre Wenden sorgen für Hochspannung, Stimmungsschwankungen und Achterbahnfahrten.
Zunächst wird der HCD rasant in die Tiefe gerissen. Da bleibt selbst dem sonst unerschütterlichen HCD-Goalie Sandro Aeschlimann nur noch das Kopfschütteln. Seine Vorderleute werden von den Fribourgern, vornehmlich deren schwedischem Personal, schwindlig gespielt. Nach dem ersten Gegentor eilt noch die Video-Crew zur Hilfe und die Coaches Challenge sowie das knappe Offside von Sörensen rettet die Davoser vor dem Rückstand. Noch.
Nach drei Gegentreffern innerhalb von nicht mal fünf Minuten ist Aeschlimann sichtlich bedient. Vor Sörensens 1:0, an dessen Ursprung ein halbbatziges Forechecking von Captain Stransky steht, kommen Andersson und Corvi sich und ihrem Goalie in die Quere. Wallmarks Powerplay-Treffer zum 2:0 ist zauberhaft herausgespielt. Das 3:0 gehört Youngster Dorthe (20), der vor Anderssons fatalem Ablenker ins eigene Netz den Puck gespielt hat.
Irgendwie geht Davos alles zu schnell
Frage und Verwunderung zu diesem Zeitpunkt sind berechtigt: Was ist bloss mit diesem HCD los, der sich zwei Tage zuvor mit einer heroischen Defensiv-Leistung zum 1:0-Sieg in Fribourg gekämpft hat? Irgendwie geht den Bündnern in ihrer Zone alles zu schnell. Doch auch nachdem Andersson kurz vor der Pause noch das 1:3 gelingt, traut man der Sache noch nicht über den Weg. Zu stark ist der Auftritt von Gottéron.
Es nistet sich bloss ein Gedanke ein: Wenn ein Team in dieser Saison schon mehrfach bewiesen hat, dass es sich nicht abschütteln lässt, ist es der HCD. Vielleicht hat Trainer Josh Holden seine Spieler genau daran erinnert. Sie nehmen Schwung auf und werden auf dieser turbulenten Achterbahnfahrt in die Höhe katapultiert. Frehner staubt am schnellsten ab, nachdem bei Streule und Arola die Zuteilung flöten geht, Jung versenkt zum Ausgleich. Als auch noch Captain Stransky einstempelt mit seinem ersten Treffer in diesem Final nach einem Zauberpässchen des im letzten Spiel zurückgekehrten Centers Corvi, geht ein Stimmungsbeben durchs Stadion.
Diesem wird nur 90 Sekunden später der Stecker gezogen: Ein Wallmark-Schuss flutscht ihm zwischen den Schonern hindurch – erneutes Kopfschütteln von HCD-Goalie Aeschlimann. Zurück zum Start dieser wilden Reise, die den Gewinnern als Belohnung erste Meisterpucks beschert. Der heldenhafte Lieferant dafür ist gesucht. Wer es für Gottéron bestimmt nicht sein wird: Sörensen. Der Schwede verschwindet zwei Minuten vor Ende des dritten Drittels mit schmerzverzerrtem Gesicht in der Kabine.
Zum Chancenverderber wird sein Teamkollege Marchon: Er muss auf die Strafbank, weil er die Scheibe direkt ins Aus spediert. Im Powerplay haut Tambellini mit Schmackes auf den Puck und sorgt mit dem Siegestor für frenetischen Jubel – und den ersten Heimsieg in diesem knackigen Final.
Fans: 6547.
Tore: 12. Sörensen (Marchon, Wallmark) 0:1. 13. Wallmark (Borgström, Sörensen/PP) 0:2. 16. Dorthe 0:3. 20. Andersson (Frick, Corvi) 1:3. 23. Frehner (Frick, Egli) 2:3. 31. Jung (Tambellini) 3:3. 36. Stransky (Corvi) 4:3. 37. Wallmark (Kapla/PP) 4:4. 63. Tambellini (Zadina/PP) 5:4.