Blick über die Bande
Der grösste Schildbürger-Streich der Eishockey-Geschichte

Drei Teams dürfen einen Ausländer mehr einsetzen. Als die «Lex Suter» im letzten Sommer eingeführt wurde, ahnte man Böses. Jetzt ist alles noch absurder gekommen. Tschüss Chancen-Gleichheit!
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Der fünfte Ausländer der ZSC Lions, Joel Quenneville, buchte am Samstag gegen Langnau je zwei Tore und zwei Assists.
Foto: keystone-sda.ch
Stephan Roth

Elf Skorerpunkte buchte das Ausländer-Quintett der ZSC Lions beim Sieg gegen die SCL Tigers am Samstag. Durch die finanziellen Möglichkeiten sind die Spiesse ohnehin schon unterschiedlich lang. Doch die Zürcher dürfen, wie Zug und Biel, auch noch einen Ausländer mehr als die Konkurrenz einsetzen.

Wie es zu dieser Chancen-Ungleichheit kam? Im letzten Sommer beschlossen die NL-Klubs eine Regel, die sich spätestens jetzt als Schildbürgerstreich entpuppt.

Gemeint ist nicht das Transfer-Abkommen, das es den NHL-Klubs gegen eine Entschädigung erlaubt, Spieler aus der Schweiz aus laufenden Verträgen heraus zu verpflichten. Sondern die parallel eingeführte Regel, dass Klubs, die einen Spieler mit laufendem Vertrag an die NHL verlieren, dafür einen zusätzlichen Ausländer verpflichten dürfen. Für maximal zwei Jahre, wenn der Vertrag mindestens so lange dauerte.

Inzwischen ist die Regel als «Lex Suter» bekannt, weil Pius Suter durch seinen Wechsel von den ZSC Lions zu Chicago der erste war.

Die Idee hinter der Regel: Ein Klub, der einen wichtigen Spieler mit Vertrag im Sommer verliert, kann ihn für gewöhnlich nicht adäquat durch einen Schweizer ersetzen. Doch genau dieser Sinn wird spätestens jetzt zur Karikatur. Die Lions konnten Suter nicht nur letzte Saison durch den Zuzug von Sven Andrighetto mit einem Schweizer Top-Spieler ersetzen, sondern ein zweites Mal, als sie nun Denis Malgin holten.

Dazu konnten sie mit John Quenneville einen fünften Ausländer holen. Somit haben die Zürcher, die sich sauber an die Regeln halten, den Abgang von Suter (neu Detroit) gleich dreifach – mit Andrighetto, Malgin und Quenneville – kompensiert. Und dazu letzte Saison eine Entschädigung von 260'000 Franken kassiert.

Neben dem ZSC kommt diese Saison auch der EVZ in den Genuss der «Lex Suter». Die Zuger haben Grégory Hofmann an Columbus verloren. Noch nicht Gebrauch von der Schildbürger-Regel hat Leader Biel gemacht, der den Abgang von Nati-Verteidiger J.J. Moser zu Phoenix zu verkraften hatte. So gesehen ist es vielleicht ein Zufall, dass die drei «Lex Suter»-Teams die Plätze 1, 2 und 3 belegen.

Zum Schluss noch die gute Nachricht: Die absurdeste Regel der Hockey-Geschichte gilt nur noch diese Saison.

National League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
HC Davos
HC Davos
46
61
102
2
HC Fribourg-Gottéron
HC Fribourg-Gottéron
47
42
88
3
HC Lugano
HC Lugano
46
34
81
4
ZSC Lions
ZSC Lions
46
27
80
5
Genève-Servette HC
Genève-Servette HC
46
3
77
6
Lausanne HC
Lausanne HC
46
21
76
7
SC Rapperswil-Jona Lakers
SC Rapperswil-Jona Lakers
46
-14
67
8
EV Zug
EV Zug
46
-16
67
9
SC Bern
SC Bern
46
-4
64
10
SCL Tigers
SCL Tigers
46
4
64
11
EHC Biel
EHC Biel
46
-22
59
12
EHC Kloten
EHC Kloten
46
-23
53
13
HC Ambri-Piotta
HC Ambri-Piotta
46
-44
52
14
HC Ajoie
HC Ajoie
47
-69
39
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