In Spiel 7 droht bizarre Situation
Schiesst Fribourgs Gerber den HCD auch unbezahlt ab?

Vor den Playoffs lag die Zukunft von Jeremi Gerber wohl näher bei Ajoie oder Sierre anstatt bei einem Topteam der National League. Inzwischen hat sich die Ausgangslage für den Overtime-Helden vom Dienstag markant verändert, und er kann aus spannenden Optionen wählen.
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Darum gehts

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Marcel AllemannReporter Eishockey

Ist man als Profi in der National League Ende April noch ohne Vertrag für die nächste Saison, ist dies kein gutes Zeichen. Denn wir befinden uns in einer Zeit, in der die gefragten Spieler stets noch früher und langfristiger gebunden werden. Die im Frühling noch ohne Vertrag dastehenden Spieler müssen dann schauen, wo sie bleiben, können in der Regel nicht mehr gross aussuchen und sind gezwungen, auch bei ihrem Salär Abstriche einzugehen.

Knak rettet in die Overtime, Gerber ins siebte Spiel
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Fribourg – Davos 2:1 n. V.Knak rettet in die Overtime, Gerber ins siebte Spiel

In genau dieser Situation befand sich Fribourg-Stürmer Jeremi Gerber (26). Bis er in diesen Playoffs explodierte und sich mit seinen Leistungen plötzlich in den Vordergrund spielte. Sein Treffer in der Verlängerung zum 2:1-Sieg im sechsten Halbfinalspiel gegen Davos hält nun sogar die Meisterträume von Gottéron am Leben.

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Puck rein, Zunge raus: Jeremi Gerber feiert seinen Siegestreffer während der Verlängerung gegen Davos, auch Verteidiger Michael Kapla ist begeistert.
Foto: keystone-sda.ch

Was für ein Moment für Gerber, der bis vor kurzem noch hinten anstehen musste und dessen Karriere sich alles andere als wunschgemäss entwickelte.

Ausgezogen, um sich zu etablieren

«Die Ausgangslage ist inzwischen eine andere», freut sich Gerbers Agent Georges Müller und sagt weiter: «Jeremi profitiert sicher davon, dass er nun mehr Eiszeit erhält. Aber mit diesem Druck muss man dann in den Playoffs auch erst mal umgehen können.» 

Seinen Stammklub SC Bern hat Gerber 2022 verlassen, um sich anderswo zu etablieren. Zwei Jahre war er bei Lugano, jetzt die zweite Saison bei Fribourg. Und in den knapp vier Jahren hat der Berner nie grosse Stricke zerrissen, vier magere Törchen erzielte Gerber während seiner Schaffenszeit in Lugano und gar nur zwei in seinen ersten 107 Spielen für Gottéron.

Schmids Pech als Gerbers Glück

Das sind Werte, mit denen sich als Spieler mit auslaufendem Vertrag keine Eigenwerbung betreiben lässt, zumal Gerber aufgrund seiner Spielanlage auch nicht gerade ein gefürchteter Abräumer ist. Der Flügelstürmer hatte bei Fribourg die Rolle eines Hinterbänklers. In den letzten fünf Spielen vor den Playoffs erhielt er insgesamt lediglich eine Minute und 40 Sekunden Eiszeit, dreimal schaffte er es nicht mal ins Kader.

Die ganze Arena erhebt sich für Julien Sprunger
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Gänsehaut pur in Fribourg:Die ganze Arena erhebt sich für Julien Sprunger

Doch dann verletzte sich unmittelbar vor den Playoffs Nati-Star Sandro Schmid, dazu fiel mit Attilio Biasca zwischenzeitlich noch ein zweiter wichtiger Schweizer Stürmer aus. Gerber stieg in der Hierarchie auf und packte die Chance. Beim 4:0-Sieg im dritten Viertelfinalspiel gegen die SCRJ Lakers war er mit einem Tor und einem Assist der Matchwinner, und seither läuft es wie geschmiert. Schon vier Tore und drei Assists hat er in den Playoffs beigesteuert. Letztmals so oft getroffen hat Gerber 2021/2022 – damals aber während einer ganzen Saison als Zukunftshoffnung des SCB.

Gespräche nächste Woche

Das alles führt zur bizarren Situation, dass Gerber am Donnerstagabend vielleicht noch auf dem Eis steht und sogar zum Meisterhelden für Fribourg avanciert, aber offiziell gar nicht mehr für die Drachen spielt. Denn die Spielerverträge laufen im Schweizer Eishockey üblicherweise bis Ende April. Sollte Spiel 7 erst nach Mitternacht entschieden werden, ist schon der Mai angebrochen. Gerber dürfte es jedoch egal sein und wohl auch «unbezahlt» nochmals entscheidend einnetzen wie im sechsten Spiel der Serie, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt. 

Agent Müller bestätigt, dass durch die jüngste Leistungsexplosion die Nachfrage nach seinem Klienten markant gestiegen sei, Namen von interessierten Klubs nennt er aber nicht. «Wir werden nächste Woche zusammensitzen und alles anschauen. Jeremi muss nach dem letzten Spiel am Donnerstag kurz den Kopf durchlüften und dann schauen, was er will.» Es besteht die Möglichkeit, zu bleiben: «Wir werden sicherlich auch nochmals mit Gottéron sprechen.»

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Ein spezielles Detail am Rande: Jeremi Gerber hat erst während der kurzen Pause zwischen dem diesjährigen Playoff-Halbfinal und dem Final zu Georges Müllers Agentur Prime Sports gewechselt. Zuvor war Enrico Triulzi, der langjährige Agent von Andres Ambühl, für seine Belange zuständig. Obwohl auch Müller schon lange im Business ist – so gut dürfte sich kaum je ein Spieler bei ihm eingefügt haben.

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