Darum gehts
- Marc Lüthi tritt am 30. April 2026 als SCB-CEO zurück
- Er führte den SCB zu sechs Meistertiteln und feuerte 21 Trainer
- Nach 28 Jahren verkauft Lüthi seine Anteile an der SCB Group AG
Er erzählt diese Geschichte am Montagvormittag mit einem Grinsen im Gesicht. Es war zu Beginn seiner Schaffenszeit beim SC Bern, als eben erst der Konkurs abgewendet werden konnte. «Ich war stolz, dass ich bei der Zusammenstellung der Mannschaft 150'000 Franken sparen konnte – bis ich bemerkte, dass ich bei meinen Berechnungen den Headcoach vergessen hatte.» Glücklicherweise lernte Marc Lüthi (65) schnell, sonst würde an dieser Stelle sein Name nicht in Zusammenhang mit einem der erfolgreichsten Sportfunktionäre der Geschichte des Schweizer Eishockeys stehen.
1998 wurde der damals 37-jährige Marc Lüthi zum Geschäftsführer beim SCB ernannt, parallel dazu war er damals auch noch Nachrichtensprecher auf Tele Bärn. Ein in der heutigen Zeit in dieser Kombination unvorstellbares Relikt aus der Vergangenheit, das untermauert, wie lange er schon dabei ist.
Er brachte einen neuen Wind in die verstaubten Büros, konnte damals «hebeln», wie er es nennt, unter seiner Führung stabilisierte sich der an den finanziellen Abgrund geratene Grossverein wieder und kehrte später auch sportlich wieder auf die Erfolgsspur zurück. «Am stärksten war ich immer dann, wenn die Probleme gross waren. Konsolidieren war jedoch nicht so mein Ding», so Lüthi.
Arm in Arm zur Entlassung
2004 feierte Lüthi seinen ersten von sechs Meistertiteln, für ihn bis heute der Schönste. Als Marc Weber den SCB auswärts bei der Finalissima in Lugano in der 75. Minute zum Triumph schoss, war Lüthi in der Resega im Medienraum, weil er nervlich zu sehr litt und es im Stadioninneren nicht mehr aushielt. Ein Marc Lüthi, der sich im Erfolg sonnen konnte, gehörte jedoch genauso zu seiner Ära, wie ein Marc Lüthi, der mit hochrotem Kopf Klartext sprach oder Trainer aus dem Amt fegte.
Es bleibt für immer legendär, als Lüthi im Oktober 2011 nach einer 1:2-Niederlage gegen die ZSC Lions aufs Eis schritt, seinen Trainer Larry Huras, der ihm zuvor noch den zweiten Meistertitel beschert hatte, in den Arm nahm und feuerte. Der Vorwurf: zu wenig attraktive Spielweise. Insgesamt verbrauchte der SCB während Lüthis Zeit in der Klubleitung 21 Trainer. Am schwierigsten war es für ihn, 2013 seinen dritten Meistercoach Antti Törmänen zu feuern, «weil ich ihn enorm mochte und er ein cooler Typ war». Lüthi ist hart, aber auch herzlich.
Rücktritt vom Rücktritt
Im Lauf der Jahre wurde Lüthi auch zur mächtigen Figur der gesamten Hockey-Bewegung im Land. Oft war zu hören, dass er und Peter Zahner (CEO der ZSC Lions) diktieren würden, wo es langgeht. Wenn sich ein Liga-Verantwortlicher oder Verbandsfunktionär gegen Lüthi stellte, entpuppte sich dies jeweils als ganz schlechte Idee. Bemerkenswert ist auch, wie Lüthi die teilweise nicht immer einfache Kundschaft auf der eigenen Fan-Stehrampe grossmehrheitlich im Griff hatte. Er forderte Dinge von ihr ein, stand aber auch für sie ein, wenn er das Gefühl hatte, das ihr Unrecht widerfährt.
2022, im Anschluss an die für ihn und den SCB mit dem zuvor aufgebauten Gastro-Imperium enorm fordernde Corona-Zeit, trat Lüthi schon einmal als CEO zurück und zog sich als Präsident in den Verwaltungsrat zurück. Damals nicht zuletzt auch aus gesundheitlichen Gründen. Beerbt wurde er von Raeto Raffainer. Es war ein kurzes Intermezzo – ein Jahr später war Raffainer seinen Job wieder los und Lüthi gab das Comeback als CEO.
Altersmilde in den letzten Jahren
In den letzten Jahren war beim schillernden Macher eine gewisse Altersmilde auszumachen. So dreingefahren wie in seiner ersten SCB-Halbzeit ist er nicht mehr, die Interviews wurden eine Spur weniger knackig. Das Sportliche überliess er vermehrt den Sportprofis und gelegentlich wurde auch Geduld zu einer Tugend, die man zuvor bei ihm nicht gekannt hatte.
Mit seinem zweiten Abgang als CEO zieht sich Lüthi von allen Ämtern beim SCB zurück, er wird auch nicht mehr im Verwaltungsrat sein, seine Anteile an der SCB Group AG hat er bereits verkauft. Einen grossen letzten Wunsch hat Marc Lüthi allerdings noch: Dass diese komplizierte Saison doch noch versöhnlich endet, ehe er am 30. April nach 28 Jahren seinen letzten Arbeitstag hat. Am liebsten natürlich mit einem siebten und letzten Titel, «ob dies machbar ist, weiss ich nicht. Aber die Buben können mehr, als sie bis jetzt gezeigt haben».
