Was löst der Bronze-Gewinn sonst noch aus?
Verband plant neue Mädchen-Liga

Bronze gewann sie 2014 als Spielerin, den aktuellen Triumph erlebte Anja Stiefel als Frauenhockey-Managerin des Verbandes. Die 35-Jährige über den möglichen Aufschwung nach dieser Olympia-Medaille und wie gehandelt wird. Zum Beispiel mit der Idee einer Mädchen-Liga.
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Der Bronze-Jubel: Siegestorschützin Alina Müller sichert der Schweizer Nati mit ihrem 2:1 in der Overtime gegen Schweden die Olympia-Medaille...
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Frauen-Hockey-Nati gewinnt 2026 in Mailand Bronze, zwölf Jahre nach Sotschi
  • Girls-Entwicklungs-Fonds und U16-Liga sollen Mädchen-Hockey fördern und stärken
  • Anstieg bei Mädchen-Lizenzen, jetzt soll eine Juniorinnen-Liga her
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Zwischen den Olympia-Bronze-Medaillen der Frauen-Nati von 2014 in Sotschi und 2026 in Mailand liegen zwölf Jahre. Damals noch als Hockey-Wunder betitelt, müsste der aktuelle Triumph als logische Konsequenz der steilen Entwicklung unseres Frauen-Hockeys gesehen werden. Das Edelmetall löst aber noch längst nicht alle fortwährenden Probleme. 2014 ist man fälschlicherweise davon ausgegangen und (zu) tatenlos geblieben. Das zumindest ist heuer anders.

Mit Anja Stiefel ist seit einem Jahr eine Ex-Spielerin beim Verband fürs Frauen-Hockey und dessen Förderung zuständig. Die 35-Jährige ist in Sotschi als Nati-Stürmerin auf dem Eis gestanden und in Mailand in ihrer neuen Funktion beim Bronze-Gewinn dabei gewesen. Die St. Gallerin hat erlebt, dass vor zwölf Jahren das Förderpotenzial nicht vollends ausgeschöpft worden ist. Die Chance soll jetzt gepackt werden und Olympia-Bronze für einen weiteren Aufschwung sorgen. Aber wie?

«Mit Beharrlichkeit», betont Stiefel. Der olympische Vier-Jahres-Rhythmus, was das Interesse am Frauen-Hockey betrifft, müsse durchbrochen werden. «Es soll in den Köpfen verankert und in der Öffentlichkeit sowie in den Medien präsent bleiben.» Die Sichtbarkeit, so bestätigt sie, hat in den letzten Jahren bereits zugenommen, die Lizenz-Zahlen bei Mädchen und Frauen sind angestiegen.

Auch ein Verdienst davon, dass Grossklubs in Frauen-Teams investiert haben. Und dass Swiss Ice Hockey diesen Weg engagiert mitgeht. Ein aktiverer Austausch ist da. Lange haben sich Klubs und Verband die Verantwortung für die Weiterentwicklung gegenseitig zugeschoben. «Es braucht diese Symbiose», so Stiefel, «wir motivieren und aktivieren uns gegenseitig, mehr zu tun für die Förderung. Das Miteinander ist gewachsen.»

«Es zahlt sich aus, darauf zu setzen»

Die Ex-Stürmerin von Thurgau, Lulea (Sd), Lugano und Reinach sieht aktuell einerseits Potenzial bei der Vermarktung. «Olympia-Bronze hat Türen geöffnet im Sponsoring-Bereich. Eine Zusammenarbeit mit Partnern anzustreben, die auf Frauen-Produkte spezialisiert sind, ist eine der Möglichkeiten.» Den Hauptbeitrag für unsere Women’s League leistet derzeit PostFinance.

Andererseits haben Klubs die Chance, ein neues Hockey-Publikum anzusprechen. «In Lulea erlebte ich, wie der Klub den strategischen Entscheid gefällt und ein Frauen-Team gegründet hat, um mehr, neues und anderes Publikum ins Stadion zu locken.» Familien mit Kindern zum Beispiel, die den Abend-Spielen der Männer-Fanionteams aufgrund der späten Anspielzeiten oft fernbleiben. Stiefel ist sich bewusst, dass es im Moment noch als Investition ins Produkt Frauen-Hockey gesehen werden muss. «Manche Klubs erkennen noch nicht das volle Potenzial. Doch es zahlt sich aus, darauf zu setzen.»

Swiss Ice Hockey selbst setzt den Hebel im Nachwuchs-Bereich an, «es ist wichtig, da eine Struktur zu schaffen». Zwar gibt es mit «Hockey goes to School», was Besuche in Kindergärten und Schulen bis zur 2. Klasse beinhaltet, sowie dem Swiss Ice Hockey Day und der School Trophy schon länger Projekte, die Kinder mit Hockey in Berührung bringen. Sie sprechen jedoch nicht spezifisch Mädchen an. Das dürfte sich künftig ändern.

Mehr Spiele in reinen Mädchen-Teams schaffen

Stiefel verrät: «Wir lancieren einen Girls-Entwicklungs-Fonds, der Mädchen den Einstieg ins Hockey erleichtert und Klubs motiviert, Mädchenförderung langfristig zu verankern. Zudem planen wir eine neue Juniorinnen-Liga.» Im besten Fall startet sie bereits nächste Saison. Es soll sich um eine U16-Liga handeln mit maximal zehn Teams, die aus den Regionalverbänden gestellt werden. Klubs und Kantonalverbände seien mit dieser Idee bereits angegangen worden.

Der Hintergrund zu dieser Idee ist, Breite zu schaffen. Derzeit spielen Mädchen auf Junioren-Stufe bei den Buben mit. Nur selten werden sie da mit Verantwortung oder Positionen betraut, die sie zum Beispiel lehrt, Spiele zu entscheiden und mit Druck umzugehen. Oft füllen sie einfach die Aufstellung auf. «Wir möchten deshalb weitere Spielgelegenheiten auf passendem Niveau schaffen für reine Mädchen-Teams», erklärt Stiefel.

Die neue Liga soll keinesfalls ein Konkurrenzprodukt zur Junioren-Liga sein, in der sie sonst spielen. «Sondern für zusätzliche Eiszeit sorgen.» Und fürs Garderoben-Gefühl. Denn: Mädchen in Buben-Teams haben eine eigene Kabine, sehen sich oft auch als Einzel- statt Mannschaftssportlerinnen. «Es geht auch um den zwischenmenschlichen Aspekt.» Noch gibt es aber ein paar offene (Regel-)Fragen. An deren Antworten wird laut Stiefel, die noch viele Visionen fürs Frauen-Hockey hat, mit Hochdruck gearbeitet.

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