Zuletzt brachte er den HC Lugano zur Verzweiflung, beim 4:0-Durchmarsch der ZSC Lions in die Playoff-Halbfinals war Simon Hrubec einmal mehr überragend. In zwei der vier Partien feierte der Tscheche einen Shutout, die Lobeshymnen über ihn fegen schon wieder durch die ganze Hockey-Schweiz. Wie funktioniert dieser Mann, der bereits in drei Topligen (Tschechien, KHL und Schweiz) Meister geworden ist, mit den ZSC Lions neben den Titeln 2024 und 2025 im letzten Jahr auch die Champions League gewonnen hat? Er hat uns, bevor er sich in seine Playoff-Blase zurückgezogen hat, erstaunliche Einblicke gewährt.
Hrubec über Aberglauben in den Playoffs
«Ich habe einen, und zwar, dass ich meinen Aberglauben nie verrate. Aber jetzt habe ich ihn trotzdem preisgegeben (lacht). Ich mache in den Playoffs nichts anderes als während der Regular Season, denn je älter man wird, desto mehr wird man sich bewusst, dass es da nicht um Aberglaube geht, und so habe ich diese Aberglauben-Dinge abgelegt. Ich vertraue auf meine Abläufe vor dem Training und vor dem Spiel, die sich nicht unterscheiden. Und darauf, wie hart ich arbeite. Ich glaube daran, dass sich dies für mich auszahlen wird.»
Sein sich auferlegtes Interview-Verbot in den Playoffs
«Das ist kein Aberglaube, das halte ich so, seit ich im professionellen Eishockey dabei bin. Diesen Ratschlag haben mir jeweils die Trainer gegeben, und zwar in jedem Team, in dem ich spielte. Sie meinten, dass es besser sei, wenn ich mich von Interviews fernhalte, voll und ganz auf mein Spiel konzentriere und auf das, wofür wir hier sind. Wenn es dann vorbei sei, könne ich dann ja zwei Tage lang durchgehend Interviews geben, wenn ich das wolle.»
Seinen Medienkonsum in den Playoffs
«Den gibt es nicht. In den Playoffs schaue ich keine Nachrichten und bin auch nie in den sozialen Medien. Ich bin während dieser Zeit komplett vom Internet abgeschnitten.»
Seinen Playoff-Tunnel an Spieltagen
«Den gibt es bei mir zweifellos. Aber es ist nicht so, dass ich morgens aufwache und anschliessend den ganzen Tag mit niemandem rede. Ich fange erst an, mich in meinen totalen Fokus zu begeben, wenn ich mein Trikot anziehe. Aber das ist kein grosser Unterschied zur Qualifikation, ich bereite mich wie da auf gleiche Weise auf mein Spiel vor – und dann lass uns spielen!»
Das Familienleben in den Playoffs
«Meine Frau weiss, was die Playoff-Zeit bedeutet und kümmert sich gut um mich, wenn ich spät nach Hause komme oder meine Ruhe brauche. Sie ist sich bewusst, dass ich ein Spiel habe und dass ich mich da jeweils nach dem Mittagessen schlafen lege. Dann versucht sie, mit den Kindern nach draussen zu gehen und mich schlafen zu lassen. Meine Frau kennt mich sehr gut, sie weiss, dass eine gute Erholung superwichtig für mich ist. Sie gibt sich grosse Mühe, mir in den Playoffs allen Komfort zu bieten, und das ist der Grund, warum wir zusammen erfolgreich sind – hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau. Auch die beiden Kinder wissen, dass Playoff-Zeit ist, aber es ist nicht so, dass ich deswegen nicht mit ihnen rede oder dass sie nur auf Zehenspitzen um mich herumlaufen müssen. Im Allgemeinen versuche ich das Eishockey vor der Haustür zu lassen, daheim bin ich der Papa. Und ein guter Vater zu sein, ist für mich das Allerwichtigste.»
Die spielfreien Playoff-Tage
«Da schaue ich, dass ich mich gut erholen kann, gehe ein bisschen spazieren. Manchmal, wenn die Kinder im Kindergarten und in der Schule sind, gehe ich mit meiner Frau in die Innenstadt, dann machen wir einen kleinen Spaziergang, gehen ein wenig shoppen. Es geht auch darum, das Eishockey für ein paar Stunden zu vergessen.»
Sein bevorzugtes Playoff-Essen
«Ich mag das Essen, das wir oben bei uns im Stadion bekommen, ich brauche nichts Besonderes. Meine Frau hat damit begonnen, mir an jedem Spieltag eine Art Haferbrei zuzubereiten. Das ist eher ihr Aberglaube als meiner. Sie sagt dann jedes Mal zu mir: ‹Morgen ist Spieltag, also wird der Haferbrei bereit sein.› Und so esse ich dann jeweils am Spieltag morgens diesen leckeren Haferbrei mit Früchten, den sie mir zubereitet hat.»
Der tschechische Goalie Simon Hrubec (34) stammt aus der südböhmischen Kleinstadt Vimperk (auf Deutsch: Winterberg), nahe der Grenze zu Deutschland. Danach wurden Mountfield und Trinec, wo er den Durchbruch schaffte und zum Nationalspieler wurde, zu seinen nächsten Stationen. Seit 2019 spielt Hrubec im Ausland, zunächst in der KHL, nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wechselte er 2022 zu den ZSC Lions. Der Vater von einem Sohn und einer Tochter wurde schon in drei Ligen Meister: 2019 in Tschechien mit Trinec, 2021 mit Omsk in der KHL und 2024 sowie 2025 in der Schweiz mit den ZSC Lions. Für Tschechien hat er 33 Länderspiele bestritten. Hrubec engagiert sich auch für soziale Institutionen. So hat er 2019 das Projekt «Saves Help» gegründet, an dem Goalies beteiligt sind und pro gehaltenen Schuss einen kleinen Betrag in den Spendentopf einzahlen. Damit werden medizinische Hilfsmittel oder Rehabilitationsaufenthalte für Menschen, die es sich nicht leisten können, finanziert.
Der tschechische Goalie Simon Hrubec (34) stammt aus der südböhmischen Kleinstadt Vimperk (auf Deutsch: Winterberg), nahe der Grenze zu Deutschland. Danach wurden Mountfield und Trinec, wo er den Durchbruch schaffte und zum Nationalspieler wurde, zu seinen nächsten Stationen. Seit 2019 spielt Hrubec im Ausland, zunächst in der KHL, nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wechselte er 2022 zu den ZSC Lions. Der Vater von einem Sohn und einer Tochter wurde schon in drei Ligen Meister: 2019 in Tschechien mit Trinec, 2021 mit Omsk in der KHL und 2024 sowie 2025 in der Schweiz mit den ZSC Lions. Für Tschechien hat er 33 Länderspiele bestritten. Hrubec engagiert sich auch für soziale Institutionen. So hat er 2019 das Projekt «Saves Help» gegründet, an dem Goalies beteiligt sind und pro gehaltenen Schuss einen kleinen Betrag in den Spendentopf einzahlen. Damit werden medizinische Hilfsmittel oder Rehabilitationsaufenthalte für Menschen, die es sich nicht leisten können, finanziert.
Alkohol in den Playoffs
«Ich trinke während der Playoffs keinen Alkohol und kann während dieser Zeit sehr gut ohne auskommen. Denn im Zentrum steht für mich die Erholung. Selbst wenn ich vor dem Schlafengehen auch nur ein Bierchen trinken würde, stört dies den Erholungsprozess während der Nacht. Wenn wir unser Ziel erreicht haben, werden wir dann viel Zeit haben, stattdessen ein paar Bierchen mehr zu trinken. Während der gewöhnlichen Saison bin ich in dieser Hinsicht nicht so streng mit mir. Ich bin Tscheche und für uns Tschechen ist Bier wie Wasser (lacht).»
Nervosität in den Playoffs
«Manchmal bin ich sehr nervös, manchmal bin ich absolut ruhig. Ich warte jedes Mal gespannt darauf, wie ich mich vor dem Spiel fühlen werde, weil ich bis jetzt keinen Grund dafür gefunden habe, weshalb ich mich in dieser Hinsicht so unterschiedlich fühle. Manchmal bin ich wirklich nervös – egal, ob es das fünfte Spiel in der regulären Saison ist oder das siebte Spiel in einer Playoff-Serie und manchmal überhaupt nicht. Es ist jedes Mal anders. Ich kann mir das nicht erklären.»
Wegstecken von faulen Eiern
«Im Spiel muss man so schnell wie möglich akzeptieren, dass es passiert ist und dass man es nicht mehr ändern kann. Folglich ist es völlig sinnlos, noch darüber nachzudenken. Ich halte das in meinem Leben allgemein so: Ich kümmere mich um jene Dinge, die ich ändern kann, aber wenn ich nichts mehr ändern kann, dann versuche ich, sie hinter mir zu lassen. Und nicht mehr darüber nachzudenken, was passiert ist und warum es passiert ist. Es ist, wie es ist. Aber jedes Tor, das ich kassiere, ist für mich gleichzeitig auch eine wichtige Lektion, indem ich versuche, es beim nächsten Mal zu vermeiden. Darüber spreche ich nach dem Spiel jeweils auch mit meinem Goalietrainer. Wir schauen an, was schiefgelaufen ist und was ich beim nächsten Mal besser machen sollte. Aber am strengsten bin ich ohnehin mit mir selbst. Ich weiss jeweils sofort, ob es meine Schuld war oder nicht.»
Lange Busfahrten zum Spiel
«Ich lese jeweils Bücher, manchmal spiele ich auch Schach oder höre Musik. Bei sehr langen Fahrten schlafe ich ein wenig. Was ich nie mache, ist Zeit am Handy verbringen. Da bevorzuge ich es, mich in ein Buch zu vertiefen. Mir gefallen Biografien von Sportlern oder anderen erfolgreichen Persönlichkeiten. Manchmal lese ich auch sehr gerne Krimis, von skandinavischen Autoren, die ich sehr gut finde. Letztlich geht es darum, den Kopf auf etwas anderes als Eishockey zu drehen, nicht drei oder vier Stunden im Bus zu sitzen und immer nur darüber nachzudenken, was in den nächsten sechs Stunden passieren wird. Es ist aber ernsthaft schon vorgekommen, dass ich dann auch im Spiel noch an das Buch gedacht habe, das ich gerade am Lesen bin. Mich zum Beispiel gefragt habe, wer der Killer in meinem Krimi sein könnte. Manchmal ist es schon lustig, was für Gedanken einem während des Spiels kommen, da staune ich jeweils selbst. Aber solche Gedanken gibt es natürlich nur bei Unterbrüchen oder wenn das Spielgeschehen weit von mir weg ist, sonst bin ich stets auf den Moment fixiert und das, was vor mir abläuft.»
Schlaf in den Playoffs
«Ich würde gerne jede Nacht etwa acht Stunden schlafen. Und am Matchtag schlafe ich nach dem Mittag nochmals maximal anderthalb Stunden, das ist quasi meine Regel. Aber wenn ich vor dem Wecker aufwache und sich mein Körper erholt anfühlt, dann ist das für mich auch okay.»
Rasieren in den Playoffs
«Ich rasiere mich unmittelbar vor dem Playoff-Start und anschliessend nicht mehr. Als ich noch ein Kind war, habe ich diese Playoff-Tradition wahrgenommen und fand das ziemlich cool. Also habe ich später auch damit angefangen und mache das bis heute. Aber ich glaube nicht daran, dass dies der Schlüssel dazu ist, ob man erfolgreich ist oder nicht. Es geht da mehr um dieses Playoff-Feeling.»
