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Patrick Fischer geht neue Wege:Das macht der Ex-Nati-Coach jetzt

Er tritt an Coaching-Event als Lama auf
Das neue Leben von Ex-Nati-Coach Patrick Fischer

Er will Menschen inspirieren, im Leben neue Wege zu gehen. Das muss auch Patrick Fischer selbst. Ein halbes Jahr nach seiner Entlassung gibt der erfolgreichste Nati-Trainer die Erfahrungen an seinem Coaching-Event weiter. Der Zuger begeistert dabei mit einem verborgenen Talent.
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Der Vorhang der Bühne im Auditorium des Leistungszentrums OYM in Cham ZG ist noch geschlossen. Die Stimmung unter den 150 Teilnehmenden des ersten zehnstündigen und ausverkauften Coaching-Events «Timeout» ist gelöst und gleichzeitig voller Spannung. Was darf, was soll man von Patrick Fischer erwarten, der es geschafft hat, die Hockey-Schweiz an die Weltspitze zu führen, und sich selbst dabei aber nie verloren hat? Der jedoch auch für den grössten Skandal im Schweizer Eishockey gesorgt hat.

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Ex-Nati-Trainer Patrick Fischer hielt im Auditorium des OYM-Leistungszentrums in Cham ZG ein halbes Jahr nach seiner Entlassung den ersten Coaching-Event «Timeout» ab.
Foto: WWW.SIMONS-LENS.ART

Einen Monat vor der Heim-WM und seinem beschlossenen Rücktritt wurde der 51-Jährige nach dem bekannt gewordenen Covid-Bschiss im April entlassen. Mit seinem Team Fischer möchte er nun «Klarheit auf dem Spielfeld des Lebens» schaffen. Fischer ist bekannt für seine gewinnende Art. Für seine Fähigkeit, Spieler für das Team, das gemeinsame Ziel und seine Visionen zu begeistern. Daran lässt er nun andere teilhaben. Blick ist beim ersten «Timeout» dabei gewesen.

Schwere Lebensthemen mit Humor betrachtet

Als sich der Vorhang öffnet und man realisiert, dass Fischer in einem putzigen Lamakostüm auf einem Fellbett liegt, ist man verblüfft – und sofort in seinem Bann. Hinter ihm steht ein Richter. Es ist sein Bruder Marco Fischer (54), der Teil des Teams Fischer ist. Es ist eine komödiantische Einführung in erdrückende Themen des Lebens. Verhaltensmuster vieler Menschen werden mit Humor auf die Schippe genommen, statt mit biederem Ernst thematisiert. Dass man sich lieber im gewohnten Schema weiterbewegt, statt sich mutig Herzensangelegenheiten zu widmen. Der Richter flüstert dem energielosen Lama ein, dass Vertrauen zwar gut sei, aber Kontrolle besser. Dass man verletzlich wird, wenn man sich öffnet. Und dass man sowieso nie gut genug ist, egal, was man leistet, und deshalb einfach seine Dinge erledigen soll im Leben.

Das Lama hängt sich sinnbildlich seine Last um den Hals, das Herz aber muss zu Hause bleiben. Stagnation bedeutet Sicherheit. Im kurzen Theaterakt tritt die Veränderung in Person von Fischers Frau Mädy auf, golden glänzend. Für viele Menschen steht Veränderung für Unsicherheit und Kontrollverlust statt für Entwicklung und Erleichterung. Gängige Meinungen, dass um Hilfe zu bitten, nur etwas für Schwache ist, werden humorvoll verpackt. Die Lacher des Publikums sind Zeichen dafür, dass man mit schweren Themen mit Witz besser umgehen kann und damit offener ist, wirklich darüber nachzudenken. Die beiden Ex-Spieler und Jugendfreunde Fischers, Daniel Giger (52) und Livio Fazio (52), werden beim gemeinsamen Mittagessen erzählen, dass die Fischer-Brüder schon in der Kindheit das Talent zum unterhaltsamen Schauspielern gehabt haben.

Verhaltensmuster sollen durchbrochen werden

Es ist das Intro in einen Tag voller ganzheitlicher Themen. «Ich möchte dazu inspirieren, das Leben zu erleichtern. Die Perspektiven zu wechseln und neue Wege zu gehen», richtet der Zuger seine ersten Worte an die Teilnehmenden, nun ohne Lamakostüm. «Wie wir denken, bestimmt unser Handeln. Wir können die Grenzen im Kopf ausloten.» Energie ist das übergeordnete Thema des Events «Timeout», für den man mit Frühbucherrabatt 590 Franken und sonst 690 Franken bezahlt. «Meine Überzeugung ist: Wenn man tut, was man liebt, erlebt man Zufriedenheit und Glück.»

Fischer spricht über die täglichen Begleiter im Leben, sein «Core-Team», seinen Kern: Instinkt, Intuition, Verstand, Bewusstsein – und Herz. Die Ausführungen legen viel Persönliches frei vom Menschen Patrick Fischer. Immer mal wieder lässt er seine Hockeyerfahrungen einfliessen – ob jene als Spieler oder jene als Trainer. Dass er nach seiner schweren Knieverletzung, bei der ihm Ärzte mit 25 das Karriereende prophezeit hatten, Panik und Existenzangst gespürt hat. «Da lernte ich die Energiewelt kennen, das half mir.» Dass er es hauptsächlich mit seiner Überzeugung davon und seinem Glauben daran in die NHL (23 Spiele für Phoenix) geschafft hat, weil sein Fokus klar gewesen sei. «Glauben kann Berge versetzen.» Deshalb denkt er als Nati-Trainer früh schon gross und legt mutig den Halbfinal als WM-Ziel fest, statt wie in der Vergangenheit nur das Erreichen der K.o.-Runde. «Die Überzeugung ist der Ursprung der Entschlossenheit.» Dass er es vor seiner Entlassung im April mehrfach erreicht hat, ist bekannt.

«Für mich gibt es keine Ausreden, nicht an sich zu arbeiten.» Verhaltensmuster sollen durchbrochen werden. Und die Fähigkeit, worauf man sich in Stress- und Drucksituationen verlassen kann, soll verbessert werden. Für Fischer bedeutet Vertrauen Wachstum, Angst hingegen Ohnmacht und Jammerei. Bei seinen offenen Ausführungen kann man sich in seine Gedankengänge versetzen. Seine Co-Redner sind Alain Steim, Experte für integrative Gesundheit, Benoît Pont, Gründer von Prokeycoach und stark im Leistungs-Profiling, Performance-Coach Stefan Schwitter und Storyteller Marco Fischer. Pont und Schwitter waren und sind noch immer im Trainerstaff der Schweizer Eishockey-Nati.

Einen Sturm mit Ruhe durchstehen

Ihre Auswahl verrät viel über den Trainer Patrick Fischer und sein detailliertes Schaffen mit seinen Mannschaften. Er hat ein Team um sich geformt, dem er als Mensch vertraut und das er bestens kennt. Da lässt er sich auch live seine elektromagnetischen Felder messen, um zu zeigen, wie die persönliche Energie gesteigert werden kann. Oder er lässt sich von Pont bei physischen Tests einspannen. Der 51-jährige Ex-Spieler erzählt, wie Fischer als Nati-Trainer andere Wege gesucht habe und es ihm dabei darum gegangen sei, seine Spieler auch menschlich zu fördern und nicht nur sportlich. «Selbst bei Tiefpunkten strich er immer das Positive heraus und fand den Dreh, der uns besser machte», so Pont.

Der Ex-Nati-Trainer betont: «Wir alle kennen es, auch aus der Natur. Kein Sturm dauert ewig, er geht vorbei. Mit diesem Bewusstsein kommt man gelassener durch diesen Prozess.» Unweigerlich denkt man dabei an Fischers Erfahrung von vor sieben Monaten. Nachdem das SRF enthüllt hatte, dass er mit gefälschtem Impf-Zertifikat 2022 an die Corona-Spiele nach Peking gereist und für Urkundenfälschung verurteilt worden war, reagierte er zunächst panisch. Und mit weiteren Unwahrheiten, obwohl er bereits vor vier Jahren bezüglich seiner Impfbereitschaft gelogen hatte.

Doch er scheint gestärkt aus jenem Entlassungs- und Entrüstungssturm gekommen zu sein. Mit dieser Widerstandsfähigkeit und Ruhe möchte er inspirieren. Es ist ein Tag mit vielen Lachern, einem offenen Austausch auch bei sehr persönlichen Fragen aus dem Publikum, mit viel anerkennendem und zustimmendem Nicken. Man bekommt das Gefühl, in Fischers Garderobe zu sitzen.

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