Darum gehts
- Der 80'000-Franken-Bericht zur Affäre Fischer bleibt geheim
- Weibel und Sulzer: CEO-Baumann sei am 19. März informiert worden
- Baumann sagt, er habe erst am 13. April davon erfahren
80'000 Franken soll der Schweizerische Eishockeyverband SIHF der Anwaltskanzlei Niederer Kraft Frey bezahlt haben, um die Affäre Fischer aufzuarbeiten. Seit Ende August liegt der Untersuchungsbericht dazu vor. Lesen soll ihn niemand: Der Verwaltungsrat hat entschieden, ihn nicht zu veröffentlichen. «Weder vollständig noch teilweise, auch nicht in Auszügen», heisst es aus der SIHF-Zentrale in Glattbrugg, wo auf «Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und arbeitsrechtliche Vorgaben» verwiesen wird.
Informierte Kreise sagen: 80’000 Franken hin oder her – viel stehe im Bericht nicht drin. Ausser Ex-Nati-Trainer Patrick Fischer (51) hat sich laut dem Report im Verband niemand etwas zuschulden kommen lassen.
Wer informierte wann wen?
Doch gemäss Quellen, die den Bericht kennen, aber nicht öffentlich über dessen Inhalt sprechen dürfen, enthält dieser durchaus brisante Aussagen, die nicht gleichzeitig stimmen können. Der damalige Nati-Direktor Lars Weibel (52) und Kommunikationschef Finn Sulzer (34) gaben den Anwälten zu Protokoll, sie hätten früh gewusst, dass SRF-Journalisten von Fischers Verurteilung Kenntnis hatten. Und sie hätten das unverzüglich weitergemeldet.
Am 18. März plauderte Fischer beim Mittagessen mit einer SRF-Crew aus, dass er verurteilt worden und mit gefälschtem Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele nach Peking gereist war. Am 19. März habe Sulzer Weibel informiert, dieser habe am selben Tag Verbands-CEO Martin Baumann (58) ins Bild gesetzt.
Baumann sagte seinerseits den Anwälten, er habe die längste Zeit von nichts gewusst. Erst am 13. April, am Tag, als SRF den Verband offiziell um eine Stellungnahme bat, sei er informiert worden.
Aussage gegen Aussage. Was ist wahr?
Für Baumann kommt der Vorwurf, er habe fast einen Monat lang alles für sich behalten, zu einem schlechten Zeitpunkt. Der CEO ist in den Fokus geraten, weil er von mehreren Seiten für die schlechte Stimmung und hohe Personalfluktuation auf der Geschäftsstelle des Verbandes verantwortlich gemacht wird. Ex-Präsident Urs Kessler (64), der am Tag nach der Heim-WM Anfang Juni frustriert abtrat, wollte ihm kündigen, weil er unter anderem in den Bereichen Finanzen und Personalführung nicht genüge, entscheidungsschwach sei und sich zu oft hinter dem Verwaltungsrat verstecke. Der Verwaltungsrat lehnte die Kündigung ab.
Was wurde am Telefon gesagt?
Unbestritten ist im Fall Fischer: Der damalige Präsident Kessler erfuhr erst am 13. April von Fischers Fehlverhalten. Fast einen Monat lang blieb die Information also irgendwo hängen. Baumann wäre der Mann gewesen, der Kessler hätte informieren müssen – wenn er es denn wusste. Blick weiss: Der Untersuchungsbericht klärt diese Frage nicht. Belegt ist laut dem Report einzig ein kurzes Telefonat zwischen Weibel und Baumann am 19. März. Reicht ein kurzes Gespräch, um den Vorgesetzten über den Fall Fischer zu informieren? Gab es allenfalls noch einen anderen Kommunikationskanal wie E-Mail oder Whatsapp? Oder ein Treffen?
Blick fragt bei Baumann und bei der SIHF um eine Stellungnahme an. Auf konkrete Fragen geht man nicht ein. Die Untersuchung «wurde mit dem Ziel durchgeführt, die Ereignisse und Abläufe nachvollziehbar einzuordnen, Verantwortlichkeiten zu klären und allfällige strukturelle Schwachstellen in Governance, Compliance und interner Kommunikation zu identifizieren. Sie ist weder ein strafrechtliches Verfahren noch eine umfassende forensische Analyse sämtlicher Akten- und Datenbestände. Die Gespräche und Aussagen erfolgten auf freiwilliger Basis», heisst es. «Wir nehmen zur Kenntnis, dass nun angebliche Inhalte aus dieser Administrativ-Untersuchung zirkulieren. Wir kommentieren weder die Authentizität noch einzelne Inhalte solcher Darstellungen.»
Auch Weibel schweigt
Wer die Wahrheit sagt, bleibt offen. Weibel hatte zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits als Sportdirektor beim HC Ambri-Piotta unterschrieben. Einen Verbands-Job zu retten hatte er nach sieben Jahren bei der SIHF also nicht mehr. Seinen guten Ruf zu verlieren aber schon. Die Blick-Recherche will er auf Anfrage nicht kommentieren.
Sulzer war dabei, als Fischer SRF die Story auf dem Silbertablett servierte. Dass er Weibel sehr früh involvierte, ist unstrittig. Auch seine Aussage deutet darauf hin, dass Baumann vor dem 13. April Bescheid gewusst haben soll. Baumann bestreitet dies laut informierten Kreisen indes vehement.
Weibel ist weg, Baumann und Sulzer haben weiterhin ihre Posten bei der SIHF. Wie gross ist die Motivation beim Verband nach der Klärung der Frage nach der Wahrheit unter dem neuen Präsidenten Marc Lüthi? Und wie haltbar ist ein CEO, der entweder brisante Informationen zurückhält oder von seinen eigenen Leuten nicht informiert wird? Der Bericht liegt in Glattbrugg unter Verschluss, mit ihm zwei Versionen, die sich ausschliessen und damit eine Reihe offener Fragen. Für den Moment. Bis die nächsten Details durchsickern.
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