«Haben korrupte und hinterlistige Abläufe»
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Thomas Meier ist erschöpft:«Haben korrupte und hinterlistige Abläufe»

Thomas Meier aus Bachs ZH steckt seit 10 Jahren in irrem Streit mit Behörden und Gerichten
«Ich werde Haus und Ehefrau verlieren, aber dieser Kampf ist nötig»

Der Kampf des Zürchers Thomas Meier startet, als sein Sohn Primarschüler ist. Es eskaliert, sogar der Regierungsrat wird involviert. Mittlerweile ist der Sohn fast volljährig und in der Lehre. Der Familienvater hat fast alles verloren. Doch der Kampf dauert an.
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Thomas Meier (51) aus Bachs ZH kämpft seit 10 Jahren gegen den Kanton Zürich.
Foto: Nicolas Lurati

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Thomas Meier kämpft seit 2016 gegen Zürcher Behörden um Schulgeld
  • Konflikt eskalierte: Ehe zerstört, Schulgelder von 80'000 Franken gefordert
  • Über 500'000 Franken Kosten, sieben Verfahren bis vor Bundesgericht
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Nicolas LuratiReporter News

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der kämpft. Er stellt sein Gerechtigkeitsempfinden über sein Portemonnaie, seine Gesundheit und seine Beziehungen. Der Fall von Thomas Meier (51) aus Bachs ZH ist keine Heldengeschichte.

Er kämpfte um seine Kinder. Er hat den Kontakt zu ihnen verloren.

Er kämpfte mit seiner Ehefrau. Er wird sie verlieren. «Wir stehen in Scheidung. Die Verhandlungen laufen», sagt der Gartenbau-Unternehmer zu Blick. Bei der Scheidung geht es um Geld, Haus, Firma. 

Seinen Kampf führt der Zürcher seit einem Jahrzehnt. Der Kern: der Schulort seiner zwei Kinder und die Frage, ob Meier dafür Schulgeld bezahlen muss. Der Konflikt ist dermassen eskaliert, dass die Gegner von Meier mittlerweile die kantonalen Behörden, Gerichte und sogar der Zürcher Regierungsrat sind.

«Ich mag einfach nicht mehr», sagt Thomas Meier zu Blick.
Foto: Nicolas Lurati

Angefangen hat es trivial – mit einem unangekündigten Deutschdiktat.

Meier blickt zurück aufs Jahr 2016. Sein Sohn besucht die zweite Klasse der Primarschule Bachs. «Es war das erste unangekündigte Diktat seiner Schulkarriere. Die Lehrerin fand, es sei dermassen voller Fehler, dass sie keine Note setzen könne», sagt der Vater. «Sie hat ihn vor der ganzen Klasse blossgestellt und ausgelacht.»

Sohn hatte Angstträume

Der Sohn kommt nach Hause. «Er weinte, schrie – und wollte nie mehr zu dieser Lehrerin in den Unterricht gehen.» Der Schüler kann nicht schlafen. «Jede Nacht kam er wegen Angstträumen zu uns ins Zimmer», berichtet Meier.

Er fordert deshalb pädagogische Unterstützung für seinen Sohn. Und: «Dass beim dritten Krisengespräch mit dem Schulleiter auch die Schulpsychologin dabei ist.» Aber: «Der Schulleiter wollte die Schulpsychologie nicht miteinbeziehen.» Denn: «Die Schule Bachs habe kein Geld dafür. Und er und seine Lehrer seien alles ausgewiesene Fachleute.»

Am Ende wird Meiers Bub in die Primarschule der Nachbargemeinde Stadel ZH versetzt. Dem Sohn geht es an der neuen Schule besser. «Er sang, war begeistert von der Klassenlehrerin», erzählt der Vater.

Einige Monate später wird auch die knapp zwei Jahre ältere Tochter von Meier von der Schule Bachs nach Stadel versetzt. Der Vater erklärt: «Denn auch sie wurde gemobbt.»

«Ganz klar, müssen nicht zahlen»

Konflikt gelöst? Mitnichten. Geld kommt ins Spiel. Der Fall sprengt alle Normen: Kaderleute von Regierungsrätin Silvia Steiners (68) Bildungsdirektion bearbeiten die Sache. Meier erklärt: «Es hiess plötzlich, dass wir am neuen Ort Schulgeld bezahlen müssen.»

Er sagt: «Obligatorische Schulzeit, Notfall-Querversetzung – zudem war die neue Schule keine Privatschule.» Also: «Ganz klar, dass wir nicht zahlen müssen.»

Der Kanton Zürich sieht es anders. In der Verfügung der Bildungsdirektion von August 2017 heisst es: Eine Beschulung der beiden Kinder in Bachs sei an sich möglich und aus «rein schulischen Gründen» zumutbar. Und: «Es kann klar festgehalten werden, dass der Konflikt durch das Verhalten der Eltern geschürt wurde und schliesslich eskaliert ist.» Daher wäre es «rechtsmissbräuchlich» und würde «das zürcherische Volksschulrecht auf den Kopf» stellen, wenn die Eltern einen Konflikt eskalieren lassen, damit die Beschulung am Wohnort unzumutbar wird – und sie so die Versetzung in eine andere Gemeinde erreichen, ohne Schulgeld bezahlen zu müssen. 

Der Beschluss: Verlangt Stadel Schulgeld, müssen es die Meiers bezahlen. Stadel will das Geld. Der totale Streitwert: 80'000 Franken. Abzüglich 14'000 Franken, die die Eltern an Schulgeld bereits bezahlt haben.

Meier stellt aber klar: «Ich fechte die gesamte Summe an.» So oder so: Es ist ein Bruchteil des Betrags, der Thomas Meiers Jahrzehnt-Krieg kostete. Er rechnet vor: «Unser direkter materieller Schaden beträgt weit über 500'000 Franken.» Denn: Meiers mussten für Anwaltskosten, Gerichtsprozesse und Verfahrenskosten tief in die Tasche greifen. 

Homepage und Buch über seinen Kampf

Er sagt: «Der Fall ging bis vor Bundesgericht. Mittlerweile sind es sieben Verfahren.» Der Familienvater führt seinen Kampf nicht im Versteckten: Er erstellt eine Homepage mit Chronologien, Videos, Dokumenten. Und verfasst ein Buch mit dem Titel «Schulskandal Zürich». 

Meiers Fall ging bis vors Bundesgericht in Lausanne – die Kosten gehen durchs Dach.
Foto: keystone-sda.ch

Ein langer, teurer – und erbitterter Kampf. Doch Meier kann nicht loslassen. Er kämpft leidenschaftlich und ausdauernd. Es ist eine selbstzerstörerische Leidenschaft. Der Endlos-Streit belastet Meier jeden Tag, wie er selbst sagt. Er habe Mühe, sich im Alltag zu konzentrieren und nachts gut zu schlafen. «Ich weiss seit zwei Jahren nicht, wie ich Rechnungen bezahlen und Aufgaben nachkommen soll.» 

Nicht nur Meiers Konto ist schwer belastet – sondern auch seine Seele. «Die Geschichte macht mich traurig. Sie beeinträchtigt das Familienleben extrem.» Er führt aus: «Meine Ehe ist am Konflikt zerbrochen.» Sie sei ein Scherbenhaufen. «Ich werde also Haus und Ehefrau verlieren, aber dieser Kampf ist nötig.» 

Auch das Verhältnis zu seinen beiden Kindern ist kaputt. Der Sohn ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr, die Tochter macht die Matur. «Die Scheidungseskalation hat dazu geführt, dass beide Kinder sich von mir abgewendet haben.» Jedoch kann er seine Kinder verstehen. «Ich hätte als Kind das Gleiche getan.» 

Das sagt der Kanton Zürich zu den Vorwürfen

In Meiers Trauer mischt sich Wut: «Ich bin wütend auf die Chefetage der Bildungsdirektion des Kantons Zürich. Sie plagen uns weiter mit Beschlüssen und Verfahren.» 

Meier meint mit seinem Vorwurf Regierungsrätin Silvia Steiner und ihren Generalsekretär. «Sie sind hauptverantwortlich am finanziellen und sozialen Untergang meiner Familie.»

Blick konfrontiert die Bildungsdirektion mit den Vorwürfen von Meier. Es antwortet Martin Peter, Leiter der Rechtsabteilung des Volksschulamtes. «Die Vorwürfe von Herrn Meier aus Bachs beschäftigen die Verwaltung schon seit gut 10 Jahren und haben in der Vergangenheit zu mehreren Entscheiden vor Verwaltungs- und Bundesgericht geführt», heisst es. 

Der Familienvater richtet Vorwürfe direkt an Regierungsrätin Silvia Steiner (im Bild) und ihren Generalsekretär.
Foto: Keystone

Und: «Das Bundesgericht hat klar festgehalten, dass die Kostenauferlegung des Schulgeldes rechtens ist. Aufgrund des letzten Urteils des Verwaltungsgerichts befinden wir uns wieder in einem laufenden Verfahren zur Festlegung der ausstehenden Schulgelder, weshalb wir dazu keine Stellung nehmen können.»

«Ich bin im Recht»

Und Meier seinerseits? Dieser empfindet aktuell neben Trauer und Wut am stärksten eines: Er ist erschöpft. «Ich mag einfach nicht mehr. Meine Leistungsfähigkeit ist so tief wie noch nie – auch als Unternehmer.» Seit einem Jahr werde er von Leuten aus seinem Umfeld zu Mahlzeiten eingeladen. «Meine Eltern, eine Kundin, zwei Bekannte. Mich entlastet dies, denn ich kann aktuell den Alltag finanziell nicht alleine bestreiten.»

Sein letzter möglicher Ausweg: Privatkonkurs. «Ich bin privat im mittleren fünfstelligen Bereich verschuldet», so der Unternehmer. «Wenn ich es tue, dann um meine Firma zu retten.»

Kein möglicher Ausweg: Aufgeben. «Ich bin im Recht», sagt Thomas Meier. «Wenn ich aufgebe, gebe ich zu, dass ich im Unrecht bin. Und der Kanton Zürich hat gewonnen.»

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