Darum gehts
- Vor dem serbischen Konsulat in Zürich warten viele Serbinnen und Serben auf die Stimmabgabe
- Nach Protesten gegen Vucic tritt eine Studentenliste mit 250 Kandidierenden zur Wahl in Serbien an
- Rund 150'000 Menschen besuchten die letzte Kundgebung, Fachleute erwarten ein knappes Rennen
Vor dem serbischen Konsulat in Zürich bildet sich am Sonntagmorgen eine lange Warteschlange. Die in der Schweiz lebenden Serbinnen und Serben sind zahlreich erschienen, um ihre Stimme bei den Parlamentswahlen abzugeben.
Es ist eine Schicksalswahl für das Land auf dem Balkan. Seit über zwei Jahren gibt es regelmässig Massenproteste gegen die Regierung von Aleksandar Vucic (56). Auslöser dafür war der Einsturz eines Vordachs an einem neu renovierten Bahnhof in Novi Sad vor zwei Jahren, bei dem 16 Personen starben. Studierende gaben der Korruption in der Regierung die Schuld und starteten die Protestbewegung.
Studentenliste gegen Vucic
Die Köpfe hinter den Demonstrationen haben nun eine Liste mit 250 Kandidierenden aufgestellt. Auf dieser sogenannten Studentenliste stehen Kandidierende aus unterschiedlichsten Bereichen, berichtet die BBC. Von Akademikern über Sportler bis hin zu Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren. «Wir haben Leute zusammengebracht, die tatsächlich die Besten in ihren jeweiligen Bereichen sind, und wir sind wirklich der Meinung, dass sie kompetent genug sind, um das Land zu regieren», meint eine der verantwortlichen Studentinnen.
Viele der Serbinnen und Serben, die an diesem Sonntagmorgen in Zürich Schlange stehen, setzten ihre Hoffnungen genau auf diese Studentenliste. «Die Menschen geben nicht auf», erzählt eine Blick-Leserin vor Ort. «Die lange Schlange vor dem Konsulat in Zürich ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie wichtig vielen Serbinnen und Serben im Ausland die politische Zukunft ihres Landes ist.»
150'000 Menschen bei letzter Kundgebung
Auch in Serbien selbst gibt es viel Euphorie rund um die Kandidierenden der Protestbewegung. Das zeigen Aufnahmen der abschliessenden Wahlkundgebung der Studentenbewegung vom Donnerstag. Rund 150'000 Menschen schworen sich in Belgrad auf den Sonntag ein.
Vucic ist Ende September als Präsident von Serbien zurückgetreten. Seine SNS-Partei ist aktuell im Parlament aber mit 120 von 250 Sitzen nach wie vor die stärkste Kraft im Land. Statt sein Amt als Präsident weiterzuführen, möchte Vucic als Spitzenkandidat seiner Partei im Falle eines Wahlsieges Ministerpräsident werden.
Die SNS-Partei, die in Serbien seit 14 Jahren an der Macht ist, verfügt trotz der andauernden Proteste noch immer über eine sehr starke Parteistruktur und einen stabilen Wählerstamm, erklärt eine Expertin gegenüber «Euronews». Erste Wahlergebnisse werden frühestens am Sonntagabend erwartet. Trotz der grossen Begeisterung rund um die Studentenliste erwarten Politologen ein knappes Rennen.