Darum gehts
- Die Schulpflege Hinwil plante, das Schulhaus Unterbach zu schliessen
- Der Schulpräsident wurde am 12. April abgewählt
- Nun will die Schulpflege die «neue Ausgangslage» analysieren
Politbeben in der Zürcher Oberländer Gemeinde Hinwil: Schulpräsident Thomas Ludescher (60) erlebte letzten Sonntag ein Debakel an der Wahlurne. Obwohl ausser der SVP sämtliche Ortsparteien den parteilosen Schulpolitiker unterstützten, erhielt er lediglich 1183 Stimmen.
Damit war Ludescher als Präsident der Behörde abgewählt. Und, mehr noch: Nicht einmal als einfaches Mitglied wurde er in das Gremium gewählt, dem er seit 2008 angehört.
Sieg für den SVP-Kandidaten
Stattdessen triumphierte Ludeschers Herausforderer Felix Honegger (57): Der SVP-Kandidat erhielt 1659 Stimmen. Anfang Juli tritt er sein neues Amt als Schulpräsident an.
Umstritten war Ludescher wegen zwei Versuchen, die Steuern zu erhöhen. Sie wurden von der Schulgemeindeversammlung abgeschmettert. Vor allem aber auch wegen des Entscheids der Schulpflege, das seit über 170 Jahren bestehende Schulhaus im Weiler Unterbach zu schliessen. Aktuell besuchen dort 17 Kinder aus den Häusern und Höfen am Bachtel-Südhang den Unterricht. Statt zu Fuss in die Schule zu gehen, sollten sie nach dem Willen der Schulpflege nach den Sommerferien per Bus in weiter entfernt gelegene Schulhäuser gebracht werden.
Bürger zogen alle Register
Die Anwohner zeigten dafür kein Verständnis. Sie zogen auch die hohen Sanierungskosten für das Schulgebäude in Zweifel, wie sie die Schulpflege genannt hatte, und betonten, dass der Weiler mit dem Verlust des Schulhauses seinen Treffpunkt und den einzigen öffentlichen Spielplatz verlieren würde. Zudem kritisierten sie die Schulbehörde wegen ihrer Art der Kommunikation und mangelnder Gesprächsbereitschaft.
Die Einwohnerinnen und Einwohner von Unterbach zogen alle politischen und juristischen Register. Politisch waren sie erfolgreich, wie der Wahlausgang zeigt. Ende März, als SonntagsBlick erstmals über den grossen Streit um das kleine Schulhaus berichtete, hatte Ludescher argumentiert, es gebe in der Bevölkerung «auch viel Verständnis» für die Schliessung. Offenbar eine Fehleinschätzung.
Abfuhr vom Bundesgericht
Juristisch mussten die Unterbacher zuletzt allerdings eine Niederlage einstecken: Wie Anfang Woche bekannt wurde, erteilt das Bundesgericht ihrer Beschwerde keine aufschiebende Wirkung. Rechtlich wäre damit für die Schulpflege der Weg frei, die Schule zum Ende des laufenden Schuljahrs dichtzumachen.
Die IG Schule Unterbach begrüsst den Wahlausgang als «klares Signal der Bevölkerung». In einem Brief an die Schulpflege und den Gemeinderat Hinwil stellt sie die Frage, ob es verantwortbar sei, die Schliessung unter diesen Umständen umzusetzen.
Schulpflege: «Neue Ausgangslage»
Diese Frage stellt man sich nun offenbar auch in der Schulpflege. Noch-Schulpräsident Thomas Ludescher liess SonntagsBlick auf Anfrage wissen, man werde die «neue Ausgangslage» analysieren und «auf Basis der Erkenntnisse über das weitere Vorgehen beraten».
In einer Milizbehörde nähmen solche Prozesse jedoch etwas mehr Zeit in Anspruch, so Ludescher weiter: «Mit einer Stellungnahme ist im Verlauf der nächsten Woche zu rechnen.» Bei den Unterbachern lebt einstweilen die Hoffnung weiter, dass ihr Widerstand nicht zwecklos bleibt.