Darum gehts
- In Winterthur kämpft Mevlüt Koyuncu seit Jahren gegen seinen Vermieter
- Strom abgeschaltet, Werkstatt beschädigt, Heizung funktioniert nicht
- Sechs Anzeigen erstattet, Behörden schweigen; Vertrag gültig bis 2028
Mevlüt Koyuncu (51) lebt seit über 25 Jahren in der Schweiz. Seit elf Jahren betreibt der Mann aus der Türkei in Winterthur-Seen eine Lackiererei.
Seit Jahren aber muss er mit seinem Vermieter kämpfen. Ein «Vermieter aus der Hölle» sei Karim P.* – ebenfalls ein Türke. Blick berichtete schon mehrfach über die Auseinandersetzung, über dubiose Rechnungen und eine kalte Werkstatt. Und über das eine kontroverse Mal, als Koyuncu sogar einen Feuerlöscher in die Hand nahm, um auf einen Eindringling loszugehen.
Vermieter Karim P. will Koyuncu offenbar mit allen Mitteln aus seiner Werkstatt rausekeln. Denn P. will umbauen. Ein schönes neues Gewerbehaus soll es an der Adresse der Lackiererei geben.
Der Kampf dauert schon Jahre
Doch Koyuncu kann und will nicht ausziehen. Er hat einen gültigen Mietvertrag – eine Kündigung aus dem März 2025 wurde von der Schlichtungsbehörde für ungültig erklärt. Die Kündigungssperre gilt bis 2028. Der Lackierer überweist seitdem seine Miete direkt ans Gericht, nicht mehr an den Vermieter. Doch von einem normalen Mietverhältnis kann keine Rede sein.
Die Fassade von Koyuncus Lackiererei sieht aus, als wäre sie von einer dreckigen Hochwasserwelle getroffen worden. Eine «Nettigkeit» des Vermieters sei das, erklärt der Lackierer.
«Jetzt sind gerade alle Lichter ausgegangen», sagt Koyuncu, als Blick zu Besuch ist. Starkstrom hat er gemäss eigenen Aussagen seit Anfang März nicht mehr, jetzt gibt es nicht einmal mehr Licht. In der Werkstatt ist es kalt, die Türe zum Stromkasten und zum WC ist von der anderen Seite verrammelt. Vor der Lackiererei steht ein Toi-Toi-Klo, das sich die beiden Lehrlinge des Betriebs, ein Mann und eine Frau, teilen müssen.
Unzählige Male schon sei Koyuncu von seinem Vermieter nicht nur beleidigt, sondern auch bedroht worden. Auf einem Video, das eine dieser Auseinandersetzungen zeigt, sieht man den Vermieter, dessen Bruder und mutmasslich einen Bauarbeiter.
Die Wortwahl auf Türkisch ist grob: «Ich werde dich dein Leben lang verfolgen» und «Arschloch». Ein Tag später wurde Koyuncu der Strom abgestellt. Karim P. habe weitere Drohungen geäussert. «Zusammenschlagen» wollte er den Lackierermeister, «damit er versteht, dass man mit mir nicht so umgeht». So steht es in einem Erfahrungsbericht der Lehrlinge der Lackiererei.
Aufgeschlitzte Reifen und kaputte Windschutzscheiben
Von der Decke tropft Wasser auf die Autos in Koyuncus Werkstatt, ein Fenster ist bei den Umbauarbeiten geborsten. Die Liste der Mängel, um die sich ein Vermieter zu kümmern hätte, ist lang.
Sogar ein von Koyuncu aufgebotener Elektriker musste unter dem Streit leiden. Dieser sollte nur einen Fehler bei einer Steckdose beheben. In seinem Rapport schreibt er: «Dabei wurde ich von einem Handwerker handgreiflich angegangen.»
Hinzu kommen Sachbeschädigungen. Steine auf den Autos vor der Werkstatt, sogar aufgeschlitzte Reifen an seinem Wagen bei Koyuncus Privatadresse, Sekundenkleber im Türschloss der Werkstatt. Beweisen, dass sein Vermieter dahintersteckt, kann Koyuncu nicht. Aber der Verdacht liege nahe, so der 51-Jährige: «Immer, wenn wir wieder einen Streit hatten, passiert am nächsten Tag so etwas.»
Mittlerweile ist Koyuncus Enttäuschung über die Behörden fast genauso gross wie seine Wut auf den Vermieter. Sechs Anzeigen habe es schon gegeben. Aber: «Es passiert einfach nichts!»
Behörden stumm – Vermieter nicht
Die Stadtpolizei Winterthur äussert sich nicht konkret zu dem Fall. Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich bestätigt lediglich, dass eine Anzeige von Koyuncu vorliegt. Auch das Winterthurer Departement Bau und Mobilität nimmt zum Fall selber keine Stellung.
Karim P. weist auf Anfrage von Blick über seinen Anwalt sämtliche Anschuldigungen zurück. Die Vorwürfe, man habe Koyuncu bedroht, Handwerker angegriffen oder Eigentum beschädigt, seien unwahr und ehrverletzend.
Sämtlichen Pflichten aus dem Mietverhältnis werde uneingeschränkt nachgekommen. Vorwürfe, das Objekt sei mängelbehaftet, habe keinen Strom oder weise defekte Installationen, wie die Heizung, auf, seien unzutreffend. Der Anwalt schreibt: «Es ist darauf hinzuweisen, dass die Liegenschaft, in welcher sich das gegenständliche Mietobjekt befindet, totalsaniert wird. Dass es im Zuge dessen zu kurzen Unterbrüchen bei der Heizung und beim Strom sowie zu diversen Immissionen und Verschmutzungen kommt, ist unvermeidbar.»
Koyuncu könnte derweil nach wie vor alles beenden und einfach ausziehen. Doch er will und kann nicht. Eine Lackiererei im Raum Winterthur zu finden, sei nicht einfach: «Wer eine hat, soll sich bitte bei mir melden.» Er hofft in diesem zermürbenden Streit irgendwann auf Gerechtigkeit «Ich habe Rechte und einen laufenden Mietvertrag.»
* Name geändert