Start der Fragerunde
Jetzt startet der Teil, bei dem alle 250 Anwesenden ihre Fragen stellen dürfen.
Die Petitions-Verantwortliche Nadine Bdil (47) beginnt: «Welche alternative Standorte und Varianten wurden geprüft? Nach welchen Kriterin ist die Lösung Leimbach als geeignet beurteilt worden? Und welche Massnahmen hat die Stadt bereits ergriffen, um weitere Unterkünfte zu bauen?»
Fast 5000 Unterschriften
Anwohnerin Nadine Bdil (47) betritt mit drei weiteren Anwohnerinnen die Bühne. Sie halten ein Transparent mit der roten Aufschrift «Gnueg isch Gnueg».
Als sie die Bühne betreten, ist von aussen her lauter Jubel zu hören. Die Leute, die draussen warten, verfolgen das Geschehen durch die Fenster.
In ihrer zweiminütigen Rede betont Nadine Bdil, dass die Petition insgesamt 4930 Unterschriften zählt. «Wollen sie kooperativ oder konfrontativ weitermachen? Wir sind für ersteres», sagt sie an den Stadtrat gewandt und fordert eine gemeinsame Lösungsfindung.
«Solange wir nicht wahr- und ernstgenommen werden, sammeln wir weiter. Wir sammeln Unterschriften und Geld – um uns auch rechtlich wehren zu können», so Bdil.
Zusammen mit den Unterschriften übergibt sie dem Stadtrat auch drei Briefe: «Diese wurden von drei ehemaligen Bewohnern des Alterheims verfasst, die ihr Zuhause verlassen mussten.»
Das Publikum antwortet mit tobendem Applaus.
Übergabe der Petition
Der offizielle Informations-Teil des heutigen Abends ist zu Ende. Bald startet die Fragerunde. Zuerst übergeben nun aber Vertreterinnen der Petition «Gnueg isch gnueg» die gesammelten Unterschriften an den Stadtrat.
Belegung des Gebäudes
Im ehemaligen Altersheim sollen maximal 200 Geflüchtete unterkommen. Entweder in Familienzimmern, die Platz für bis zu vier Personen bieten, oder als Einzelpersonen in einem Doppelzimmer. Zwei Stockwerke des Gebäudes sind für 13-16 Studierende reserviert.
AOZ-Vertreter will beruhigen
Sollte es zu einer Eskalation kommen, werden wir deeskalieren. Wir haben eine Hausordnung, an die sich alle halten müssen.
Sollte es doch zu einer Intervention kommen, würden die Stadtpolizei oder die Gemeinde- und Stadtpatrouillen VüCH beigezogen. «Solche Fälle sind extrem selten», betont der AOZ-Vertreter.
Jetzt informiert das AOZ
Ein Vertreter der Asyl-Organisation Zürich (AOZ) erklärt, wie die Asylunterkunft organisiert und betreut sein wird. Bei den gefülchteten Personen, die im ehemaligen Altersheim vorübergehend unterkommen sollen, handle es sich um Leute aus der Ukraine, aus Afghanistan, aus der Türkei und aus Syrien.
Unter anderem soll es auch ein Bistro geben, das auch den Anwohnerinnen und Anwohnern von Leimbach zur Verfügung stehen soll.
Stadtrat erklärt Details
SP-Stadtrat Raphael Golta (50) informiert die rund 250 Personen im Saal über die Rahmenbedingungen der Pläne und erklärt, weshalb der Stadtrat den entsprechenden Entscheid gefällt habe. Unter anderem habe auch der Ukraine-Konflikt die Stadt vor grosse Herausforderungen gestellt.
Bevor die Asylunterkunft geöffnet werde im Sommer 2026, werde es einen Tag der offenen Tür geben für die Bevölkerung. «Damit haben wir an anderen Orten gute Erfahrungen gemacht», sagt er.
Polizei ist anwesend
Rund 50 Personen warten draussen
Manche Interessierte haben für die Infoveranstaltung keine Tickets mehr bekommen. Sie müssen draussen bleiben, obwohl es im Saal einzelne leere Stühle gibt.
Gäste ohne Ticket im Saal
Zwei junge Männer haben sich ohne Ticket in den Saal geschlichen und etwas abseits der rund 250 Anwohner und Anwohnerinnen Platz genommen. Nach rund einer Minute wurden sie von der Polizei wieder herausgeschickt. Wie sie in den Saal gekommen sind, ist nicht bekannt.
Die Polizei und der Hauswart haben daraufhin alle Eingäng nochmals kontrolliert und verschlossen.
In Zürich-Leimbach brodelt es: Die Stadt Zürich will ein ehemaliges Altersheim in ein vorübergehendes Zuhause für 250 Geflüchtete verwandeln. Die geplante Asylunterkunft sorgt bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern seit Monaten für rote Köpfe.
Am Donnerstagabend veranstalten das Zürcher Sozialdepartement und der Quartierverein Leimbach eine Informationsveranstaltung über die geplante Zwischennutzung. Dort sollen unter anderem SP-Stadtrat Raphael Golta (50), Fachleute der Asyl-Organisation Zürich (AOZ), der Schule und der Stadtpolizei zu Wort kommen.
Einlass nur mit Ticket
Die Plätze sind beschränkt und ausgebucht. «Die Informationsveranstaltung ist auf grosses Interesse gestossen», schreibt Stefan Rüegger, Leiter Kommunikation des Sozialdepartements, einer Anwohnerin, als er ihr das QR-Code-Eintrittsticket zustellt. Er betont, dass eine Teilnahme ohne Anmeldung nicht möglich sei.
Das sorgt bei Anwohnenden für Frust. «Es leben über 6000 Menschen in Leimbach. Aber nur 250 Personen dürfen informiert werden und Fragen stellen?», sagt Sharona M.* (36).
Das Sozialdepartement betont, dass alle interessierten Personen die Informationen nachträglich schriftlich erhalten. Für Sharona M. ist das nicht genug: «Die Stadt ist nicht bemüht, eine grössere Location zu finden oder eine Liveübertragung zu organisieren.»
Unsicherheit steigt im Quartier
Die steigenden Asylzahlen in Leimbach sind den Anwohnenden ein Dorn im Auge. Aktuell sind im Stadtquartier rund 280 Asylplätze vorhanden. Mit den zusätzlichen 250 Personen, die im geplanten Asylheim unterkommen sollen, würde sich dieser Anteil fast verdoppeln.
Das erhitzt die Gemüter im Quartier am Fuss des Uetlibergs. Viele Anwohnende fürchten um ihre Kinder, um die Schulen und um ihre Sicherheit. «Die künftige Asylunterkunft liegt mitten in Leimbach. Alle müssen dort vorbei – auch die Kinder, die zur Schule gehen», sagt Sharona M.
«Mir als Mutter und Frau mittleren Alters bereitet das ein bisschen Sorge, dass 300 junge Migranten-Männer nach Leimbach kommen würden», sagte Anja Graf (39) vom Quartierverein Leimbach im November zu Blick. «Wenn ich mit den Leuten rede, zeigt sich, dass das Sicherheitsgefühl am Abend nicht mehr gleich vorhanden ist wie noch vor ein paar Jahren – und es wird sicher nicht besser.»
Trotz allen Unmutes betonte sie: «Wir sind nicht ausländerfeindlich. Sondern einfach nicht dumm und nicht naiv. Denn wir wissen, was da auf uns zukommen würde.»
Kritik am Senioren-Rausschmiss
Für viel Kritik sorgte auch der Senioren-Rausschmiss. Das Altersheim musste im August 2025 dichtmachen, weil der Betonklotz umgebaut werden soll. Das Gebäude entspreche mit seinen Etagenduschen nicht mehr den Anforderungen an ein zeitgemässes Gesundheitszentrum, schrieb die Stadt Zürich Mitte Dezember. Nach dem Umbau sollen Wohnungen für Familien und Senioren entstehen. Kommunizierter Baustart ist aber erst 2030.
Dass das Heim bereits fünf Jahre vor dem geplanten Baustart geschlossen wurde, stösst auf Unverständnis in der Bevölkerung. «Die älteren Menschen mussten raus, wurden entwurzelt», so Anja Graf.
Elisabeth Eicher (92) war eine der betroffenen Altersheimbewohnerinnen. Sie berichtet von Panik, die sich unter den Seniorinnen und Senioren ausgebreitet hatte, als sie diese Schock-Nachricht erhielten. Einige hätten sofort damit angefangen, ein neues Zuhause zu suchen. Auch sie sei auf Anraten ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter früher ausgezogen, als sie eigentlich vorhatte.
«Die Bewohner waren schockiert und hatten Angst vor der Ungewissheit. Jene, die sich nicht wehren konnten, wurden einfach umplatziert», sagte die Ex-Altersheim-Angestellte Trix Romer (66) im November zu Blick, die selbst seit 40 Jahren in Leimbach wohnt. «Die alten Leute, die die Schweiz erschaffen haben, wie sie heute ist, haben es nicht verdient, dass man so mit ihnen umgeht», sagte die Rentnerin.
Petition und gefälschter Flyer
Um sich gegen die Pläne der Stadt zu wehren, hat der Quartierverein die Petition «Gnueg isch gnueg» lanciert, die mittlerweile fast 5000 Menschen unterschrieben haben. Diese wollen die Verantwortlichen am Informationsanlass der Stadt übergeben.
Dort hoffen die Leimbacherinnen und Leimbacher am Donnerstag auf klare Kommunikation und detaillierte Informationen der Stadt. Frust dürfte allerdings bereits jetzt vorprogrammiert sein. Sharona M.: «Es wissen noch nicht alle, dass man nur mit einem Ticket an der Informationsveranstaltung teilnehmen kann. Viele kommen wohl umsonst.»
* Name der Redaktion bekannt