Fertig geliefert! Jetzt spricht ein Just-Eat-Kurier Klartext
«Wir akzeptieren nicht, dass Arbeitsplätze verschwinden»

Der Streit bei Just Eat eskaliert: Dutzende Kuriere legten am Sonntag in Zürich ihre Arbeit nieder. Sie wehren sich gegen den drohenden Jobverlust und die neuen Anstellungsbedingungen. Jan F.* erklärt, warum er genug hat.
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Jan F. streikt, weil rund 500 Kuriere ihre Stellen verlieren sollen.
Foto: zVg / Schweizerischer Arbeitgeberverband

Darum gehts

  • Am Sonntag verweigerte rund die Hälfte der Just-Eat-Kuriere in Zürich und im Glattal ihre Lieferungen
  • Die Streikenden fordern Verhandlungen mit Just Eat, laut Syndicom blieb der Kontakt bisher aus
  • Just Eat beschäftigt Fahrer ab kommendem Jahr in neuem Modell und bezahlt sie pro Auftrag
Sven Schumann
Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Der grösste Lieferdienst der Schweiz kommt weiter nicht zur Ruhe. Nach den Protesten der letzten Wochen setzten die Kuriere am Sonntag noch eins drauf. Ab 11 Uhr weigerte sich rund die Hälfte der eingeteilten Fahrerinnen und Fahrer der Standorte Zürich und Glattal, die ihnen in der App zugewiesenen Lieferungen auszuführen. Stattdessen versammelten sie sich in Zürich vor der McDonald’s-Filiale am Stauffacher, um lautstark gegen den geplanten Wechsel auf das Plattformmodell zu protestieren. Der amerikanische Fast-Food-Konzern ist einer der grössten Partner von Just Eat.

Mit dabei ist Jan F.* Seit drei Jahren fährt er für den Lieferdienst im Glattal Essen zu den Kunden. Dass rund 500 seiner Kollegen ihre Arbeit verlieren sollen, möchte er nicht auf sich sitzen lassen. «Wir akzeptieren nicht, dass direkte Arbeitsplätze verschwinden und wir die Folgen dieser Entscheidung allein tragen sollen», sagt er zu Blick.

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Von seinem Arbeitgeber fordert er, dass dieser jetzt mit den Kurieren und der Gewerkschaft Syndicom in Verhandlungen tritt. «Unsere Forderungen liegen auf dem Tisch, und unsere Hand bleibt ausgestreckt», so F. Noch bis 22 Uhr setzen die involvierten Fahrer ihren Streik fort. Da nicht alle Fahrer an der Aktion teilnehmen, ist es weiterhin möglich, beim Lieferdienst Essen zu bestellen. Es dürfte aber vielerorts zu längeren Wartezeiten kommen.

Keine Reaktion von Just Eat

«Zu unserem Bedauern hat sich bisher niemand von Just Eat bei uns gemeldet», sagte ein Sprecher von Syndicom zu Blick. Der Lieferdienst war am Sonntag auch für die Medien nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Eine entsprechende Anfrage von Blick blieb bis am Sonntagabend unbeantwortet.

Im Oktober hatte Just Eat bekannt gegeben, sein Geschäftsmodell umzukrempeln. Statt wie zuvor auf festangestellte Fahrer zu setzen, steigt der Lieferdienst ab kommendem Jahr auf das umstrittene Plattformmodell um. Neu würden die Fahrer somit als Selbständige betrachtet und pro Auftrag bezahlt werden. Das bringt die Kuriere auf die Palme. Sie beklagen, dass sie fortan die unternehmerischen Risiken tragen würden, und fürchten um ihre soziale Absicherung. Es handle sich dabei um eine «Scheinselbständigkeit».

Just Eat begründet den Schritt mit dem veränderten Bestellverhalten der Kunden und dem grossen Wettbewerbsdruck in der Branche. Das neue Modell erlaube mehr Flexibilität bei der Einsatzplanung. Damit zieht Just Eat gegenüber dem Hauptkonkurrenten nach. Uber Eats setzt bereits seit Jahren auf das umstrittene Modell.

* Name geändert

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