Weitere Schlappe für Standort
Zürich ist nicht mehr der stärkste Wirtschaftsmotor der Schweiz

Neue Zahlen des Bundes lassen aufhorchen: Gemäss einer neuen Berechnung hat die Genferseeregion Zürich wirtschaftlich überholt. Auch beim Wachstum und der Wirtschaftsleistung pro Kopf muss die Limmatstadt zurückstecken. Der Kanton nimmt die Korrektur gelassen.
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Der Paradeplatz in der Stadt Zürich: (Einst) Aushängeschild der Schweizer Wirtschaft.
Foto: Nathalie Taiana

Darum gehts

  • Genferseeregion überholt Zürich als stärksten Wirtschaftsraum der Schweiz
  • Zürich wächst deutlich langsamer als die Waadt und liegt beim kantonalen Pro-Kopf-BIP nur auf Platz sechs
  • Nach Wegzügen von Vontobel und Cembra wächst die Sorge um den Standort
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Der Wirtschaftsstandort Zürich musste jüngst einiges einstecken: Erst kündigten mit Vontobel und Cembra innert eines Monats gleich zwei Banken ihren Wegzug aus der Limmatstadt an. Vontobel verlegt seinen Hauptsitz nach Baar ZG, Cembra zieht nach Baden AG. Dem Zürcher Finanzplatz gehen damit total 2160 Arbeitsplätze flöten. Ein Immobilienexperte ist sich sicher: «Es wird weitere Abgänge geben.» Die Zürcher FDP schlägt bereits Alarm – und stellt kritische Fragen an den Regierungsrat. Für den dienstältesten Hotelier der Stadt ist Zürich wegen ausbleibender Geschäftsreisender nur noch eine «B-Destination».

Jetzt folgt der nächste Dämpfer: Zürich ist nicht mehr die wirtschaftsstärkste Grossregion der Schweiz. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS), über die die «NZZ» zuerst berichtet hat. Der erste Platz geht nun in die Romandie: Die Genferseeregion mit den Kantonen Genf, Waadt und dem Wallis erwirtschaftete im Jahr 2024 rund 190 Milliarden Franken. Zürich kommt dagegen nur auf 167 Milliarden Franken – rund 12 Prozent weniger als die Westschweizer Konkurrenz.

Zürich wächst deutlich langsamer

Bemerkenswert: Selbst ohne das Wallis haben Genf und die Waadt die Nase vorn. Die beiden Kantone kommen auf ein kumuliertes BIP von gut 168 Milliarden Franken. Und das mit weniger Einwohnern: Während in Genf und der Waadt zusammen rund 1,4 Millionen Menschen leben, zählt Zürich gut 1,6 Millionen Menschen.

Auch beim Wirtschaftswachstum kann Zürich in der neuen Berechnung nicht überall mithalten: Der Kanton Waadt verzeichnete 2024 ein Plus von 4,1 Prozent. Die Zürcher Wirtschaft hingegen wuchs um lediglich 0,8 Prozent.

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Ein Blick auf die Wirtschaftsleistung pro Kopf zeigt: Der Kanton Zürich liegt lediglich auf Platz sechs. Neuerdings schneidet auch der Kanton Neuenburg mit einem BIP von 142'993 Franken pro Einwohner besser ab. Und auch der Kanton Schaffhausen zieht mit 151'492 Franken an Zürich vorbei. Immerhin bleibt Zürich mit einem BIP von 167 Milliarden Franken der mit Abstand wirtschaftsstärkste Einzelkanton der Schweiz.

Kanton nimmt Korrektur gelassen

Die neue Rangliste ist das Ergebnis einer verbesserten Berechnungsmethode des BfS. Bisher wurde die Schweizer Wirtschaftsleistung vor allem anhand der Beschäftigtenzahlen auf die einzelnen Kantone verteilt. Nun geht das BfS umgekehrt vor – und setzt bei den Unternehmen an: Es erfasst, wo Firmen tatsächlich tätig sind, und berechnet aus deren Geschäftszahlen die Wertschöpfung in jedem Kanton. Damit werde die wirtschaftliche Bedeutung der einzelnen Regionen genauer erfasst, so das BfS.

Was sagt Zürich zur neuen Bewertung? Blick hat bei der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons nachgefragt. «Als mit Abstand grösster Wirtschaftskanton befindet sich Zürich bereits auf einem sehr hohen Niveau. Auf tieferem Niveau lassen sich höhere Wachstumsraten einfacher erreichen», relativiert dieses die Ergebnisse. Mit einem BIP von fast 170 Milliarden Franken sei der Kanton nach wie vor für 20 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung verantwortlich. «Es gibt keinen anderen Kanton, der auch nur in die Nähe dieses Wertes kommt», so der Sprecher.

Den Wegzug gewichtiger Player wie Cembra oder Vontobel «bedauert die Volkswirtschaftsdirektion und nimmt diese Zeichen ernst», sagt der Sprecher weiter. Und: «Der Regierungsrat setzt auf wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, um den Standort Kanton Zürich noch attraktiver zu machen.»

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