Kassier zwackt Fussballverein ESC Erstfeld 173’000 Franken ab
«Er hat das Geld für Onlyfans und Pornoseiten hinterzogen»

Eigentlich sollte er das Vereinsgeld überwachen, stattdessen veruntreute er es: Der Kassier des ESC Erstfelds hat den eigenen Fussballklub bestohlen. Erste Konsequenzen folgten schon, wie der Vereinspräsident gegenüber Blick erklärt.
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Xavier B.* (32) hat den Fussballverein ESC Erstfeld um 173’296 Franken erleichtert.
Foto: zVg

Darum gehts

  • Kassier des ESC Erstfeld unterschlug 150 000 Franken im Kanton Uri
  • Geld wurde angeblich für Onlyfans und Pornoseiten verwendet
  • Vereinsvorstand berief am 26. Januar 2026 eine Generalversammlung ein
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Der Kassier eines Vereins verwaltet Mitgliederbeiträge, Spenden und Fördergelder. Er spielt eine zentrale Rolle, die grosse Verantwortung mit sich bringt. Der Kassier des ESC Erstfeld im Kanton Uri hat das in ihn gesteckte Vertrauen jedoch missbraucht.

Gemäss Blick-Informationen hat der Kassier den Fussballverein um eine sechsstellige Summe gebracht. Ein Informant erklärt gegenüber Blick: «Er hat das Geld für Onlyfans und Pornoseiten hinterzogen.» Am Montag berief der Vereinsvorstand deshalb eine ausserordentliche Generalversammlung ein.

Knapp zwei Jahre am Werk

Als Blick den Vereinspräsidenten Fabian Gerig am Montag mit den Informationen konfrontiert, wird rasch reagiert: Der ESC Erstfeld versetzt die eigene Webseite in den Wartungsmodus und säubert Social-Media-Beiträge, auf denen der Kassier abgebildet ist. Gleichzeitig schreibt Gerig, dass die Blick-Anfrage zunächst nicht beantwortet werden kann. Er erklärt, dass der Vorstand des ESC Erstfeld vorab seine Mitglieder informieren möchte.

Am Dienstag dann die Bestätigung per Pressemitteilung: Der Kassier zwackte von Januar 2024 bis November 2025 insgesamt 173’296.70 Franken für persönliche Zwecke ab. Die Konsequenz: Der Kassier wurde sofort von sämtlichen Aufgaben entbunden.

Selbst Trainer und Spieler

Blick-Recherchen zeigen: Beim Kassier handelt es sich um Xavier B.* (32). Zum ESC Erstfeld kam er als Trainer. Aktivspieler wurde er erst später. In einem Beitrag des Vereins von vor rund drei Jahren heisst es, B. zeichne sich durch ein «sehr vorbildliches Verhalten, vollen Einsatz und grosse Zuverlässigkeit» aus. Gemäss seinem Linkedin-Profil war er rund zehn Jahre im Bank- und Versicherungsbereich tätig. Dieses Wissen half ihm wohl auch in der Rolle als Kassier weiter.

Ob der Kassier das Geld tatsächlich für Onlyfans und Pornoseiten oder anderweitig ausgegeben hat, bleibt unklar. Fakt ist: Auf Onlyfans müssen Nutzer – je nach ihren Wünschen – tief in die Tasche greifen. So etwa für exklusive Direktnachrichten und personalisierte Wunschvideos – oder wenn sie ihrem «Lieblings-Content-Creator» schlicht Trinkgelder schenken.

Kassier ist geständig

Laut dem Vorstand zeigte sich B. in Gesprächen «kooperativ» und geständig. Ausserdem heisst es: «Er unterzeichnete eine Rückzahlungsvereinbarung. Darin verpflichtet er sich, den zweckentfremdeten Betrag vollständig zurückzubezahlen und den Verein dadurch langfristig schadlos zu halten.»

An der ausserordentlichen Generalversammlung von Montag sei die ausgearbeitete Rückzahlungsvereinbarung von den 87 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern einstimmig gutgeheissen worden.

Vorgehen nicht erkennbar

Die Unstimmigkeiten in den Finanzen fielen dem Vorstand erst Mitte November 2025 auf, heisst es weiter. Es sei «zufällig festgestellt worden, dass in der Vergangenheit auf den Vereinskonto Transaktionen ausgeführt worden waren, die nicht dem Vereinsbetrieb zugeordnet werden konnten».

Der Vorstand hält fest: Gemäss Abklärungen war «das Vorgehen des Kassiers weder für den Vorstand noch die Revisoren» erkennbar. Der Vorstand sei bei der Überprüfung durch Dritte unterstützt worden.

Weiter heisst es, dass der Vorstand noch am gleichen Tag «verschiedene Sicherungsmassnahmen traf, um das Vereinsvermögen zu schützen».

Massnahmen für die Zukunft

Ausserdem habe der Vorstand an der Generalversammlung darüber informiert, welche Massnahmen bereits umgesetzt wurden, um das Risiko in Zukunft zu minimieren. Hier hält der Vorstand weiter fest: «Die Versammlungsmitte brachte dabei klar zum Ausdruck, dass sie geschlossen hinter dem Vorstand stehe und die anstehenden Herausforderungen gemeinsam angehen wolle.»

Laut dem Vorstand sind die laufenden Ausgaben des Vereins trotz des Diebstahls gedeckt. «Der Vereinsbetrieb ist weiterhin gewährleistet und nicht gefährdet.»

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werde sich der Vorstand des ESC Erstfeld nicht weiter zum Sachverhalt äussern. Ob der Vorstand von einer Anzeige abgesehen hat, lässt Gerig offen. 

Bis Dienstagvormittag hatten weder die Kantonspolizei Uri noch die Staatsanwaltschaft Uri über den Vorfall Bescheid gewusst, wie sie auf Blick-Anfrage erklärten. Am Dienstagabend meldete dann die Urner Polizei, dass Aufgrund der Berichterstattung «derzeit Abklärungen von Amtes wegen vorgenommen» werden.

Blick hat auch den Kassier B. über verschiedene Kanäle kontaktiert. Er hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäussert.

* Name geändert 

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