Freundin Selena K. (†29) mit 60 Messerstichen getötet
Julian P. (36) wegen Mordes schuldig gesprochen – 20 Jahre Knast

Sie stritten sich im Sommer 2021, so viel ist sicher. Jetzt gilt auch in erster Instanz als erwiesen, dass der Beschuldigte Julian P. seine Partnerin Selena K. im Blutrausch brutal getötet hat. Es war Mord.
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Julian P. wurde wegen Mordes zu 20 Jahren Knast verurteilt.
Foto: zVg
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Beat MichelReporter

Kriegt er jetzt lebenslänglich – oder wird er freigesprochen und erhält sogar eine hohe Entschädigung für die lange Untersuchungshaft? Im Fall der brutalen Tötung der dreifachen Mutter Selena K.* (†29) in Emmenbrücke LU kämpften Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit harten Bandagen. «Er hat sich nur verteidigt», sagte der Anwalt des Täters und forderte eine sofortige Freilassung seines Mandanten. «Er ist ein eiskalter Mörder. Er stach 60 Mal zu und liess nicht von ihr ab, bis sie nicht mehr lebte», sagte die Anklage und wollte eine lebenslange Haftstrafe. Das Richtergremium des Kriminalgerichts urteilte am Donnerstagnachmittag bis auf eine kleine Ausnahme im Sinne der Anklage. Julian P.* (36) ist schuldig des Mordes – und muss 20 Jahre in den Knast.

Während der Verkündung des Urteils lässt der Beschuldigte keine Zweifel, was er von den Richtern hält. «Die haben doch keine Ahnung! Das kann doch nicht wahr sein», sagt er mehrmals laut. Die Richterin unterrichtet ihn mit ruhiger Stimme, dass jetzt nicht die Zeit sei, zu diskutieren. Sie stellt klar: «Wenn sie nicht zuhören können, müssen sie den Saal verlassen.» Er hält sich etwas zurück, prustet und stöhnt aber immer wieder laut und schüttelt den Kopf, zieht die Augenbrauen hoch und haut sich mit der flachen Hand auf die rasierte Glatze. Die Richterin verzeiht so manche Provokation und lässt ihn im Saal.

Eingaben der Verteidigung abgelehnt

Alle Vorfragen der Verteidigung zerpflückte das Gericht im Vorfeld der Urteilsverkündung. Die Richterin hält fest, dass die Untersuchung sehr aufwendig geführt worden sei. Auch die Kritik am Gutachten des forensischen Psychiaters Frank Urbaniok lässt sie nicht gelten. Das Bundesgericht habe am Verfahren des langjährigen Experten nie Kritik geübt. Auch alle anderen Eingaben der Verteidigung werden abgelehnt.

So nimmt das Gericht Julian P. zum Beispiel nicht ab, dass er während der Ermittlungen an strategisch wichtigen Kapiteln plötzlich Erinnerungslücken geltend macht. Gleich nach der Tat hatte er relativ umfassend Auskunft gegeben. «Er machte Aussagen, die mit dem Spurenbild übereinstimmen», erklärt die Richterin. Nach der anwaltlichen Beratung legte sich ein «Hirn-Nebel» über die Erinnerungen, ausgelöst durch seine damalige Long-Covid-Erkrankung. Die Verteidigung wollte darum die am Anfang gemachten Aussagen nicht zulassen. Doch die Richterin erklärte die Aussagen als verwertbar.

20 Jahre Haft

Das Richtergremium verurteilt ihn schliesslich wegen Mordes zu 20 Jahren Haft. Als Bestrafung wäre eine lebenslange Haft angebracht, aber wegen seiner leicht verminderten Schuldfähigkeit gibt es eine Reduktion auf eine befristete Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Die Voraussetzungen für die Sicherheitshaft seien weiterhin gegeben, er kassiert eine Verlängerung um weitere sechs Monate. Den drei Kindern des Opfers muss er 10'857 Franken Schadenersatz und je 70'000 Franken Genugtuung bezahlen.

Nach der Verkündung des Urteils wird der Verurteilte noch einmal laut. Er sagt entrüstet: «Ich weiss, dass ich unschuldig bin. Können Sie jetzt mit gutem Gewissen sagen, dass die ein Leben zerstören dürfen?» Von Einsicht oder Bedauern für seine Tat ist auch am Ende des Prozesses nichts zu sehen.

* Namen geändert

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