Darum gehts
- Leiterin (19) stirbt am 2. Juli bei Vorbereitung von Sommerlager in Eich LU
- Co-Präsident Jubla Schweiz bietet der Trauerfamilie Unterstützung
- Sommerlager mit Start am 4. Juli wird nach tödlichem Unglück abgesagt
Die Stimmung auf dem Lagerplatz in Eich LU ist gedrückt. Die Trauer ist gross. Hier starb am Donnerstag eine Leiterin (†19), als sie mit Kolleginnen und Kollegen das Sommerlager der Jungwacht Blauring (Jubla) Horw LU vorbereitete. Beim Unfall während der Aufbauarbeiten wurde zudem ein Mann (25) verletzt. Das Lager wurde nun abgesagt.
Luca Belci, Co-Präsident Jubla Schweiz, versucht am Freitag die richtigen Worte zu finden. Blick hat auf dem Lagerplatz mit ihm gesprochen. «Die beiden waren Teil des Leitungsteams, das den Platz vorbereitete, damit dann am Samstag die Kinder und Jugendlichen hätten anreisen können.»
Heisst: «Zum Zeitpunkt des Unfalls waren keine Kinder auf dem Platz. Es waren Leiterinnen und Leiter da, die aufgebaut haben.» Mehr Details zum Arbeitsunfall nennt Belci nicht.
«Familie trauert um verlorene Tochter»
Er erklärt aber, dass der Vorstand früh nach dem Unglück Kontakt mit den Eltern der verstorbenen Leiterin aufgenommen habe: «Das war uns wichtig. Wir haben mit ihnen telefoniert und unser Mitgefühl ausgedrückt.» Der Vorstand habe Hilfe angeboten. Belci sagt: «Die Familie ist stark betroffen, sie leidet und trauert um ihre verlorene Tochter. Wir versuchen die Trauerfamilie zu unterstützen, wo wir können.»
Auch die Leiterinnen und Leiter erfahren vom Vorstand Unterstützung. «Wir waren gestern früh nach dem Unglück vor Ort», sagt Belci. «Zuhören und dort helfen, wo sie gerade etwas benötigen.» Beispiel: «Wir haben mit der Gemeinde Eich eine Unterkunft für die Leiter organisiert, damit sie zusammen hier in der Region bleiben können – aber nicht hier auf dem Lagerplatz.»
Mit dem Leitungsteam wurde auch die zentrale Frage besprochen, ob das Sommerlager nach dieser Tragödie überhaupt stattfinden kann. Am Freitagnachmittag steht dann fest: Das Lager findet nicht statt. «Die Scharen Blauring Horw und Jungwacht Horw, die am 4. Juli ins Sommerlager gestartet wären, haben nach dem Todesfall von gestern, 2. Juli, und nach reichlich Überlegungen gemeinsam entschieden, dass ihr Sommerlager nicht stattfinden wird», heisst es in der Medienmitteilung.
Leiter bleiben auf Platz
Das Leitungsteam werde gemeinsam auf dem Lagerplatz bleiben, um den Vorfall gemeinsam zu verarbeiten und in Ruhe den Abbau der angefangenen Bauten in Angriff zu nehmen. «Der verletzte Leiter konnte mittlerweile das Spital verlassen und ist wieder mit dem Leitungsteam auf Platz.»
Weiter heisst es: «Stand heute können sich die beiden Scharen vorstellen, in der zweiten Lagerwoche ein freiwilliges Betreuungsangebot und Lagerprogramm für die angemeldeten Teilnehmenden in Horw anzubieten. Die Eltern werden dazu später noch informiert.»
Natürlich geht es bei Lagern von Jugendorganisationen in erster Linie um die Kinder. Daher seien deren Eltern auch schnell nach dem Unglück informiert worden, sagt Co-Präsident Belci. «Von den Eltern gibt es viele Reaktionen, viele Emotionen, viele machen sich Gedanken.» Aber: «Die Jubla-Arbeit basiert auf dem grossen Vertrauen, das die Eltern uns geben. Und auf langjährigen Beziehungen, die die Leiter mit diesen Eltern haben», sagt Belci. «Und wir werden unterstützen, damit dieses Vertrauen wiederhergestellt wird.»
Sicherheit sehr wichtig in Ausbildung
Die Aufgabe von Belci und dem Vorstand wird es jetzt sein, dass nach diesem tragischen Unfall nicht alles bei diesen Jugendorganisationen in Frage gestellt wird. «Man muss festhalten: In den Jugendorganisationen in der Schweiz finden viele Aus- und Weiterbildungen statt», sagt der 32-Jährige. «Die werden zusammen mit Jugend und Sport konzipiert. Die Sicherheit ist eines der wichtigsten Themen in der Ausbildung.»
Und: Jedes Lager habe ein Sicherheitskonzept, so Belci. «Im Vorfeld überlegt man sich ganz gut, wie man die Risiken minimiert und wie man sich auf einen Notfall vorbereitet und das nötige Material und Wissen hat, um helfen zu können.» Das werde in allen Lagern in der Schweiz gehandhabt. «Es ist wichtig, dass es auch weiterhin so professionell wie heutzutage gemacht wird.»
Nebst dem Organisieren und Rumtelefonieren seit dem Unglück ist es auch für Belci selbst eine emotional belastende Situation. Trotzdem findet er: «Es ist aber auch gut, dass wir hier helfen können. Sodass es den Leuten, die hier betroffen sind, möglichst bald wieder gut geht.»