«Ich habe nur Kosten, Kosten und Kosten»
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Alois Erstermann frustriert:«Ich habe nur Kosten, Kosten und Kosten»

Die Gemeinde Beromünster LU hat eine Terrasse vor 25 Jahren bewilligt – jetzt ist sie plötzlich illegal
«Ich habe einen Schaden von 60'000 Franken»

Alois Estermann will zurück ins Elternhaus. Doch statt umzuziehen, kämpft er nun gegen den Kanton. Der Grund: Das zuständige Amt hat seine Terrasse, die vor 25 Jahren bewilligt wurde, kurzerhand für illegal erklärt.
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Alois Estermann will sein Elternhaus renovieren.
Foto: Helena Graf

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Alois Estermann kämpft gegen Luzern wegen vermeintlich illegaler Terrasse
  • Nun soll sie rückgebaut werden
  • Estermann verliert 60'000 Franken durch doppelte Kosten und Anwaltsgebühren
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Helena GrafReporterin

Alois Estermann (61) steht auf der Terrasse seines Elternhauses, deutet Richtung Süden. «Das ist der Pilatus», sagt er, den Finger auf die verschneiten Gipfel gerichtet. Er dreht sich Richtung Westen, zeigt zum Horizont. «Und wenn das Wetter klar ist, erkennt man sogar den Säntis.» 

Beromünster LU liegt hell in der Nachmittagssonne. Etwas ausserhalb des Dorfes steht die alte Käserei seiner Eltern. Ein gelbes Gebäude mit drei Stockwerken. Und einer grossen Terrasse. Hier will Estermann wieder einziehen. Zurück ins Elternhaus, mit Sicht auf Pilatus und Säntis.

Doch der Umzug verzögert sich. Denn die Terrasse, sagt der Kanton Luzern, hätte nie gebaut werden dürfen!

Baubewilligung abgeschmettert

Estermann führt durch die Wohnung seiner Eltern, im ersten Stock der Käserei. «Hier war mein Zimmer», sagt er. Ein kahler Raum ohne Boden und Verputz. Kabelenden hängen überall. Estermann erklärt: «Ich habe 2024 alles rausreissen lassen, um zu renovieren.»

Er liess Pläne zeichnen. Im November 2024 reichte er das Baugesuch ein. An der Terrasse will er nichts verändern. Lediglich eine Schiebetür einsetzen lassen.

Im Mai 2025 erhielt er einen Brief von der Dienststelle Raum und Wirtschaft Luzern (Rawi). Darin heisst es, die Baubewilligung könne nicht erteilt werden. Der Grund: Die Terrasse sei illegal gebaut worden.

Gemeinde hatte Terrasse bewilligt

«Ich verstand die Welt nicht mehr», sagt Alois Estermann. «Meine Eltern haben die Terrasse vor 25 Jahren bauen lassen – mit Zustimmung der Gemeinde!»

Blick liegt die Baubewilligung aus dem Jahr 1999 vor. Der Gemeinderat beschloss damals, die Pläne für den Terrassenbau zu genehmigen. 

Doch weil die Käserei in der Landwirtschaftszone steht, hätte auch der Kanton zustimmen müssen. Doch offenbar gelangte das Gesuch nicht bis zur kantonalen Stelle. Das wäre die Aufgabe der Gemeinde gewesen, teilt das Rawi gegenüber Blick mit.

Fehler fiel 25 Jahre lang nicht auf

Estermann muss die Terrasse entsprechend rückbauen. Ansonsten werden seine Renovationspläne nicht bewilligt. «Das kommt nicht infrage», sagt er.

Die alte Käserei in Beromünster liegt still. Im ersten Stock und unter dem Dach befinden sich zwei Wohnungen.
Foto: Helena Graf

An der Terrasse hängen Erinnerungen. Feste mit den Nachbarn. Geburtstagsfeiern. «Meine Mama stand jeweils am Geländer und hat mit Passanten gequatscht», erinnert er sich. Die Eltern sind inzwischen beide verstorben.

Nach dem Brief im Mai engagierte der 61-Jährige einen Anwalt. Sie reichten die Bewilligung von 1999 ein und Baupläne aus dem Jahr 2014, die ein Vordach über der Terrasse beinhalteten. Auch dieses wurde bewilligt. «Wenn die Terrasse tatsächlich illegal wäre, warum fiel das den Behörden nicht schon damals auf?», fragt Estermann.

Auf diese Frage gibt das Rawi keine Antwort. Das Verfahren laufe noch, schreibt die zuständige Sprecherin. Die Gemeinde Beromünster verzichtet auf ein Statement. Der Fall liege noch beim Kanton, heisst es dort lediglich. 

Estermann zahlt doppelt

Doch aus den beiden früheren Briefen wird klar: Der Kanton wird das Baugesuch höchstwahrscheinlich nicht bewilligen. Und die Gemeinde kann grundsätzlich nichts dagegen machen. Zwar kann sie gegen einen Rückbau der Terrasse argumentieren. Davon absehen kann sie aber nur mit Zustimmung des Rawi.

Alois Estermann geht die Geduld aus. Die Sache lastet schwer auf ihm – und seinem Portemonnaie. Denn so lange er die Käserei nicht renovieren kann, muss er in seiner Mietwohnung bleiben. Entsprechend zahlt er doppelt: Hypothek und Miete. Hinzu kommen Anwalts- und Planungskosten. «Ich habe bereits einen Schaden von ungefähr 60'000 Franken», sagt er. Hinzu kommt: Solange nichts definitiv entschieden ist, kann er keine juristischen Schritte planen.

Die Sonne senkt sich über die grünen Hügel und Felder auf der Westseite der Käserei. Estermann schliesst die Tür zur Terrasse, läuft zum Treppenhaus. «Ich komme nicht gerne hierher», sagt er und dreht den Wohnungsschlüssel um. «Wut und Enttäuschung kommen wieder hoch. Aber vor allem macht es mich traurig.»

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