Darum gehts
- Paar aus Münsingen wartet seit Februar auf funktionierenden Internetanschluss
- Anbieter Wingo und Yallo schieben Verantwortung hin und her
- Nach Blick-Nachfrage funktioniert Internet zu Ostern endlich
«Superschnell» sollte das Internet von Lukas Baumer (34) und Sabrina Perren (32) sein, wenn man der Werbung glaubt. Die Realität: Ein «superlangsamer» Kundenservice, sagt Baumer aus Münsingen BE. «Seit einem Monat warten wir auf unseren neuen Internetanschluss, aber niemand tut was – Yallo nicht, Wingo nicht!»
Der Frust des jungen Paares spricht Bände. In den letzten Wochen telefonierten sie sich durch Helplines und klapperten die Shops der Telekommunikationsanbieter ab. Ohne Erfolg.
Lukas und Sabrina kündigten per 26. Februar. Ihr damaliger Netzanbieter Yallo bestätigte dies und schrieb: «Danach wird Ihr Anschluss vollständig für Ihren neuen Anbieter freigegeben.» Zeitgleich schrieb der neue Anbieter Wingo Ende Februar: «Dein Anschluss wird heute freigeschaltet!» Erstaunt freuen sich Perren und Baumer ab der zackigen Abwicklung. Sie ahnten noch nicht, welche Internet-Odyssee auf sie zukommt.
Glasfaserleitung freigeschaltet – oder doch nicht?
Wenige Stunden später flattert Wingos Rückzug ins Postfach: «Wir konnten die Linie nicht aufschalten, da diese von einem Voranbieter blockiert wird.» Es vergeht ein Wochenende. Baumer und Perren geben den Anbietern Zeit. Tage später fragen sie nach, doch die Antwort ist immer dieselbe. Ihre Anfrage wurde weitergeleitet, das zuständige Team werde helfen und «sorgfältig und aufmerksam» bearbeiten. Doch das «superschnelle» Internet lässt auf sich warten.
Über zehn Tage vergehen, bis sich ein Yallo-Mitarbeiter per E-Mail meldet. Er bestätigt die Kündigung nochmals und schreibt: «Die Glasfaserleitung wurde am 4.3.2026 um 16:49:39 Uhr freigeschaltet.» So steht es im Schreiben, das Blick vorliegt. Zeitgleich meldet die Swisscom-Tochter Wingo Mitte März, dass die Glasfaserleitung belegt ist. Kein Durchkommen, weil: «der vorherige Anbieter seine Services noch nicht deaktiviert hat», schreibt Wingo.
Obschon der Internetvertrag abgeschlossen ist, müssen die beiden Berner die Rechnung erst bezahlen, wenn das Internet funktioniert, versichert Wingo. Ein Hoffnungsschimmer. Es folgte ein mehrmaliges Hin und Her zwischen Baumer, Yallo und Wingo. Eine Lösung gab es bis dahin nicht. Das Paar ist verzweifelt. «Niemand unternimmt etwas. Beide schieben die Verantwortung hin und her», kritisiert Sabrina Perren. Ihr Partner Lukas ergänzt: «Es kann nicht so schwierig sein.»
Doch dann schreibt Wingo: «Wir konnten nun die Leitung erfolgreich per 26.3.2026 übernehmen. Somit ist die Aufschaltung zwischen 26.3.2026-27.3.2026.» Jubel! Endlich hat sich was getan, dachten sich Perren und Baumer. Ende März erneut die Ernüchterung. Aus der Leitung fliesst noch immer kein Internet.
Sabrina Perren und Lukas Baumer sind genervt. Sie arbeiten zwar nie im Homeoffice, aber wichtig wäre das Internet dennoch – zumal sie es gebucht haben. Perren: «Wir möchten am Abend auch mal einen Film schauen können.» Ihr Partner ergänzt: «Unabhängig davon ist dieser Kundenservice lausig.» Offenbar ist die Glasfaserleitung weiterhin blockiert. Von wem, bleibt unklar.
Ostertage werden Streamingtage
Bis sich Blick dem Anliegen annimmt und die beiden Billig-Telekomanbieter konfrontiert. Wenige Stunden nach der Konfrontation meldet das Berner Paar freudig: «Das Internet funktioniert!» Pünktlich werden die Ostertage zu Binge-Watch-Tagen.
Doch was führte zur wochenlangen Internet-Odyssee für die Berner? Swisscom-Tochter Wingo schreibt auf Anfrage: «Trotz Kündigung durch den Kunden blieb die Verbindung bei seinem bisherigen Anbieter aktiviert.» Sie schiebt die Verantwortung der Konkurrenz Yallo in die Schuhe. Sunrise-Tochter Yallo wollte sich innert Wochenfrist zu den Vorwürfen nicht äussern und liess eine Anfrage unbeantwortet. Sabrina Perren und Lukas Baumer wunderts nicht. Eine substanzielle Yallo-Antwort bekamen sie bis heute nicht.