Schweizer Jugendsprache
Neu in der Schweiz: Das erste Jugendwort des Jahres steht fest

Noch einen Vortrag vorbereiten, die Wohnung aufräumen oder am Wochenende arbeiten? Die Antwort der Jungen könnte kurz und trocken ausfallen: «Würd mi.» Der Ausdruck ist das erste Deutschschweizer Jugendwort des Jahres. Auch in den anderen Sprachregionen wurde gewählt.
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Jugendliche aus allen vier Sprachregionen haben erstmals ihre Favoriten-Wörter gekürt.
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Gunda BosselSEO-Redaktorin

Wer heute mit Jugendlichen spricht, braucht manchmal einen kleinen Übersetzer im Kopf. Zwischen englischen Begriffen, Dialekt und ironischen Sprüchen kann selbst eine einfache Unterhaltung zur Herausforderung werden. Jetzt gibt es einen Ausdruck, den sich auch Erwachsene gut merken können: «Würd mi» ist das erste Deutschschweizer Jugendwort des Jahres.

Gemeint ist damit «Das würde mich nerven». Der Clou liegt im Tonfall: Statt lange über eine unangenehme Situation zu diskutieren, reichen zwei Wörter, um das eigene Mitgefühl oder auch eine gehörige Portion Schadenfreude auszudrücken, je nach Situation.

Muss jemand beispielsweise am Samstag für eine Prüfung lernen, könnte die Reaktion lauten: «Würd mi.» Frei übersetzt: Zum Glück muss ich das nicht machen. Oder etwas weniger freundlich: Selbst schuld!

Englisch ist gut, Schweizerdeutsch geht auch

Die Wahl zeigt, dass die Jugendsprache zwar gerne englische Begriffe aufnimmt, der heimische Dialekt aber keineswegs ausgedient hat.

Auf dem zweiten Platz landete «Nöd so deep». Das englische Wort «deep» steht für tief. Im Gespräch bedeutet der Ausdruck allerdings nicht, dass jemand philosophisch werden soll. Im Gegenteil: Die Botschaft lautet, etwas nicht zu ernst zu nehmen oder nicht unnötig zu zerdenken.

Bronze geht an «Peak». Wer etwas als «peak» bezeichnet, meint damit etwas besonders Gutes oder Gelungenes. Ein Konzert, das begeistert, kann also genauso «peak» sein wie ein unvergesslicher Abend mit Freunden.

Für Eltern, die bei solchen Ausdrücken erst einmal nachfragen müssen, ist das immerhin eine gute Nachricht: Nicht jede neue Wortschöpfung verlangt ein Wörterbuch. Manchmal hilft es schon, den Zusammenhang zu kennen.

Zum ersten Mal wählt die ganze Schweiz

Die Premiere beschränkt sich nicht auf die Deutschschweiz. Jugendliche aus allen vier Sprachregionen haben erstmals ihre Favoriten gekürt. In der Romandie setzte sich «Goumin» durch, ein Ausdruck für Liebeskummer. Im Tessin gewann «Aura», das für Ausstrahlung oder Charisma steht. In der rätoromanischen Schweiz machte «Bursa» das Rennen. Der Begriff wird dort scherzhaft für einen Trottel verwendet.

Die Begriffe wurden von Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren vorgeschlagen. Anschliessend entschied eine Jury aus jungen Menschen über die Gewinner. Fachleute der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) begleiteten das Projekt wissenschaftlich.

Dabei ging es nicht einfach darum, möglichst originelle Wörter zu sammeln. Die Auswahl soll auch zeigen, wie junge Menschen ihre Umgebung wahrnehmen und welche Ausdrücke ihren Alltag prägen.

Die Auswahl beschränkt sich erstmals auf die Schweiz, in unserem Nachbarland wurde das deutsche Jugendwort des Jahres mit «Ragebait» bereits Anfangs Oktober gewählt.

Was die Wörter über die Jungen verraten

Jugendwörter sind mehr als kurzlebige Trends. Sie schaffen Zugehörigkeit, transportieren Gefühle und grenzen manchmal auch bewusst von der Sprache der Erwachsenen ab. Wer einen Ausdruck nicht versteht, merkt schnell, dass er gerade nicht ganz zur angesprochenen Gruppe gehört.

Gleichzeitig verändert sich die Jugendsprache laufend. Manche Begriffe verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Andere schaffen es in den allgemeinen Sprachgebrauch und werden irgendwann auch von Erwachsenen verwendet.

Ob «Würd mi» diesen Sprung schafft, wird sich zeigen. Für den Moment lohnt es sich jedenfalls, den Ausdruck im Hinterkopf zu behalten. Falls die nächste Zusatzaufgabe im Büro landet, könnte eine knappe Antwort bereits genügen.

Aber Vorsicht: Wer den Spruch allzu begeistert bei den eigenen Kindern ausprobiert, riskiert womöglich einen ganz anderen Kommentar. Und der dürfte dann wieder eine Übersetzung nötig machen.

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