Darum gehts
- Die Zürcher Justiz ermittelt gegen Hamza Raya wegen Rassismus-Vorwürfe
- Am Dienstag wurde der bekannte Komiker von der Polizei vorgeladen
- Der neue Fall befeuert die Debatte um Grenzen von Satire
Hamza Rayas (42) Witze brechen Tabus. Sie sind bissig, brachial – und zuweilen beleidigend. Aber sind sie auch rassistisch? Das klärt jetzt die Justiz. Die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigt gegenüber SonntagsBlick, dass Ermittlungen laufen. Grund ist die zwei Jahre alte virale Videoreihe «Jude vs. Araber», die laut einer Strafanzeige diskriminierend sein soll.
Hunderttausende haben Rayas Clips auf Youtube bereits gesehen. Darin wetteifert der Zürcher Komiker, der aus einer libanesisch-irakischen Flüchtlingsfamilie stammt, mit dem jüdischen Gastronomen Sam Friedman (43) um den derbsten Witz über die andere Volksgruppe. Raya: «Was ist der Lieblingsfeiertag eines Juden? Aschermittwoch.» Oder: «Was ist eine Beule in der Gasleitung? Ein Jude auf der Flucht.»
Eine nicht näher bekannte Person aus Deutschland fand das überhaupt nicht lustig und zeigte den Komiker an. Am vergangenen Dienstag musste Raya nun bei der Zürcher Kantonspolizei zur Befragung antraben.
Raya sieht sich als «Brückenbauer»
Hamza Raya spielt in seiner Comedy seit jeher mit Vorurteilen und Klischees. Er bezeichnet sich selbst als «Brückenbauer», der Menschen dazu bringe, Stereotypen zu überdenken.
In der Youtube-Serie «Rassistische Witze» zum Beispiel, in der er Menschen mit Migrationshintergrund Witze erzählt, tönt das so: «Warum lassen sich Türken einen Schnauz wachsen? Damit Sie mit dem Ausweis ihrer Mutter in den Club kommen.» Oder: «Weshalb haben Schwarze weisse Handflächen? Weil jeder eine gute Seite an sich hat.»
Erfolgreich ist mittlerweile auch seine Live-Comedy-Reihe «Dini Muetter» im Zürcher Club Plaza. Laut Eigenbeschrieb «die unverschämte Comedy Show, bei der ‹Political correctness› keinen Platz hat».
«Dieser Fall betrifft nicht nur Hamza Raya»
Unterstützt wird Raya vom Bündnis für Redefreiheit, einem Netzwerk aus Juristen, Publizisten und Aktivisten aus der Szene der Corona-Massnahmen-Gegner. Dieses übernimmt die Kosten für die Verteidigung.
Geschäftsführer Andrea Seaman schreibt in einer Mitteilung des Bündnisses: «Dieser Fall betrifft nicht nur Hamza Raya, sondern alle Künstler, Satiriker und Bürger. Denn wo Satire und Lachen kriminalisiert werden, ist die Freiheit in höchster Gefahr.»
Auch Raya lässt sich in der Mitteilung zitieren: «Für mich verläuft eine wichtige Grenze bei der Intention. Wer mit Humor bewusst Menschen herabsetzt oder Hass schürt, überschreitet sie.» Gehe es hingegen darum, Menschen zusammenzubringen, sollte eine freie Gesellschaft ihren Bürgern zutrauen, Kontext, Ironie und Absicht zu erkennen.
Nicht der erste Fall
Der neue Fall erinnert stark an die Debatte um Videos des Tiktokers Bireweich aka Mirco Casorelli (40). Auch er muss sich für Sprüche vor der Justiz verantworten, auch er stellt sich auf den Standpunkt, es handle sich um Humor. Und: Auch er wird vom Bündnis Redefreiheit unterstützt.
Bireweich bezeichnete die Schweizer Nati-Stars Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka als «Schachtelgrinde», Trainer Murat Yakin als «Kebab-Verkäufer», den dunkelhäutigen Fussballer Jordan Lotomba als «gefürchige Gestalt». Alles Satire, sagt der Influencer. Er habe nur einen Schweizer «Bünzli» parodiert.
Der Schweizerische Fussballverband (SFV) sah das anders. Er reichte Anzeige wegen Rassismus ein. Die Schaffhauser Staatsanwaltschaft verurteilte Bireweich daraufhin wegen Diskriminierung und Aufruf zu Hass, doch das Kantonsgericht sprach den Tiktoker wieder frei. Jetzt entscheidet das Obergericht. Beim Gerichtsprozess in Schaffhausen vor drei Wochen wurde Bireweich auch von Hamza Raya unterstützt.
Kabarettist Dieter Nuhr im Shitstorm
Was darf Satire? Auch Deutschland diskutiert gerade heftig darüber. Grund sind Witze des Kabarettisten Dieter Nuhr (65), die viele so gar nicht witzig fanden. In seiner TV-Sendung sagte er, dass die Wahrscheinlichkeit, vom eigenen Partner ermordet zu werden, «praktisch bei null» liegen würde. Es würden ja «nur» 300 bis 350 Frauen pro Jahr von ihrem Partner umgebracht. «Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.»
Der Shitstorm folgte prompt. Und Nuhrs Verteidigungsschreiben ging im Getöse beinahe unter. Auf Facebook schreibt er, die Vorwürfe seien «lächerlich». Er habe sich in seiner Sendung nicht über Frauenmorde lustig gemacht: «Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht.»