Darum gehts
- Zahlreiche Eringerkühe auf einer Oberwalliser Alp erkrankten Ende Juli mysteriös
- Symptome: Fieber, Lähmungen, Gangunsicherheiten, neurologische Störungen oft einseitig
- Über 25 Krankheiten abgeklärt, Tierseuche ausgeschlossen, Ursache weiterhin unklar
Wie betrunken torkelten mehrere Tiere einer Herde Eringerkühe auf einer Alp im Oberwallis über die Weide, berichtete «Le Nouvelliste». Ende Juli litt die Mehrheit der etwas mehr als 40 Rinder in der Herde plötzlich an einer Vielzahl von Krankheitssymptomen, die Fachleute weiterhin vor ein Rätsel stellen. Über 25 mögliche infektiöse Ursachen wurden bereits überprüft, erklärte Kantonstierarzt Eric Kirchmeier gegenüber dem «Walliser Boten». Doch ohne Erfolg. Auch drei Wochen nach Ausbruch der mysteriösen Krankheit ist die Ursache noch nicht gefunden.
Welche Symptome weisen die Tiere auf?
Die betroffenen Eringerkühe zeigten unter anderem Fieber, Atemwegsprobleme und eine Häufung an Fehlgeburten. Zudem wirkten die Tiere apathisch, nahmen ungewöhnliche Körperhaltungen an oder zeigten Unsicherheiten im Gang – einige schienen wie betrunken zu laufen oder hatten überhaupt Mühe, sich zu bewegen.
Besonders auffällig zeigten sich jedoch neurologische Probleme wie reduzierte Reflexe oder eine geringere Schmerzempfindlichkeit, wie der «Walliser Bote» berichtet. Markant zeigte sich dabei, dass die neurologischen Störungen oft nur einseitig auftraten – auch in Form von Lähmungen.
Welche Ursachen werden untersucht?
Sämtliche gesetzlich vorgeschriebenen Analysen wurden bereits durchgeführt. Doch keine der über 25 untersuchten Krankheiten konnte nachgewiesen werden. Die Abklärungen werden deshalb fortgesetzt, mit zusätzlicher Unterstützung durch eine Universitätsklinik.
Zudem werden mögliche Auslöser überprüft – etwa toxische Einflüsse. Doch eine Untersuchung des Tränkewassers und eine gezielte Suche nach Giftpflanzen auf der Alp blieben bislang erfolglos. Untersucht wird auch, ob ein möglicher Stoffwechsel- oder Nährstoffmangel hinter den Symptomen steckt.
Welche Massnahmen wurden ergriffen?
Da eine Tierseuche zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde die Alp zunächst gesperrt. Nun dürfen die Eringerkühe jedoch wieder zurück auf ihre jeweiligen Heimbetriebe gebracht werden. Der Abtrieb darf jedoch nur auf direktem Weg dorthin erfolgen. Zudem dürfen die Tiere nach ihrer Rückkehr für 30 Tage nicht vom Betrieb wegbewegt werden, erklärt der Kantonstierarzt.
Könnte sich die Krankheit ausbreiten?
Der Fall auf der Oberwalliser Alp ist ein lokales Ereignis, betonte Kirchmeier gegenüber dem «Walliser Boten». Ähnliche Fälle mit einer solchen Häufung an Symptomen wurden nicht gemeldet. Deshalb bestünden aktuell keine Hinweise, dass sich die Krankheit im Wallis ausbreiten könnte.
Eine weitere Besonderheit: Bei den betroffenen Tieren handelt es sich ausschliesslich um Eringerkühe, die zum Zeitpunkt der Erkrankung keine Milch produzierten. Ein Virus, das bei anderen Milchkühen in der Schweiz festgestellt worden war, wurde deshalb bereits von Beginn an nicht in den Fokus genommen. Untersuchungen bestätigten diese Annahme. Eine ansteckende Tierseuche wurde nach den Tests nun ausgeschlossen.
Gab es bereits solche Fälle bei Eringerkühen?
In dieser spezifischen Form und Häufung wurden solche Krankheitssymptome bei Eringerkühen noch nie gemeldet. Darüber hinaus gelten Eringerkühe als robuste und zähe Rasse. Im Vergleich zu hochgezüchteten Milchkühen haben sie ein niedrigeres Leistungsniveau, wodurch typische Leistungskrankheiten (wie Euterentzündungen, Kalziummangel oder schwere Geburtskomplikationen) vergleichsweise seltener auftreten. Umso alarmierter sind daher die Fachleute.
Schon im vergangenen Juli wurden Schweizer Rinderherden, auch die Eringerkühe, besonders gut beobachtet. Denn in Frankreich brach die ansteckende Lumpy-Skin-Krankheit aus. Besonders jurassische Rinder, die im Nachbarland grasten, mussten auf den französischen Weiden bleiben – aufgrund eines Exportverbots. Zudem wurden Herbstveranstaltungen und Ringkuhkämpfe der Eringer im Wallis abgesagt – um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern.