Raphael B. (36) erschiesst zwei Menschen im Wallis – Bekannter von ihm ist nicht überrascht
«Er hat das typische Profil eines Psychopathen»

Raphael B. schoss am Montagmorgen in Sitten auf mehrere Personen. Zwei Menschen starben. Am Nachmittag wurde B., der sich zunächst auf der Flucht befand, verhaftet. Blick informiert im Ticker.
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Polizeieinsatz in Sitten VS. Ein Mann hat zwei Personen getötet.
Foto: Martin Meul

Um 15.43 Uhr klicken in der Region St-Léonard VS endlich die Handschellen. Raphael B.* (36) befindet sich in Gewahrsam der Behörden. Es ist das Ende einer achtstündigen Menschenjagd, die das Wallis seit dem frühen Montagmorgen in Atem hält. Und deren Ausgang lange ungewiss ist. Denn der flüchtige Raphael B.* ist bewaffnet und extrem gefährlich.

Das beweist der Maler und Lackierer rund acht Stunden zuvor. Auf einem Parkplatz in der Rue Oscar-Bider in Sitten erschiesst B. eine 34-jährige Frau. Die beiden hätten Streit gehabt, sagt später die Staatsanwaltschaft, ohne auf Details einzugehen. Die Zeitung «Le Nouvelliste» berichtet davon, dass sich der Täter eine Beziehung mit Tara C.* gewünscht habe, von ihr aber zurückgewiesen wurde.

Zweites Opfer in Malerbetrieb

Mit den Schüssen auf sein erstes Opfer ist die Tötungslust von Raphael B. noch nicht gestillt. Nur wenige Minuten später und nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt vom ersten Tatort richtet er erneut seine Waffe auf Menschen.

Dieses Mal trifft es einen 41-jährigen Mann und eine 49-jährige Frau. Der Mann stirbt, die Frau wird durch Schüsse aus B.s Waffe verletzt. Sie liegt noch im Spital, über ihren Zustand ist nichts bekannt. Auch mit den Opfern am zweiten Tatort sei der Schütze bekannt gewesen, hätte mit ihnen Streit gehabt, so Staatsanwalt Olivier Elsig. Von einem Femizid gehen die Behörden nicht aus. Vielmehr sehe es danach aus, dass B.s Schüsse in der Firma eine Abrechnung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber gewesen seien. Das Motiv scheint Rache zu sein.

Nach dieser zweiten Tat fehlt von Raphael B. zunächst jede Spur. Über Stunden weiss niemand, wo der Todesschütze steckt, ob er sich in einen anderen Kanton oder gar ins Ausland abgesetzt hat. Die Walliser Kantonspolizei sucht mit Hochdruck nach B. Über 120 Polizisten stehen im Einsatz, im ganzen Kanton werden Strassensperren errichtet. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten kontrollieren Autos. Ausnahmezustand im Wallis!

Man will B. unter allen Umständen fassen, denn man weiss nicht, was er noch plant. Möglich ist vieles. Auch, dass B. mit seinem Rachefeldzug noch nicht fertig ist. 20 Personen werden deshalb im Laufe des Tages unter Polizeischutz gestellt.

Zwei registrierte Waffen

Es sind bange Stunden für den Kanton, und wohl auch für Mutter Géraldine B.*. Auch sie weiss lange nicht, wo sich ihr Sohn aufhält, ob er noch am Leben ist. Wohl auch deshalb will sie die Ereignisse des Tages nicht kommentieren, als Blick sie zu Hause aufsucht.

Unterdessen ist der Todesschütze für die Behörden kein Unbekannter. «Mehrere Verfahren sind gegen den mutmasslichen Schützen hängig», sagte der zuständige Staatsanwalt Elsig am Abend. Kürzlich wurde B. auch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ausserdem sind auf den Schützen auch zwei Waffen bei den Walliser Behörden registriert. Diese wurden ihm offenbar vererbt. Von wem ist unklar, sein Vater allerdings starb vor zwei Jahren.

Keinen Widerstand geleistet

Später machen Gerüchte die Runde, der Täter habe seine Taten auf Video festgehalten. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Abend, dass der Täter tatsächlich Videos an mehrere Personen verschickt habe. Allerdings sei er in diesen nur selbst zu sehen. Zum konkreten Inhalt gab es keine Auskunft.

Als B. am Nachmittag nur wenige Kilometer östlich von den beiden Tatorten in der Region St-Léonard von der Interkommunalen Polizei Crans-Montana verhaftet wurde, leistete er keinen Widerstand. Seine Taten hat er kurz danach gestanden.

*Namen geändert

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