Darum gehts
- Leukerbad will mit dem Masterplan Torrent über 100 Millionen Franken in die Modernisierung seiner Bergbahnen investieren
- Die Nachbargemeinde Albinen stellt sich nun gegen einen Teil des Masterplans und bringt eine eigene Lösung ins Spiel
- Ohne Albinen droht sich das Genehmigungsverfahren für die geplante neue Pendelbahn zu verzögern
Die Tourismusdestination Leukerbad im Kanton Wallis floriert: In der Wintersaison 2025/26 erzielten die dortigen Torrent-Bahnen einen neuen Eintrittsrekord. Die beliebte Leukerbad-Therme verzeichnete das zweitbeste Ergebnis der vergangenen zehn Jahre. Und auch die Tourismusgesellschaft My Leukerbad AG verbuchte zum vierten Mal in Folge einen Umsatzrekord.
Doch ein neu entflammter Konflikt mit einem Nachbardorf überschattet den Erfolg – und bringt nun ein seit Jahren geplantes Mega-Projekt ins Wanken. Aber von vorne.
Über 100 Millionen für neue Bahnen
Leukerbad will sein Skigebiet für die Zukunft rüsten – und hat dazu 2023 den sogenannten Masterplan Torrent erarbeitet. Nötig ist er vor allem, weil die Bergbahn-Infrastruktur in die Jahre gekommen ist: Die Pendelbahn zwischen Leukerbad und der Rinderhütte ist mittlerweile mehr als 50 Jahre alt, die Gondelbahn von Flaschen zur Rinderhütte hat 31 Jahre auf dem Buckel. Letztere sorgt immer wieder mit Pannen für Ärger, etwa 2024, als die Bahn an einem Spitzentag im Dezember anderthalb Stunden lang stillstand. Der Masterplan sieht deshalb Investitionen von mehr als 100 Millionen Franken vor, um die Bergbahnen zu modernisieren.
Der Umbau erfolgt in drei Schritten: Zuerst soll die pannengeplagte Gondelbahn Flaschen–Rinderhütte umfassend erneuert werden. Danach wird eine neue Bahn gebaut, die auf das Torrenthorn führt. Den Abschluss bildet der Ersatz der mehr als 50 Jahre alten Pendelbahn. Ihre Talstation befindet sich bereits heute in Leukerbad, soll aber an einen anderen Standort innerhalb des Dorfes verlegt werden. Die drei beteiligten Gemeinden Leukerbad, Albinen und Guttet-Feschel stimmten dem Masterplan zu – der Weg für das Mega-Projekt schien frei.
Gemeinde stellt sich quer und bringt eigene Lösung ins Spiel
Doch jetzt stellt sich Albinen quer, wie der «Walliser Bote» berichtet. Der Gemeinderat sprach sich im September dagegen aus, die neue Pendelbahn in den kantonalen Richtplan aufzunehmen. Das ist entscheidend: Ohne einen Eintrag in den rechtskräftigen Richtplan kann das Genehmigungsverfahren für die neue Bahn nicht durchgeführt werden. Wichtig zu erwähnen: Als Albinen dem Masterplan zustimmte, sass noch ein anderer Gemeinderat im Amt. Heute ist er komplett neu zusammengesetzt.
Doch warum blockiert Albinen das Projekt plötzlich? Der Gemeinderat befürchtet, dass das Dorf «den direkten Zugang zum Skigebiet verliert», wie er in einer Mitteilung schreibt. Was damit genau gemeint ist, bleibt allerdings offen. Denn bereits heute befindet sich die Talstation der Pendelbahn nicht in Albinen, sondern in Leukerbad. Eine Anfrage von Blick an die Gemeinde blieb bislang unbeantwortet.
Eine Alternative hat der Gemeinderat bereits parat: Statt die Pendelbahn zu ersetzen, soll eine neue Zubringerbahn Wintersportler von Leukerbad zur bestehenden Gondelbahn Flaschen–Rinderhütte bringen. Deren Talstation liegt geografisch deutlich näher an Albinen. Für den Gemeinderat wäre dies die «betrieblich bessere Lösung».
Leukerbad sieht entscheidenden Haken
Die Gemeinde Leukerbad und die Bergbahnen fühlen sich vom Entscheid überrumpelt. In einer gemeinsamen Erklärung bedauern sie den Widerstand ihrer Nachbarn. Die nun vorgeschlagene Variante sei zudem bereits geprüft, aber wieder verworfen worden. Der Grund: Teile des Gebiets, in dem Albinen die Talstation der Zubringerbahn vorsieht, liegen in einer Gefahrenzone.
Wie es mit dem Millionenprojekt nun weitergeht, ist offen. Gegenüber Blick wollen sich die Verantwortlichen in Leukerbad vorerst nicht weiter äussern. «Im Rahmen der Generalversammlung der Torrent-Bahnen Leukerbad-Albinen AG am 9. Oktober werden die Aktionäre über das weitere Vorgehen informiert», sagt ein Sprecher der My Leukerbad AG zu Blick. Bis dahin werde man das Thema nicht weiter kommentieren.